Die deutsche Bundesliga hofft auf mehr Aufmerksamkeit von den US-Fußballfans

Andreas Heyden, Leiter der Digitalen Innovationen der deutschen Bundesliga (DFL), weiß, dass seine Liga in einem harten Kampf um die Aufmerksamkeit der Fußballfans steht.

fca_lev_titel_056 Die deutsche Bundesliga hofft auf mehr Aufmerksamkeit von den US-Fußballfans Thema | Presse Augsburg
Foto: Sebastian Pfister

Kürzlich sagte er in einem Interview für The inquirer: „1,5 Milliarden Menschen auf der Welt sprechen Englisch. 600 Millionen Menschen auf der Welt sprechen Spanisch “, verglichen mit nur 150 Millionen Deutschsprachigen Menschen weltweit. „Unsere Konkurrenten, die [englische] Premier League und die [spanische] La Liga, haben automatisch ein Publikum mit fast einer halben Milliarde potenziellen Fans.“

Die Digitalisierung wurde ausgeweitert

Wenn man die Digitalisierung der Bundesliga mit anderen Ligen vergleicht, dann hat Heyden wahrhaftig tolles geleistet. Er veranlasste zum Beispiel, dass alle deutschen Fußballstadien mit einem 5G-Netz ausgestattet werden. Das wurde von vielen Fans gefeiert, gerade für wettbegeisterte Fussballfans bedeutet es, immer Zugang zu Live Wetten zu haben.
Mittlerweile gibt es auch Mini-Hightech-Kameras in Fahnenstangen und die Social-Media Präsenz hat Dank neuer Strategien an Erfolg zugenommen.
Mittlerweile trifft sich die Digitalisierung der Bundesliga mit anderen Ligen auf Augenhöhe.

Fox als Partner der Bundesliga

Die Bundesliga scheint nicht viele Fans in den USA zu haben. Nicht jedes Spiel wird im Fernsehen ausgestrahlt, dennoch gab es regelmäßig Spiele bei Fox Sports 1 und sogar eine Handvoll im Hauptsendernetz von Fox. Fox ist ein privater Fernsehsender, somit kann man diese Spiele nur sehen wenn man diesen Sender monatlich bezahlt.

Leider gab es nicht genug Zuschauer die sich die Bundesliga-Spiele auf Fox anschauten. Es waren weitaus weniger als sich Fox erhofft hatte,  und deshalbwerden die Spiele heute nur noch auf den Nebensender GolTV ausgestrahlt.

Nehmen wir zum Beispiel das Wochenende vom 9. November, an dem vier Bundesligaspiele im US-Fernsehen ausgestrahlt wurden, darunter das Top-Spiel Bayern München gegen Borussia Dortmund, das wahrscheinlich spannendste Spiel der Bundesliga. Allerdings haben sich nur 72.000 Zuschauer das Spiel angesehen.

Zum Vergleich: zur gleichen Zeit lief das Spiel Leicester City gegen Arsenal von der Premier League auf dem NBC-Sender  und zog 779.000 Zuschauer vor die Fernseher. Am Sonntag verzeichnete NBCSN 773.000 Zuschauer die sich das Spiel Liverpool gegen Manchester City angeschaut haben. Auch wurden die beiden Top-Titelanwärter Spiele in Spanisch geschaut, auf dem Sender Telemundo wurden  402.000  Zuschauer gezählt.

Kein Wunder, dass Bundesliga-Chef Christian Seifert kürzlich gegenüber SportBusiness.com erklärte, er sei „ein bisschen enttäuscht von Fox als Partner“. Fox habe die Bundesliga nicht ausreichend vermarktet und zu schnell Spiele auf den Nebensender GolTV verlegt.

Die neue Hoffnung ESPN

Der Fox Deal endet nach dieser Saison und es wird große Hoffnung auf den neuen Sechsjährigen-Deal mit ESPN gelegt. Bei ESPN sollen dann fast alle Spiele exklusiv über die Abonnement-Plattform ESPN + online gestellt werden. Das Netzwerk hat zugestimmt, mindestens vier Spiele pro Saison im linearen Fernsehen auszustrahlen.

ESPN + wird die Sichtbarkeit gegenüber den restlichen Ligaspielen erhöhen, somit könnten mehr Fans erreicht werden und eventuell auch neue Fans dazukommen.

Heyden äußerte sich zu den ESPN Deal so: „Wenn ich raten müsste, wo in den nächsten sechs Jahren das für uns relevante Publikum zu finden ist, würde ich auf jeden Fall ESPN sagen, „Wir gehen davon aus, dass ESPN für das richtige Publikum attraktiv sein wird.“

Die Bundesliga als wichtige Anlaufstelle für US-Fußballspieler

Die Bundesliga wird auch weiterhin alles daran setzen, mit IhremAußenbüro in New York, den Marketingschub weiter voranzutreiben.. Viele Clubs haben ihre englischsprachigen Social-Media-Inhalte dramatisch erweitert, mit einem besonderen Augenmerk auf die US-Fans, die deutsche Spieler folgen wollen.

Vor allem aber will die Bundesliga eine wichtige Anlaufstelle für die amerikanischen Spieler bleiben. England wird wahrscheinlich wegen der Sprache immer die größte Anziehungskraft haben, aber in Deutschland gehen die Aussichten oft zuerst ins Ausland. Das Gütesiegel, Heimat des nächsten Stars zu sein, gilt für alle amerikanischen Sportarten, nicht nur für Fußball.

„Eine unserer Hoffnungen ist, dass die Mehrheit der amerikanischen Spieler bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 Erfahrung in der Bundesliga haben wird“, sagte Heyden. „Einige Amerikanische Spieler haben sich in der Vergangenheit entschieden, die Bundesliga zu verlassen, was im Fußball normal ist. Aber viele von ihnen haben einen beeindruckenden Fußabdruck in der Liga hinterlassen, wobei [Christian] Pulisic wohl bis jetzt der beste war.“

Jeder Bundesliga-Verein hätte gerne einen eigenen Pulisic, der aus Hershey Pennsylvenia gebürtige, wurde  im vergangenen Sommer ein Star bei Borussia Dortmund undwechselte dann zu Chelsea.

Fünf aktuelle Spieler der US-Nationalmannschaft spielen zur Zeit in verschiedenen Bundesliga-Clubs: Josh Sargent (Werder Bremen), Weston McKennie (Schalke 04), Tyler Adams (RB Leipzig), John Brooks (VfL Wolfsburg) und der aus Coatesville stammende Zack Steffen (Fortuna Düsseldorf) (Leihgabe von Manchester City).

Und es kommen neue Junge Spieler, angeführt von dem 16-jährigen Gio Reyna (Dortmund), Sohn der US-Legende Claudio Reyna; Der 18-jährige Ulysses Llanez (Wolfsburg); und der 19-jährige Chris Richards (Bayern).