Entwicklungsminister fordert Zehn-Milliarden-Nothilfefonds

Vor der UN-Hilfskonferenz für Afghanistan an diesem Montag in Genf hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) eine grundlegende Reform der internationalen Nothilfe gefordert. „Mit einem UN-Nothilfe- und Krisenfonds von 10 Milliarden Euro könnten wir vorausblickend weltweit Tod durch Hunger und fehlende Medikamente verhindern“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagausgaben). Das System der internationalen Hilfe müsse sich verändern – weg von der Krisenintervention hin zur Krisenprävention.

Entwicklungsminister Fordert Zehn Milliarden NothilfefondsVereinte Nationen, über dts Nachrichtenagentur

„Es kann nicht sein, dass erst gestorben werden muss. Es gilt, vorsorgend zu investieren.“ In Afghanistan baue sich eine humanitäre Katastrophe auf, warnte Müller.

„Die Menschen leiden nicht nur unter der gewaltsamen Machtübernahme der Taliban. Dazu kommt eine schwerwiegende Dürre. Und die Corona-Pandemie grassiert mit ungebremster Wucht.“ Schon jetzt sei fast die Hälfte der Bevölkerung auf Hilfe angewiesen.

„In den kommenden 12 Monaten werden voraussichtlich die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sein.“ Aber der humanitäre Bedarf für Afghanistan sei nur zu 40 Prozent gedeckt. „Die internationale Gemeinschaft muss jetzt schnell handeln und alles tun, um die Grundversorgung der afghanische Bevölkerung aufrecht zu erhalten“, forderte der Entwicklungsminister. Die Weltgemeinschaft dürfe aber auch die anderen Weltkrisen – Jemen, die Sahel-Region und den Krisenbogen um Syrien – nicht aus den Blick verlieren, sagte Müller.

Allerdings mangele es bei den Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen an verlässlicher und vorausschauender Finanzierung. „Die Weltgemeinschaft steht an einem Scheideweg: Die Weichen bei den UN zu stellen, dass die Staatengemeinschaft Krisen besser vorbeugen kann oder unkontrollierte Flucht und millionenfaches Leid weiter zu akzeptieren“, sagte Müller.