Die Zukunft ist digital. Diese Tendenz zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab. Mit der zunehmenden Komplexität dieser Digitalisierung werden auch zukünftige Innovationen immer herausfordernder. Eine dieser Herausforderungen ist die kombinierte Anwendung von Blockchain und Künstlicher Intelligenz. Während sich beide ihrer Natur nach nicht widerspruchslos miteinander vereinbaren lassen, sehen Unternehmen wie Shivom und Oraichain genau hier einen Ansatz für eine neue Art der Datenverarbeitung.

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Warum sich Blockchain und KI eigentlich ausschließen

Was in Kombination sehr stark nach Innovation duftet, birgt nicht nur insgeheim große Hürden. Beiden Technologien liegen offensichtlich unterschiedlich große, relative Datenmengen zugrunde. Auch eine Fusion von in Blockchains implementierten Smart Contracts und KI wäre eine wünschenswerte Errungenschaft, wirft aber dasselbe Problem auf. Während die eine Technologie davon lebt, möglichst sparsamen Datenverkehr zu betreiben und so auch in der Lage ist, Kosten zu deckeln, nutzt die andere möglichst große Datenmengen, um überhaupt zu leisten, wofür sie geschaffen wurde. Letztere ist die Künstliche Intelligenz. Das Dilemma besteht aufgrund folgender Eigenschaften: 

Künstliche Intelligenz

KI geht in der Datenverarbeitung sehr ungenau vor. Das Ziel ist zwar immer die Abbildung eines möglichst präzisen Ergebnisses, jedoch leistet diese Technologie meistens nicht die Präzision, von der eine Blockchain abhängt.
Während die Autonomie einer KI nicht nur große Datenmengen beansprucht, ist sie zeitgleich auf enorme Rechenkapazitäten angewiesen. Abstriche auch nur in einem dieser Bereiche bedeutet eine Reduktion der Leistung, die erbracht werden kann.

Blockchain/Smart Contracts

Smart Contracts sind Programme, die in Blockchains hinterlegt werden können. Sie werden aktiviert, sobald sie das Vorliegen bestimmter Bedingungen registrieren. Smart Contracts und Blockchains sind darauf ausgelegt, möglichst geringe Mengen an Daten zu nutzen. Diese „Handlichkeit“ wirkt im ersten Augenblick widersprüchlich, wenn man die Schlagzeilen zum Energieverbrauch von Krypto-Servern sichtet. Trotz dieses Verbrauchs ist aber auch hier das Ziel, möglichst wenig Rechenleistung aufbringen zu müssen. So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Das – und die möglichst kleine Datenmenge – steht in starkem Kontrast zur Arbeitsweise der gängigen KIs. 

Hohe Rechenleistung der KI kann Energieverbrauch der Blockchain reduzieren 

Wie gerade erwähnt: nicht nur bei KIs, sondern auch bei Blockchains kann es passieren, dass sehr viel Rechenleistung benötigt wird. Trader, die Ethereum kaufen möchten und sich mit dessen Blockchain auseinandergesetzt haben, wissen, dass auch für das Mining dieser Kryptowährung aktuell sehr viel Energie benötigt wird. Erst, wenn hier der Wechsel von Proof of Work (PoW) zu Proof of Stake (PoS) vollzogen ist, kann beim Mining einiges an Energie eingespart werden. Der endgültige Wechsel auf PoS ist derzeit für September geplant. Die vollständig abgeschlossene Umsetzung dauert so lange, da hier das komplette System umgestellt werden soll. Eine KI könnte dabei helfen, schon beim PoW den Energieverbrauch zu optimieren. 

Die PoS-Kryptowährungen werden immer beliebter und angesichts der Herausforderungen, mit denen sich die Menschheit bezüglich des Klimas in vielen kommenden Jahrzehnten konfrontiert sieht, ist eine grünere Mentalität in der Krypto-Welt gar kein schlechter Gedanke. Darüber hinaus bietet die Kombination von Blockchain und KI allerdings weitere technische Möglichkeiten.

