Entwicklungsminister fordert „weltweiten Green Deal“

Vor der Veröffentlichung des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats am Montag hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mehr Unterstützung der EU für Staaten im globalen Süden gefordert. „Wir brauchen einen weltweiten Green Deal“, sagte Müller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). Dieser müsse „gewaltige private Investitionen zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie Technologietransfers und einer Investitionsoffensive der Industrieländer in Schwellen- und Entwicklungsländern“ umfassen.

Entwicklungsminister Fordert Weltweiten Green DealWindräder, über dts Nachrichtenagentur

Nur so sei es möglich, Wachstum ohne dramatische Steigerung der CO2-Emissionen zu erzielen. Unter „Green Deal“ versteht man die Pläne der EU, die Staatengemeinschaft nicht nur CO2-neutral zu machen, sondern diesen Wandel auch als wirtschaftliche Chance zu nutzen. Müller sagte, Brüssel müsse durch eine Ausweitung des Green Deals auf Entwicklungs- und Schwellenländer „seinen Beitrag leisten“, und so eine globale Energiewende fördern. Weltweit seien derzeit hunderte neue Kohlekraftwerke in Bau oder Planung. „Gehen diese `Klimakiller` alle ans Netz, erreichen wir die Pariser Ziele nie“, sagte Müller. Die Weltbank, der Internationale Währungsfonds, Entwicklungsbanken und die EU müssten die Investitionsförderung und Risikoabsicherung für nachhaltige Infrastruktur- und Energieprojekte deutlich ausbauen, fordert der CSU-Politiker. Das 1,5-Grad-Ziel sei immer noch zu erreichen.

„Aber uns läuft die Zeit davon“, so der Minister. Am Montag wird in Genf das erste Kapitel des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats vorgestellt. Der Bericht liefert eine aktualisierte Datenbasis für den Kampf gegen die Klimakrise. Die genauen Ergebnisse sind noch nicht bekannt – doch dass sich die Lage seit der Veröffentlichung des letzten Sachstandsberichts 2013/2014 wesentlich gebessert hat, gilt als extrem unwahrscheinlich.

Die Folgen des Klimawandels seien längst da und würden weiter zunehmen, sagte Müller den Funke-Zeitungen, in Form von Dürren, Hitzewellen, Wirbelstürme und Starkregen, dem Anstieg des Meeresspiegels und dem Abschmelzen der Gletscher. Vor allem Entwicklungsländer, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, würden darunter leiden. Deutschland sei mit Klima-Investitionen von über zwölf Milliarden Euro seit 2015 einer der größten Geber für die Förderung der Energiewende in Entwicklungs- und Schwellenländern. Über drei Millionen Menschen habe man so allein im letzten Jahr Zugang zu nachhaltiger Energie verschaffen können.