In einem feierlichen Requiem im Hohen Dom hat sich am Dienstag das Bistum Augsburg von einem verdienten Geistlichen verabschiedet. Bischof Bertram würdigte den verstorbenen emeritierten Domdekan, Dompfarrer und früheren Diözesanadministrator Prälat Georg Beis als Menschen voll „Treue und Lernbereitschaft“.

„Wenn ich auf die Begegnungen mit ihm zurückschaue, dann wage ich die Behauptung: Georg Beis war versöhnt“, begann Bischof Bertram seine Abschiedspredigt über einen langjährigen Vertrauten. „Vielleicht ist dieses Versöhnt-Sein mit allen Höhen und Tiefen der Grund, warum er bei einem Jubiläum, das er feierte, aus voller Dankbarkeit sagen konnte: ‚Unterm Strich war mein Weg positiv.‘ Versöhnt! Denn Verbitterung ist kein guter Lebensbegleiter und noch weniger ein guter Sterbebegleiter. Davon war Georg Beis zutiefst überzeugt.“

Mit dem Tod des emeritierten Domdekans seien das Bistum, die Dompfarrei und auch die Stadt Augsburg ein Stück ärmer geworden: „Da ist einer gegangen, der einfach dazugehörte“, so der Bischof, der Georg Beis jetzt im himmlischen Gespräch mit seinen ihm im Tod vorausgegangenen Nachfolgern als Dompfarrer Konrad Hölzl und Josef Heigl vermutete: „Schaut gnädig auf uns, die wir an der Kirche bauen – in schwierigen Zeiten, geschüttelt von Krisen und Konflikten! Sendet uns hin und wieder einen herzlichen Gruß, ein Memento der Gelassenheit und Heiterkeit aus höherer Warte! Genau das brauchen wir heute.“

Requiem Fuer Praelat Georg Beis Im Hohen Dom Zu Augsburg Foto Julian Schmidt Pba
Requiem für den emeritierten Domdekan und Dompfarrer Prälat Georg Beis im Hohen Dom zu Augsburg (Foto: Julian Schmidt / pba)

Georg Beis sei ein Mensch gewesen, der in seinen über 72 Priesterjahren enorme Veränderungen in Kirche, Glaube und Gesellschaft miterlebt und mitgestaltet habe. Von der Liturgiereform der Sechzigerjahre über erste ökumenische Kontakte und die wachsende Einbindung von Frauen im Religiösen bis hin zur Krise des Bistums Augsburg 2010 und der heutigen angespannten Situation sei Beis durch zahlreiche „hoffnungsvolle Aufbrüche und tiefe Krisen in der katholischen Kirche“ gegangen. Vor allem die neun Monate als Diözesanadministrator 1991/92 zwischen dem altersbedingten Rücktritt von Bischof Dr. Josef Stimpfle und der Bischofsweihe von Bischof Dr. Viktor Josef Dammertz hätten den Verstorbenen gefordert, der im Rückblick bedauerte, dass es „nur noch um Macht und Einfluss“ gegangen sei: „Danke, lieber Georg, dass Du das Steuer der Kirche von Augsburg in einer langen Umbruchsphase gesteuert hast.“

Gleichzeitig sei Georg Beis aber auch für eine Kirche im Aufbruch gestanden, die sich mit Freude und Elan den Armen und Schwachen am Rande der Gesellschaft zuwende, nicht zuletzt über die vielen pastoralen und karitativen Angebote und Plattformen in Augsburg, die der Verstorbene aufgebaut habe: „Georg Beis hat die Stadt mitgeprägt; er hat Augsburg gerade caritativ verändert“, so Bischof Bertram. Auch im und für den Frauenbund sei er engagiert gewesen. „Die weibliche Sicht- und Denkweise habe sein Priesterbild, seine Art zu glauben als Mann reifen lassen, sagte Georg Beis im Rückblick. Seine ruhige Art und sein gewinnender Charme, seine Empathie und auch sein sicheres Auftreten halfen ihm, zu einem Anwalt der Frauen im kirchlichen Leben zu avancieren.“

Zuletzt war es auch Beis‘ ökumenisches Engagement, das bis heute Früchte trage. Der „katholische Vollblutpriester mit weitem ökumenischen Horizont“ habe zahllose Arbeitsgruppen auf städtischer, diözesaner und Landesebene mit viel Geduld, Kommunikationsfähigkeit, Sinn für Humor und einer tiefen Loyalität zu „seiner“ Kirche bereichert. „Gerade im Hinblick auf die Ökumene war Georg Beis ein Leben lang ein Lernender. Er war bereit zu lernen, sich und seine Positionen weiter zu entwickeln – stets in der Pflicht, dem Mutterboden des Glaubens treu zu bleiben“, betonte der Bischof.

In seinem im Herbst 2016 verfassten geistlichen Testament habe Beis zurückblickend resümiert, dass er sich an allen Orten, wo er tätig war, „aufgehoben und verknüpft wie in einem Netz“ gefühlt habe, sagte Bischof Bertram abschließend: „Darin sehe ich das Vermächtnis, das uns Georg Beis hinterlässt: Knüpft weniger am Beziehungsnetz Eurer Karriere, knüpft vielmehr am Hoffnungsnetz der Kirche! Dieses Netz soll tragen. In dieses Netz dürft Ihr euch fallen lassen – im Vertrauen darauf, dass Ihr nicht fallengelassen seid.“

Das Pontifikalamt wurde musikalisch von Domorganistin Claudia Waßner und einer Chorschola unter Leitung von Domkapellmeister Stefan Steinemann gestaltet. Im Anschluss an die Eucharistiefeier im Hohen Dom trat Prälat Georg Beis seinen letzten Weg auf Erden an und wurde in feierlicher Prozession zu seiner letzten Ruhestätte im Innenhof des Domkreuzganges getragen, wo er in der Grablege des Domkapitels bestattet und im Gebet der Gnade Gottes anvertraut wurde.

Prälat Georg Beis wurde 1923 im oberbayerischen Bad Heilbrunn geboren und 1950 zum Priester geweiht. Nach Pfarrstellen in Unterthingau und Göggingen wurde er 1968 zum Dompfarrer und Stadtdekan von Augsburg ernannt. Im Domkapitel, dem er ab 1970 angehörte, wirkte er von 1985 an bis zu seiner Emeritierung zehn Jahre später als Dekan. Er starb am 5. Oktober 2022 im Alter von 99 Jahren.