Anlässlich der aktuellen Energiekrise, verursacht durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, trafen sich die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, sowie weitere Vertreter der kreisangehörigen Kommunen im Oberallgäu auf Einladung von Landrätin Indra Baier-Müller mit den Geschäftsführern der Allgäuer Energieversorger kurzfristig im Landratsamt.

Die Gemeindevertreter nutzten die Gelegenheit, um offene Fragen zur Versorgungssicherheit mit den Spitzen der Versorger zu erörtern. Dabei wurde deutlich, dass sowohl die Gas- als auch die Stromversorgung im Oberallgäu aktuell gesichert ist. Dies gilt auch für den kommenden Winter. Michael Lucke, Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerks, dem Stromnetzbetreiber vor Ort, berichtete, dass die Versorgung mit Strom stets gewährleistet sei. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Nutzung von Gas zur Stromgewinnung bereits um mehrere Prozentpunkte gesunken. Dafür stieg der Anteil der „Erneuerbaren“ auf deutlich über 50 Prozent im Bundesdurchschnitt. Diese Marke hat das Oberallgäu bereits vor Jahren geknackt.

Auch die Versorgung mit Gas sei über den Winter hinweg gesichert, erklärte Anselm Pfitzmeier vom Unternehmen Schwaben Netz, dem regionalen Gasnetzbetreiber. Derzeit seien die deutschen Gasspeicher zu fast 81 Prozent gefüllt und täglich steige der Füllstand ein wenig weiter. So sei man optimistisch, die Marke von 95 Prozent zum 1. November diesen Jahres zu erreichen. So, wie es Bundeswirtschaftsminister Habeck in seinem Maßnahmenpaket im Juli angekündigt hat.

Selbst dann also, wenn kein Gas mehr durch die Pipeline Nordstream 1 aus Russland geliefert würde, werden die Oberallgäuerinnen und Oberallgäuer nicht frieren müssen.

Privathaushalte müssen dies sowieso nicht befürchten. Sie sind durch Vorgaben der Bundesnetzagentur besonders geschützt, genauso wie Kommunen und ihre Einrichtungen, wie beispielsweise Krankenhäuser. Für große Industrieunternehmen gelte dieser Schutz hingegen nicht. Hier sind die Netzbetreiber in engem Austausch mit ihren Kunden, um alle nötigen Schritte zur Sicherung der Versorgung und damit des Betriebes zu unternehmen.

Um die Einsparung von Gas auch in Privathaushalten zu unterstützen, ist die befristete Wiederinbetriebnahme alter Holzfeuerungsstätten, wie Kamine und Öfen, die eigentlich nicht mehr den Vorgaben des Bundesimissionsschutzgesetzes (BImSchG) entsprechen, bis zum Ende der Heizperiode am 30. April 2023 wieder gestattet. Die Wiederinbetriebnahme muss jedoch beim Landratsamt Oberallgäu angezeigt werden. Nähere Informationen und die nötigen Formblätter hierzu finden Sie auf der Homepage des Landkreises auf www.oberallgaeu.org.

Auch wenn die Energieversorgung gesichert ist – die Preise steigen. Die Unsicherheit auf den europäischen Energiemärkten sorgt für steigende Strom- und Gaspreise. Dies trifft, wenn auch verzögert, auch die privaten Endkunden. Das bedeutet, dass Energiesparen, egal ob beim Strom oder bei der Heizung, angesagt ist. 15 – 20  Prozent Energieeinsparung ist das Ziel. Auch viele kleine Maßnahmen können dazu beitragen und haben in der Summe einen großen Effekt: Die Oberallgäuerinnen und Oberallgäuer kommen sicher über den Winter und der Geldbeutel wird entlastet.

Das Landratsamt geht hier mit gutem Beispiel voran: Die abendliche Beleuchtung von Haus und Parkplatz werden abgestellt und die Mitarbeitenden waschen sich vorerst die Hände mit kaltem Wasser und Seife. Das sind nur zwei ausgewählte Maßnahmen, die der Landkreis unternimmt, um Energie zu sparen. Dabei ist er bezüglich dieses Vorhabens seit jeher gut unterwegs: Beheizt wird das Landratsamt seit Jahren mit Fernwärme aus Biomasse, also völlig unabhängig von fossilen Energieträgern, eine Photovoltaikanlage liefert Strom und für nahegelegene Auswärtstermine steht ein Mitarbeiterfahrrad bereit.

Um auch Bürgerinnen und Bürgern hilfreiche Tipps zum Energiesparen im privaten Rahmen an die Hand zu geben, führt die Koordinationsstelle Klimaschutz im Auftrag der Oberallgäuer Energieallianz zudem eine Informationskampagne durch. Hierzu wurde bereits eine frei verfügbare Infografik mit simplen aber wirkungsvollen Tipps zur Senkung des Energieverbrauchs erarbeitet.Infografik Energiespartipps

Um die Bürgerinnen und Bürger auch aktiv beim Energiesparen zu unterstützen, bietet der Landkreis Oberallgäu einen zusätzliche kostenlosen Service an: Alle Einwohner des Landkreises können sich im Landratsamt oder in der Außenstelle in Kempten ein Strommessgerät ausleihen, um so in der heimischen Wohnung „Stromfresser“ aufzuspüren.

Die Geräte können nach einer kurzen Voranmeldung per E-Mail an klimaschutz@lra-oa.bayern.de kostenlos entliehen werden.

 

Weiterhin organisiert der Landkreis im September zwei Informationsveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger. Dabei soll vor allem die Versorgungssicherheit für die Bürgerinnen und Bürger im Allgäu auch im Hinblick auf den kommenden Winter thematisiert werden. Neben Informationen zur aktuellen Lage auf den Energiemärkten wird es praktische Tipps zum kurzfristigen Energie- und damit Kostensparen geben.

Als mittel- und langfristige Maßnahmen informiert der Landkreis auch über den Umstieg auf erneuerbare Energieträger für Strom und Wärme in der eigenen Wohnung. Dazu werden fachkundige Experten Auskünfte auf die drängendsten Fragen geben. Weiterhin wird es eine Übersicht über die derzeit geltenden Förderungen in Form von Zuschüssen beim Umstieg auf Erneuerbare Energien geben.

Zusätzlich bietet der Landkreis im Rahmen der etwa zweistündigen Informationsveranstaltungen die Möglichkeit, das eigene Haus auf Potenziale für Solarenergie und Erdwärme zu prüfen. Die Informationen können hausgenau abgerufen und zum Mitnehmen ausgedruckt werden.