Die schönsten Geschichten sind die, die mit einem Happy End enden. Die vielen Geschichten, die die Eigner Angels aus Nördlingen bei ihrem Pflichtspielauftakt in Freiburg erlebten, eint eines: alle beinhalten eine Portion Glück und endeten mit einem Happy End.

Da ist die Geschichte von Olena Vasylenko, die mit ihrem Mann aus der Ukraine nach Deutschland floh. Sie fand eine sportliche Bleibe bei den Eigner Angels und ein neues Zuhause bei der Familie des ehemaligen sportlichen Leiters, Kurt Wittmann. Hier ist der Glücksanteil sicher unbeschreiblich hoch. Sportlich gipfelte er in einem erfolgreichen Auftritt bei ihrem ersten Pflichtspiel für die Angels (5 Punkte in 12 Minuten). Dann gibt es die Geschichte von Sami Hill, die mit Team Canada eine erfolgreiche Weltmeisterschaft in Australien spielte und erst am vergangenen Donnerstagmorgen wieder in Nördlingen eintraf. Es gibt die Geschichte von Elina Koskimies, die sich wieder den Rieserinnen anschloss und nun eine absolute Führungsrolle einnimmt. Und eine vermeintlich weniger glückliche Geschichte war das schwere Pokallos, dass den Rieserinnen ausgerechnet den letztjährigen deutschen Meister, und das noch in dessen Halle, bescherte.    

Anissa Pounds Freiburg Bene Lasser
Anissa Pounds sorgte mit einem „Doppelwumms“ beim Deutschen Meister USC Eisvögel Freiburg für einen überraschenden aber verdienten 68:67-Sieg in der 2. Runde des DBBL-Pokals. Foto: Bene Lasser

Doch der Reihe nach: im Nördlinger Lager wusste man, dass man Freiburg schlagen kann, hat man das doch letzte Saison zu Hause im Ligabetrieb mit 79:77 gezeigt. In Freiburg selbst gab es nach 16-tägiger Spielpause eine deutliche 69:87 Niederlage. Bei den Verantwortlichen der Angels war man sich der Wichtigkeit dieses Pokalspiels der 2. Runde bewusst. Gewinnen die Angels, können sie nächsten Freitag selbstbewusst zu ihrem 15. Bundesligaauftakt seit 2008 nach Hannover reisen. Verlieren sie, muss bereits beim ersten Pflichtauftritt ein Saisonziel, das Erreichen der TOP 4, abgeschrieben werden.          Wie die Angels setzen die Eisvögel vom USC Freiburg auf einen Stamm bekannter und bundesligaerfahrener Spielerinnen aus der letzten Saison. Hier schlug das Pendel auf Seiten der Gäste aus dem Ries.

Das bewährte Kollektiv der Nördlingerinnen um Weltmeister-Halbfinalistin Sami Hill (13Punkte), Topscorerin Anissa Pounds (21, 4 Dreier), Elina Koskimies (16, 2) und Mariam Hasle-Lagemann (3) war erfolgreicher als ihre bekannten USC-Kolleginnen um Hanna Little (19), Luisa Nuver (4), Pauline Mayer (4) und Christa Reed (6). Andersherum: 34 Punkten der Freiburger Neuzugänge stehen 15 Punkte der neuen Angels gegenüber, davon nur acht von den großen Positionen unter dem Korb. Die erarbeiteten sich aber Vorteile im Rebound, allen voran Joey Klug (2) mit insgesamt zehn Rebounds. Und leider auch mit fünf Fouls, die sie zu einer vorzeitigen Beendigung ihres Tagwerks zwangen (36. Minute). Glück ist also relativ. Die Rieserinnen bestimmten überraschend souverän drei Viertel das Geschehen und führten vor dem letzten Durchgang 56:43. Und das trotz überfallartiger doppelter und dreifacher Freiburger Pressverteidigung gegen die Ballführende, die einige Nördlinger Ballverluste zur Folge hatte. Im letzten Viertel brachen die Angels dann ein. Bis zur 39. Minute gelangen dem letztjährigen Tabellenneunten überschaubare fünf Punkte. Die Eisvögel andererseits schafften durch Little den Ausgleich und die erstmalige Führung ihre neue Spielmacherin Jessica Loera (9) zum 63:62. Es sollte für die Breisgauerinnen aber nicht reichen.

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Denn jetzt kommt die Geschichte von Anissa Pounds und dem Glück des Tüchtigen. Nachdem Freiburgs Neuzugang Sofie Preetzmann (10 Punkte) durch zwei erfolgreiche Freiwürfe zehn Sekunden vor Ende einen 67:64-Zwischenstand herauswarf, benötigten die Eigner Angel vier Punkte zum Sieg. Sozusagen einen in diesen Zeiten viel zitierten „Doppelwumms“, aber einen der sportlichen Art. Und den lieferten die Angels: vom letzten Freiwurf der Freiburger weg durch einen Einwurf von Elina Koskimies zu Sami Hill, die kurz den Turbo einschaltete und die rote Kugel Richtung Anissa Pounds schickte. Die finnische Nationalspielerin, im zweiten Jahr in Diensten der Kraterbasketballerinnen, schickte diese dann auf die Reise Richtung Freiburger Reuse. Die Flugzeit des Spielgerätes unterschied sich nicht wesentlich von einem Langstreckenflug, weshalb sich die Experten uneins sind, ob Pounds den Dreier schon vom Parkplatz der Unihalle Freiburg aus versenkte oder vom Ostufer der Dreisam. Einig war man sich, dass sie traf. Und um dem Glück des Tüchtigen auch noch Raum zu geben, wurde sie bei ihrem Wurf von Little gefoult, was einen Freiwurf nach sich zog, den sie zu Nördlingens 68:67-Führung nutzte. Ein weiterer Ballgewinn durch Rückkehrerin Laken James (2, 5 Assists) sicherte das Nördlinger Happy End und einen überraschenden, aber verdienten Arbeitssieg. In Nördlingen ist man nach diesem Erfolg über den deutschen Meister gespannt, welche Geschichten die Eigner Angels für ihren Anhang noch parat haben. Fortsetzung folgt.

Thomas Lambertz