Nach zwei Jahren der Zurückhaltung erleben wir einen Sommer der Leichtigkeit und Normalität in Augsburg. Eine gute Gelegenheit, um über Zusammenhalt und Frieden nachzudenken. Denn das ist, was wir brauchen, wie die Luft zum Atmen. Und wir brauchen uns.

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Foto: Wolfgang Czech

Die Straßencafés sind voll, am Lech, an den Seen und in den Freibädern scharren sich die Sonnendurstigen und die Wasserratten, endlich ist das Leben wieder normal.  Na ja, fast, denn die aktuellen Krisen schwingen auch im Sommer mit, sei es die Pandemie, der Krieg in der Ukraine oder die Klima- und Energiekrise. Und dennoch: Die Stadt ist diesen Sommer wieder unbeschwerter, wir dürfen wieder zusammen sein. Ist das nicht schön?

Was sagt uns das? Wir brauchen einander, bei allen Meinungsverschiedenheiten, bei allen Herausforderungen, die uns scheinbar entzweien. Wenn ich an die Bilder der Kanuslalom-WM denke, geht mein Herz auf. Tausende feuerten entlang der Strecke die Kanutinnen und Kanuten an, Tausende hielten gemeinsam den Atem an, wenn die Wassermassen die Boote zu bezwingen schienen, tausende jubelten gemeinsam, wenn die Sportlerinnen und Sportler dem Wildwasser die Stirn boten. Und in der Stadt feierten wir gemeinsam wieder La Strada und den Augsburger Stadtsommer, stießen an, verbrachten Zeit mit Freundinnen und Freunden und begegneten neuen Menschen. Bei einem Fest gelang Letzteres ganz besonders gut, beim Augsburger Hohen Friedensfest. Dem besten Feiertag, den es gibt! Nicht nur, weil er einzigartig auf der Welt ist und wir freihaben

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Foto: Wolfgang Czech

. Nein, vielmehr, weil er ein nobles Ziel verfolgt. Aus der Versöhnung zwischen Katholiken und Protestanten geboren, vor mehr als 370 Jahren, steht er heute für ein Miteinander aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religion.

Es mag manchmal abgedroschen klingen. Aber nichts, was unser Glück – das was wir als gutes Leben bezeichnen würden – ausmacht, ist selbstverständlich. Sowohl der Kriegsangriff auf die Ukraine als auch die Pandemie, die Klima- und Energie-Krise und alle damit verbundenen Folgen zeigen uns deutlich, wie wichtig der gesellschaftliche Zusammenhalt ist. Am Friedensfest sind wieder Menschen durch die Straßen marschiert, forderten Freiheit und witterten Verschwörungen. Im Herbst werden es vermutlich wieder mehr. Ihnen möchte ich sagen, Freiheit gibt es nicht ohne Frieden. Frieden ist das Fundament der Freiheit! Und deswegen sollten wir nicht streiten, sondern sprechen. Nicht übereinander, nicht gegeneinander, sondern miteinander. Und Rücksicht nehmen. Und sollte im Herbst wieder ein ungemütlicher Wind aufziehen, der die raue Seite der Realität herbeiweht, hoffe ich, wir erinnern uns an den schönen, gemeinsamen Sommer in Augsburg und wie gerne wir wieder zusammen waren.

Herzliche Grüße

Ihre Eva Weber

Eva Weber ist seit Mai 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Seit Mai 2014 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.