„Die Notunterkunft darf am besten Freund des Menschen nicht scheitern“

Obdachlose Menschen können künftig in Übergangswohnheimen übernachten, ohne ihren Hund auf der Straße zurückzulassen: Die Vierbeiner werden dann im Tierheim betreut. Stadt und Tierschutzverein haben eine entsprechende Vereinbarung geschlossen.

Im Tierheim Augsburg können Obdachlose jetzt ihre Hunde abgeben. Knut Bliesener (SKM), Katja Mann (SKF), Heinz Paula und Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer (von links) waren zur Vertragsunterzeichnung gekommen. Bild: Michael Hochgemuth

Es ist eine Regelung, die für den Betrieb eines Wohnheims für obdachlose Menschen leider unerlässlich ist: Obdachlose Personen, die dort übernachten, dürfen ihren Hund nicht mitnehmen. Das befristete Zusammenleben vieler Menschen in einem geschützten Raum, an dem viele individuelle Problemlagen aufeinandertreffen, ist zerbrechlich und soll nicht beeinträchtigt werden. „Gerade in den Wintermonaten besteht allerdings die Gefahr, dass Hundebesitzerinnen und -besitzer aus diesem Grund die Obdachlosenheime nicht aufsuchen. Sie möchten sicher sein können, dass es ihrem vierbeinigen Begleiter gut geht“, erläutert Sozialbürgermeister Dr. Stefan Kiefer.

Im Zuge der Neustrukturierung der städtischen Obdachlosenhilfe soll dieses Problem – das klein wirkt, aber für die Betroffenen von großer Bedeutung ist – nun gelöst werden: Die Stadt Augsburg als Trägerin der Übergangswohnheime ist an den Tierschutzverein herangetreten, der das Tierheim an der Holzbachstraße betreibt.

Futter und tierärztliche Grundversorgung

Künftig wird im Tierheim in den Wintermonaten eine vertraglich vereinbarte Zahl an Plätzen für Hunde von Bewohnerinnen und Bewohner der Obdachloseneinrichtungen freigehalten: Jedes Tier, das von obdachlosen Bewohnerinnen und Bewohnern der Übergangswohnheime (ÜWHs) in Absprache mit dem städtischen Fachbereich Wohnen und Unterbringung in das Tierheim gebracht wird, wird fachgerecht untergebracht und versorgt. Es erhält Futter und gegebenenfalls eine tierärztliche Grundversorgung. Wenn die Halter zustimmen, wird das Tier kostenlos gekennzeichnet und beim Deutschen Haustierregister (Findefix) angemeldet.

Übergangswohnheime ganz in der Nähe

Das Tierheim ist nicht weit von den städtischen Übergangswohnheimen (ÜWHs) entfernt: Rund ein Kilometer ist es zum Wohnheim für Männer in der Johannes-Rösle-Straße entfernt, das der SKM betreibt, und rund 1,5 Kilometer vom Übergangswohnheim für Frauen, das der SkF in der Stadtberger Straße leitet.

Sozialreferent Dr. Kiefer: Beste Voraussetzungen für dieses Projekt

Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer freut sich, dass diese – zunächst auf drei Jahre befristete Zusammenarbeit zustande gekommen ist: „Augsburg hat mit seinem fachlich versierten und sozial vielfältig engagierten Tierschutzverein beste Voraussetzungen für dieses Projekt“. Für Heinz Paula, den Vorsitzenden des Tierschutzvereins, ist die Vereinbarung der Einstieg in einen Projekt, „das zeigt, wie sehr Menschenwürde und Tierwürde zusammenhängen – und dass beides in Augsburg gemeinsam seinen Platz hat“. (cg)