Die Sonne strahlt zu den Bischofsgeburtstagen- Zdaras wurde 70, Dammertz 85

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen haben gestern Abend Bischof Konrad Zdarsa und Alt-Bischof Viktor Josef ihre Geburtstage gefeiert. Der Bischof von Augsburg wurde gestern 70 Jahre alt, Altbischof Dr. Viktor Josef Dammertz OSB vollendet am heutigen Pfingstsonntag sein 85. Lebensjahr. 

70.-Geburtstag-Bischof-Konrad-vor-der-Musikkapelle-Neusäß_Foto_Nicolas_Schnall Die Sonne strahlt zu den Bischofsgeburtstagen- Zdaras wurde 70, Dammertz 85 Augsburg-Stadt News Bischof Bischof Dr. Konrad Zdarsa Bistum Augsburg Geburtstag Josef Dammertz Jubiläum Konrad Zdarsa Stadtkapelle Neusäß | Presse Augsburg
Bischof Zdarsa freut sich über das Ständchen der Stadtkapelle Neusäß | Foto: Pressestelle Bistum Augsburg – Nicolas Schnall

Das Fest begann um 17.00 Uhr mit der feierlichen Ersten Vesper zum Pfingstfest. Beide zeichneten sich durch drei Charakteristika aus, betonte Kardinal Reinhard Marx während seines Grußwortes, das er als Vorsitzender der Deutschen und der Freisinger Bischofskonferenz sowie als Metropolit an die Jubilare richtete. Ihr Leben sei geprägt von der Bereitschaft zum Aufbruch. Bischof Viktor Josef sei vom Rheinland nach Augsburg gekommen, Bischof Konrad aus Görlitz. „Das ist nicht so einfach, wie sich das die Altbayern und Schwaben so vorstellen.“ Er könne das auch aus eigener Erfahrung bestätigen, so der Kardinal. Diese Bereitschaft zum Aufbruch sei mit einer zweiten Grundhaltung verbunden, dem Gehorsam Gott gegenüber. Er sei es, der uns sende. Gehorsam sei ein Zeichen wahrer katholischer Weite und Frömmigkeit. Schließlich nannte er noch ein drittes Schlüsselwort, das für beide Bischöfe gelte: ihr Einsatz für die Evangelisierung. Zu Beginn der Vesper, an der auch Regensburgs Bischof Dr. Rudolf Voderholzer teilnahm, hatte Bischof Konrad Zdarasa die Festgäste begrüßt: Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft sowie viele Ehrenamtliche aus dem gesamten Bistum. „Schön, dass es solche Tage gibt und dass wir die Gelegenheit haben, uns wieder einmal zu sehen und miteinander zu sprechen.“

Die Predigt während der Vesper hielt Generalvikar Harald Heinrich. Er habe Bischof Konrad in den vergangenen vier Jahren als einen Verkünder des Evangeliums kennengelernt, der dessen Sperrigkeit nicht ausweiche und der „die Botschaft des Wortes Gottes nicht glättet, um sie Geschmack und Zeitgeist anzupassen“. Bischof Konrad habe im Osten eine Welt ohne Gott erlebt. Er sei ein Hirte, der die lange Erfahrung von Kirche in der Minderheit in sich trage. Von einem Christsein, das belächelt und benachteiligt wurde, „manchmal auch von sehr selbstgewissen Christen des Westens“, ergänzte der Generalvikar. Beide, Bischof Viktor Josef und Bischof Konrad seien mit ihrem Hirtendienst vor und nach der Jahrtausendwende „in Verantwortung genommen in einer Welt, deren medizinisch-technischer und deren wirtschaftlicher Fortschritt grenzenlos erscheint“, so der Generalvikar. „Was für eine Herausforderung, hier Anwalt für Würde und Wert des menschlichen Lebens zu sein, gerade auch für diejenigen, die als Störfall und Kostenfaktor gesehen werden, und für Menschlichkeit, Solidarität und für Menschenliebe hinzustehen und dabei dem Volk Gottes von Augsburg als gute Hirten voranzugehen.“

Der Generalvikar ging in seiner Predigt auch auf innerkirchliche Versuchungen ein. Die großen Bauphasen der letzten Jahrzehnte seien wohl endgültig vorbei. Es sei sogar Reduzierung, Rückbau angesagt. Aber es gebe Zementierungen im Sinne des „Das war doch schon immer so“ und „Wunschbilder von einer Volkskirche, die ungefragt Anhängerschaft findet und gehört wird.“ In dieser Stunde der Kirche gehe es aber darum, eine pastorale Raumplanung zu finden, die einen Rahmen biete für die Zukunft. Diese Planung dürfe aber nicht abschließen, was denn nun für die nächsten Jahrzehnte sicher sei.

