Die Spiele gegen den FC Bayern sind für den FC Augsburg und seine Fans immer besondere Spiele. Auch an diesem Freitag war dies der Fall. Nach einer herausragenden kämpferischen Leistung gewann der FCA nicht unverdient mit 2:1. Diesen Abend in schweren Zeiten wird man zwischen Lech und Wertach sicher nicht so schnell vergessen.

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Pedersen erzielte das wichitge 1:0 für den FC Augsburg | Foto: Sebastian Pfister

Während sich der FC Augsburg in fremden Stadien schwer tut, lief es zuletzt zu Hause ganz ordentlich. Aus den letzten drei Partien in Augsburg hatte die Weinzierl-Truppe insgesamt sieben Zähler holen können. Am Freitagabend aber war der Tabellenführer zu Gast. „Von zehn Spielen gewinnt Bayern München neun“, stellte der FCA-Chefcoach vor der Partie die Machtverhältnisse klar. Als wäre die Aufgabe gegen den Serienmeister nicht schon schwer genug, mussten die Schwaben im Bayern-Derby zudem auf wichtige Spieler verzichten. Vargas fehlte mit einer Corona-Infektion und auch Finnbogason sowie Niederlechner standen verletzt nicht zur Verfügung. Die Personaldecke in der Offensive war dünn geworden. Augsburg konnte dennoch in Führung gehen.

Ein toller Spielzug bringt die Führung

Erwartungsgemäß hatte der hohe Favorit aus der Landeshauptstadt nach 5-6 Minuten das Zepter übernommen, doch der FCA machte es gut. Aus einer stabilen Defensive heraus eroberten die Schwaben immer wieder den Ball und versuchten eigene Angriffsaktionen zu kreieren. Mit Erfolg. Nach einer schnellen Aktion über die linke Seite hatte Zeqiri eine Iago-Flanke sechs Meter vor Nationalkeeper Neuer stehend den Ball auf den heraneilenden Pedersen abgelegt, eine Gelegenheit, die dieser sich nicht nehmen ließ. Mit einem satten Schuss ins flache Eck hatte der Däne die Hausherren in Führung bringen können (21.). Der Plan der Fuggerstädter ging bis zu diesem Zeitpunkt mehr als auf. Als der Ball eine gute Viertelstunde später erneut im Netz der Münchner lag, wollten die 26.000 Zuschauer in der Arena ihren Augen kaum trauen.

Zeqiri hatte das Leder zuvor im Mittelfeld von Sabitzer erobert, Iago erneut eine mustergültige Flanke auf Hahn geschlagen, der Neuer mit einem platzierten Kopfball keine Abwehrmöglichkeit gelassen hatte. 2:0 nach 35 Minuten, nicht in den kühnsten Träumen hatten sich die Rot-grün-weißen dies vor der Partie ausgemalt. Auch die Bayern, bei denen Mittelfeldarbeiter Kimmich aufgrund einer Corona-Quarantäne fehlte, wussten wohl nicht, wie ihnen geschah. Fast 80 Prozent Ballbesitz hatte sich der Rekordmeister erarbeitet und doch lag man mit zwei Treffern hinten. Dafür, dass der Rückstand zur Pause aus Sicht der Münchner erträglicher wirkte, sorgte (natürlich) Lewandowski. In seinem 600. Einsatz für den FCB hatte Müller sehenswert mit der Hacke vorgelegt, der Pole ebenso schön aus der Drehung heraus das 1:2 erzielt.

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Jaaaaa, Hahns Treffer war das entscheidende Tor an diesem Abend | Foto: Sebastian Pfister

München drückt, Augsburg kämpft

Münchens Coach Nagelsmann konnte die erste Halbzeit nicht gefallen haben. Kurz nach dem Seitenwechsel brachte er deshalb auch mit Musiala für den schwachen Sabitzer und Davies für Richards neue Kräfte. Am Spielverlauf selbst änderte dies zunächst nur wenig. Der Meister lief an und sich ein ums andere Mal fest, Augsburg setzte weiter auf eine stabile Defensive und schnelle Gegenstöße. Vor dem Spiel hatten man beim FCA die Marschroute ausgegeben, alles in die Waagschale zu werfen, genau das passierte heute dann auch. Bayern war das dominante Team, doch was Augsburg an Einsatz und Kampf entgegensetzte war aller Ehren wert. Der Druck der Oberbayern nahm gefühlt immer mehr zu, je mehr sich das Spiel dem Ende näherte. Für die Weinzierl-Truppe galt es nun, das Ergebnis irgendwie über die Runden zu bringen. Mit der Systemumstellung auf einen Fünfer-Abwehrriegel versuchte Weinzierl für zusätzliche Stabilität zu sorgen.

Zu Beginn der Schlussphase hatten allerdings nicht wenige den Ball bei einem Lewandowski-Schuss aus sieben Metern schon im Tor gesehen, gefallen war er aber nicht. Der Torschützenkönig war an seinem glänzend parierenden Landsmann Gikiewicz gescheitert (80.). Es war die bis dahin beste und zugleich die letzte wirklich gute Gelegenheit der Startruppe von der Isar im zweiten Durchgang gewesen. So sollte es am Ende bei einem überraschenden Heimsieg für kämpferisch starke Augsburger gegen offensiv harmlose Bayern bleiben. Während der FCB sich jetzt auf das Champions League-Spiel in Kiew vorbereiten wird, darf man sich beim FCA über einen großen Sieg freuen.

Am Rande des Platzes: Der FC Augsburg hatte gut 5.000 Stehplätze für das Derby nicht in den Verkauf gegeben. Aufgrund der hohen Corona-Zahlen in der Schwabenmetropole war es dem Verein wichtig, dass auch im Stehbereich ein gewisser Abstand möglich war.

„Der Sieg hat extrem viel Bedeutung“ | Die Stimmen zum Heimsieg des FC Augsburg gegen Bayern München

FC Augsburg: Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Oxford, Pedersen (74. Gruzeo) – Maier, Dorsch (74. Moravek), Caligiuri (58. Framberger), Iago – Zeqiri (82. Cordova), Hahn (82. Jensen)

FC Bayern München: Neuer – Pavard (, Upamecano, Hernandez, Richards (52.Davies)  – Sabitzer (52.Musiala), Goretzka, Gnabry, Müller,  Sané (Choupo-Moting) – Lewandowski

Tore: 1:0 Pedersen (21.), 2:0 Hahn (35.), 2:1 Lewandowski (38.)

Gelbe Karten: Gouweleeuw, Framberger | Hernandez

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Zuschauer:  26.000 (ausverkauft)