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Anwendungsbereiche für eine Verbindung von Blockchain und KI

Bedarf an dieser Fusion besteht definitiv. Dabei übernimmt die KI vor allem die Rolle der komplexen Verarbeitung großer Datenmengen. Die Verwendung der Blockchain und Smart Contracts hingegen bietet eine sichere Verschlüsselung und hohe Funktionalität. In folgenden Themenfeldern ist eine Anwendung vorstellbar:

Big Data – Immer größer und komplexer werdende Datenmengen müssen bewältigt werden. Nicht nur in spezialisierten Bereichen, sondern auch im Alltag werden die Datenstrukturen größer und komplexer.

IoT – Das Internet der Dinge (engl. Internet of Things; IoT) ist auf eine präzise Koordination der bewegten Datenmengen angewiesen. Vor allem im industriellen Bereich ist ein Nutzen vorhanden.

Versicherungswesen – Vertragsinhalte und -abschlüsse werden schon heute durch die Verschmelzung von Smart Contracts und Blockchain umgesetzt. Eine Hinzunahme der Leistung einer KI erscheint vielversprechend.

Logistik – Auch hier ist es denkbar, dass sich eine neue Technologie etabliert. Schon heute kann das IoT hier viele Prozesse automatisieren.

Vertragsmanagement – Auch ohne Blockchain können Smart Contracts genutzt werden. Neuronale Netzwerke sind in der Lage, eingescannte Vertragsinhalte zu verstehen und zu extrahieren. Diese Auszüge können zur weiteren Datenverarbeitung genutzt werden – zum Beispiel um einen bestimmten Prozess auszulösen. Einen so verwendeten Datensatz nennt man „actionable information“. Doch auch in Kombination mit der Blockchain bestehen Vorteile: Vertragsinhalte sind sensibel und Blockchains beherbergen Daten in entsprechend geschützten und fälschungssicheren Paketen. 

DApps – Sogenannte dezentralisierte Apps (DApps) könnten neben der Blockchain-Nutzung eine KI hinzuziehen. Das Ergebnis wäre beim Krypto-Handel eine sehr viel verbraucherfreundlichere Erfahrung. Müssen User heute noch mit endlos langen Keys ihren Zugang legitimieren, könnte eine KI in Zukunft über die Erfassung biometrischer Daten einen sicheren Zugang gewährleisten.

Diese Möglichkeiten klingen nach Zukunftsmusik. Doch bereits in diesem Moment arbeiten Unternehmen wie Oraichain an dieser vielversprechenden Fusion. Sogar die Umsetzung gelingt bereits jetzt.

Oraichain: Das verbirgt sich hinter dem Krypto-Unternehmen

Das Unternehmen Oraichain ist nicht nur bekannt für seine gleichnamige Kryptowährung. Es arbeitet auch daran, genau die beiden Technologien zu vereinen, die uns vor die zuvor erwähnte Herausforderung stellen. Schon jetzt ist es dort gelungen, Smart Contracts mittels API-Zugang mit einer KI zu verbinden. Parallel entstand ein Marktplatz für Entwickler. Hier können Dienstleistungen angeboten werden. Primäre Themen sind auf dieser Plattform vor allem Yield Farming mit KI-Unterstützung und Gesichtserkennung. Eine ebenfalls innovative KI-Technologie: aiRight. Dabei werden nicht nur NFTs erstellt, sondern auch das Urheberrecht direkt in der Blockchain verankert. Wie man sieht, ist der Spagat bereits gelungen.

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Shivom: Münchner Startup kombiniert Blockchain, KI und Genomik

Das junge Unternehmen Shivom kombiniert Blockchain, KI und Genomik und gewährleistet so einen sicheren Hub für Genom-Daten. Die Innovatoren aus München nutzen KI und Blockchain aber auch zum Auslesen von Daten. Dabei dient die Blockchain als verlässlicher Speicherort und die KI als Werkzeug zum Entschlüsseln der gesicherten Informationen. Vor allem medizinische Daten, von zum Beispiel tragbaren Messgeräten (Wearables), können so verarbeitet und zur Diagnostik herangezogen werden. Das Unternehmen betont die Einzigartigkeit dieser technologischen Möglichkeit.