Eiskalt abserviert | „Landshuter Wintersturm“ fegt die Handballer des VfL Günzburg aus der Halle

Leise rieselte der Schnee auf der Fahrt ins niederbayrische Landshut, irgendwie war alles kalt, besonders die TG. Eiskalt servierte sie die selbstgefällig von vier Siegen verblendeten Günzburger mit 42:28 (20:10). Ein Wintersturm war durch die VfL-Abwehr gezogen, während der eigene Angriff lau blieb. Im Spiel schien die Mannschaft nicht, vielleicht schon im Frühling.

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Gut los ging das Spiel überhaupt nicht. Zum Ende der Einwärmung musste Stephan Jahn mitteilen, dass er sich eine Zerrung in der Rumpfmuskulatur zugezogen hatte. Erst in der zweiten Halbzeit konnte er der Mannschaft in der Abwehr helfen. Wie sich dieser hehre Versuch auf seine Spielfähigkeit in nächster Zeit auswirkt, muss abgewartet werden. Dann bekam Daniel Jäger wegen einer verpassten Abwehrsituation gleich in der ersten Minute eine Zeitstrafe. Aus all dem entsteht Unruhe, die man weder im Handball noch in dieser besinnlichsten aller Jahreszeiten gut gebrauchen kann.

 

Die gierigen Landshuter nutzten das um die ersten beiden Tore der Begegnung zu erzielen. Angetrieben von Matthias Müller, der insgesamt 13 Tore mit Siebenmetern erzielen sollte, machte sich schnell niederbayerische Dominanz breit, die auf keine echte Gegenwehr traf. 5:2 stand es nach ein paar Zeigerumdrehungen. Der nächste Schreck für den VfL war eine Knieverletzung von Daniel Jäger. Er konnte zwar später wieder spielen, bis dahin waren im ohnehin schiefen VfL-Kader allerdings etliche Umbaumaßnahmen nötig. Der Matchplan war früh dahin.

Wie immer geht es dann um die Aufrechterhaltung des Spielsystems, besonders um die sogenannte „Deckung“, die es an diesem Tag im eigentlich Sinn gar nicht gab. Michael Jahn musste deswegen auf die ungeliebte Rückraumrechtsposition, mit Nicolai Jensen und Kilian Weigl sollten es vorne zwei Spielmacher richten. Dafür mussten sehr früh und über fast das ganze Spiel permanent zwei Akteure zwischen Abwehr und Angriff getauscht werden. Ruhiger Spielaufbau sieht anders aus, vor allem das Tempospiel ist so nur schwer durchsetzbar. Notlösungen müssen greifen, das gelang die letzten Wochen. Wenn nicht, dann wird die Not immer größer, das passierte am Samstag.

Bis zum 9:6 durch David Pfetsch und 10:7 durch Nicolai Jensen blieb der VfL irgendwie auf Schlagdistanz. Vorne wurde Michael Jahn immer einmal aus dem Spiel genommen, klare Torgelegenheiten blieben ungenutzt und so zogen die Gastgeber, die in Abwehr und Angriff regelmäßig und ohne Umstellungsprobleme wechseln konnten bis zum 13:7 erstmals davon. Im Gegensatz zu den letzten Begegnungen verteilten die Schiedsrichter beidseits etliche Zeitstrafen. Das gehört zum Handball. Ein Haufen, der so schon schwer alle Aufgaben eines Handballspieles erfüllen kann, gerät dadurch weiter unter Stress. Heute weiß man, dass das Spiel nach einem weiteren Zwischenspurt von 16:11 auf 18:11 vorentschieden war. Gewechselt wurde beim 20:12.

Eine kleine Chance sah Trainer Hofmeister für den zweiten Durchgang noch. Zum einen konnte Stephan Jahn die Mannschaft entlasten und zum anderen waren die Organisationsprobleme dieses Tages, darum geht es seit Wochen, in der zweiten Halbzeit durch den Seitenwechsel besser zu bewältigen. Pustekuchen – der Rückstand wuchs schnell auf 10 Tore an. Auch die Torwarte bekamen keine Hand an den Ball. Die Abwehr schaute zu, das Tempospiel war nicht mehr organisierbar und im Angriff war der weinrote Faden längst gerissen. Beni Telalovic konnte mit einem Treffer aus spitzem Winkel zum 34:24 den kritischen 10-Toreabstand, die Grenze des Ertragbaren, noch halten. Danach brachen die letzten Dämme. Das 42:28 entsprach den Kräfteverhältnissen. Die TG Landshut hat sich für alle drei Niederlagen der letzten Saison an einem einzigen Tag eindrucksvoll gerächt.

Erfreulich war die Wurfausbeute von Noah Heisch und David Pfetsch. Außerdem kam Nico Schmidt nach langer Durststrecke wegen einer hartnäckigen Schulterverletzung endlich wieder im Rückraum zum Einsatz, ging dahin wo es sehr weh tat und erzielte drei Treffer.

Manches war einem starken Gegner geschuldet, anderes objektiv schwierig zu handeln wie in den letzten Wochen übrigens auch, etliche Fehler gehen einfach nicht. Einige Fans hatten die lange Reise mitgemacht, sie waren zu Recht enttäuscht.

Die Saison ist schwierig.