Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, spricht sich für eine stärkere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus. „Knapp die Hälfte der berufstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit“, sagte Fratzscher „Ippen Media“.

Hier sehe er großes „ungenutztes Potential“. Personalengpässe wie aktuell an Flughäfen ließen sich insofern lösen: „Wir müssen das Ehegattensplitting abschaffen und Kita-Plätze ausbauen, wenn wir diesen Hebel nutzen möchten“, sagte Fratzscher. Andernfalls lohne es sich für Frauen schon rein steuerlich nicht, mehr Stunden zu arbeiten. Auf Arbeitgeber kämen in puncto Nachwuchs schwere Zeiten zu, in zehn Jahren würden vier Millionen Menschen mehr in Rente gehen als Junge in den Arbeitsmarkt nachkommen, so der DIW-Chef.

Bei insgesamt rund 40 Millionen Beschäftigen in Deutschland sei das ein „harter Schlag“. Es fehle „an allen Ecken und Enden“ – von hoch qualifizierten Jobs „bis zum Tellerwäscher“. Die Bundesregierung solle Minijobs stärker regulieren, so Fratzscher. Solche Anstellungsverhältnisse dürften allenfalls ein Nebenjob sein, niemals eine Hauptbeschäftigung.

„Minijobber wurden in der Pandemie besonders schlecht behandelt. Sie hatten keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.“ Zusätzlich müsse man den Mindestlohn erhöhen. Von der aktuellen Situation könnten viele Arbeitnehmer langfristig sogar profitieren, so der DIW-Chef.

„Arbeitnehmer werden immer mächtiger. Wir sehen eine Transformation von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt.“

Foto: Geschäftsfrauen mit Smartphone, über dts Nachrichtenagentur