Beide Bischöfe, auch das betonte Generalvikar Heinrich, zeichne ihr bescheidener Lebensstil und ihre Verbundenheit mit sozial Benachteiligten aus, „heißen sie Ungeborene, Obdachlose, Familien in Nöten.“ Diese Verbundenheit kam auch in dem Geschenk zum Ausdruck, das Weihbischof Dr. Anton Losinger am Ende der Vesper Bischof Konrad im Namen des Bistums Augsburg und des Domkapitels überreichte: Ein weißes Messgewand und eine Mitra, die von Menschen mit Behinderung in einer Paramentenstickerei der Regens-Wagner-Stiftungen hergestellt wurden. Auch bei dem anschließenden Geburtstagsständchen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes bezog sich Bischof Konrad auf den Auftrag der Kirche, zu Menschen am Rande der Gesellschaft zu gehen. Neben der Stadtkapelle Neusäß waren dabei auch ein Dutzend Alphorn-Bläser aus dem Allgäu vertreten. Diese Töne habe er schon zwei Mal gehört, so Zdarsa: während eines Besuches auf einer Alm und anlässlich eines Weihnachtsgottesdienst in einem Gefängnis. Beide Male sei er zutiefst bewegt gewesen, beide Male seien es die Ränder gewesen, an die die Kirche gehen müsse, seien es Berge oder Gefängnisse. Den Musikern der Stadtkapelle Neusäß dankte der Bischof stellvertretend für die vielen Kapellen, denen er bei seinen Besuchen im Bistum begegne. „Das ist jedes Mal ein Erlebnis für mich.“ Während des Konzertes wies der Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, Staatssekretär Franz Josef Pschierer, auf die enge Beziehung zwischen Musik, Religion und Kirche hin. Als Staatssekretär dankte er zugleich dem Bistum Augsburg und Bischof Konrad für die vielen Jahre der guten Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein buntes Programm im Haus Sankt Ulrich unter dem Motto „Wir feiern das Leben“. Es lies, unterbrochen von Musikstücken auch der Großnichten und -neffen von Bischof Konrad die verschiedenen Lebensstationen der beiden Jubilare an den Gästen vorüberziehen.

Ein Geheimnis aus jüngerer Vergangenheit verriet Bischof Konrad Zdarsa auch: In Augsburg sei er vor seiner Ernennung zum Bischof nur ein einziges Mal ganz kurz gewesen. „Bis dahin habe ich es wenig gekannt. Ich bin zu neuen Ufern, neuen Landschaften und neuen Menschen aufgebrochen.“

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Bischof Konrad wurde 70 | Foto: Pressestelle Bistum Augsburg Daniel Jäckel

Dass der Ruf nach Augsburg völlig überraschend kam, betonte auch der Görlitzer Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann vor den Gästen. Vor genau vier Jahren, bei seinem 66. Geburtstag, sei der damalige Bischof von Görlitz mit einer Gruppe von Priestern in Ars gewesen. Niemand habe mit dem Ruf wenige Wochen später nach Augsburg gerechnet. „Mit 66 Jahren“ habe Bischof Konrad Zdarsa nicht den Ruhestand angestrebt, so Generalvikar Hoffmann mit Bezug auf das bekannte Lied von Udo Jürgens, sondern eine neue Aufgabe in Augsburg angenommen. Er sei dazu bereit gewesen.

Ein im wahrsten Sinn des Wortes „handgreifliches“ Geschenk wurde Bischof Konrad von Generalvikar Harald Heinrich, Domdekan Dr. Bertram Meier und Frau Professor Dr. Gerda Riedl überreicht: Eine gut 400 Seiten lange Festschrift unter dem Titel: „Neue Evangelisierung – Kirche konkret. Personen. Positionen. Perspektiven“. Sie enthält, wie Domdekan Meier bei der Überreichung an Bischof Konrad hervorhob, „einen bunten Strauß von geistigen Blüten“. Die 33 Autorinnen und Autoren spiegelten die Vielfalt der Kirche und wichtige Wegmarken des Bischofs wider. In der Festschrift kommen recht unterschiedliche Glaubenskontexte zu Wort. Der Titel besage, dass die Evangelisierung kein kurzfristiges Projekt sei, sondern Dauerauftrag der Kirche. Sie sei zuallererst Selbstevangelisierung in allen drei Bereichen kirchlichen Tuns: im Zeugnis, im Gottesdienst und in der Nächstenliebe.

Sehr bewegend war gegen Ende des Festabends das Interview mit Bischof Viktor Josef führte. Der Alt-Bischof wurde unter lang anhaltendem Applaus der rund 400 Gäste von Generalvikar Heinrich auf die Bühne des Großen Saals geführt. Ob er denn den Stapel Bücher bereits gelesen habe, wie er damals bei seiner Verabschiedung als Bischof angekündigt hatte? „Nicht mal ansatzweise“, lautete die humorvolle Antwort des gebürtigen Niederrheiners. „Und der Stapel ist eher größer geworden als kleiner.“ Beim Rückblick auf sein 85 Jahre langes Leben seien in seiner Erinnerung viele große Ereignisse lebendig, aber auch viele Gespräche und Begegnungen mit Menschen, die man nicht an die große Glocke hängt, so Bischof Viktor Josef. „Es ist wichtig, das Leben in allen seinen Phasen anzunehmen.“ Verpassten Gelegenheiten solle man nicht nachjammern. „Dankbar sein für das, was wir tun können“, nannte es der Bischof, „und auch dazu bereit sein, Misserfolge zu akzeptieren.“

Am Ende des Festprogramms wartete noch eine kleine musikalische Einlage. Pfarrer Wolfgang Schneck hatte ein interaktives Schlusslied komponiert mit dem ironischen Titel „2025“. „Insider verstehen, was damit gemeint ist“, meinte der Dillinger Stadtpfarrer mit einem Augenzwinkern. Eingeteilt in verschiedene Gruppen sangen die Gäste am Ende einen vielstimmigen Kanon mit Strophen wie „Viktor Josef, ruft’s durch den Saal“ und „Gott begleite unsern Bischof Konrad“.