Die Varietébranche fürchtet um ihre Existenz

Varietétheater, wie Schuhbecks Teatro, sind beliebt. Jedes Jahr unterhalten etwa 1.300 Künstler und insgesamt mehr als 2.300 Beschäftigte mehr als zwei Millionen Gäste in Deutschland. Nun fürchtet die ganze Branche um ihre Existenz.

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Schuhbecks teatro in München und Augsburg sind zwei der beliebten Varietébetriebe | Foto: Dominik Mesch

Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es in Deutschland wieder private Varietétheater, die sich mit ihren artistisch-musikalischen Programmen im gehobenen Ambiente und bei gastronomischer Versorgung zunehmender Beliebtheit erfreuen. Die Spielstätten mit Platzkontingenten von 200 bis 600 Plätzen finden in München ebenso Zuspruch wie in Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Leipzig. Mehr als zwei Millionen Gäste besuchen pro Jahr die Vorstellungen. Für ihre Zufriedenheit arbeiten in den Theatern im Laufe der Saison 1.300 Künstler (Artisten, Choreografen, Ausstatter, Lichtdesigner u.a.). 2.350 Beschäftige in Voll- und Teilzeit sind darüber hinaus für die Unternehmen tätig, die insgesamt einem Jahresumsatz von mehr als 120 Millionen Euro erwirtschaften.

Doch jetzt muss die populäre Branche um ihre Existenz bangen. Alle Spielstätten wurden per Erlass zusammen mit den Kinos, Opernhäusern und Schauspielbühnen im März geschlossen. Zwar reduzierten die Betreiber daraufhin ihre vertraglichen Verpflichtungen, doch die enormen laufenden Kosten greifen die Rücklagen an und bereiten zunehmend Sorgen. Die Entwicklung lässt, wenn nicht eingegriffen wird, in absehbarer Zeit die ersten Insolvenzen erwarten. Ein Bereich der Kultur droht damit wegzubrechen, dessen Renaissance einmalig ist, da sie nur in Deutschland stattgefunden hat.

Als private Unternehmen erhalten die Betreiber bislang keine öffentliche (Kultur)Förderung. Sie befürchten, mit den zumeist öffentlich finanzierten Stadt- und Landestheatern oder der Gastronomie in einen Topf geworfen werden. Dabei bieten die Varietétheater gegenüber der Gastronomie den Vorteil, dass die Gäste an festdefinierten Plätzen sitzen und über die gebuchten Karten auch bekannt ist, wer dort sitzt. Und anders als in den klassischen Theatern sitzen die Gäste an Tischen und nicht eng nebeneinander in Reihe. Die geforderten Abstände und Einhaltung der Hygiene-Vorgaben könnten somit ohne großen Aufwand umgesetzt werden.

Dafür aber braucht die Varietéwelt eine zeitliche Perspektive für eine Wiedereröffnung! Eine rasche Wiedereröffnung. Denn wir müssen fürchten, dass es im Herbst – ohne öffentliche Unterstützung – keine Varietétheater mehr geben wird!