Entwicklungsminister rügt Beschaffungspolitik bei Bundesbehörden

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bewertet das Nachhaltigkeitssiegel „Grüner Knopf“ für Textilien als Erfolg, kritisiert aber die Beschaffungspolitik von Bundesbehörden als mangelhaft. „Bislang wurden insgesamt 150 Millionen Textilien mit dem Grünen Knopf verkauft“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). „Im letzten Halbjahr so viele wie noch nie – trotz Corona.“

Entwicklungsminister Ruegt Beschaffungspolitik Bei BundesbehoerdenContainerschiff, über dts Nachrichtenagentur

Am Thema Nachhaltigkeit komme niemand mehr vorbei. „Vor zwei Jahren sind wir mit 27 Unternehmen gestartet. Heute hat sich die Zahl fast verdreifacht. 78 Unternehmen machen mit, hundert weitere haben das Siegel beantragt.“ Allerdings: „Bei der nachhaltigen Beschaffung erfüllt der Bund seine selbst gesetzten Ziele nicht.“ Ziel müsse sein: „Den Grünen Knopf zur Standardmarke der öffentlichen Beschaffung zu machen, sowohl in allen Kommunen als auch staatlichen Betrieben.“ Er verwies auf positive Beispiele aus sozialen Unternehmen, der Privatwirtschaft und der Fußball-Bundesliga. „Caritas und Diakonie wollen alle 56.000 Einrichtungen wie Krankenhäuser und Altenheime mit ihren 2,2 Millionen Betten auf Grüne Knopf-Textilien umstellen.“ Die Deutsche Bahn habe bereits die neuen Outfits für 43.000 Mitarbeitern zertifiziert. „Auf viele Fankollektionen von Bundesliga-Vereinen trifft das inzwischen auch zu. Das sind tolle Zeichen der Verantwortung.“

Laut Entwicklungsministerium stieg die Gesamtzahl verkaufter Textilien mit dem Zertifikat im ersten Halbjahr 2021 um 45 Prozent im Vergleich zum 2. Halbjahr 2020. Bei Bekleidungstextilien wurden 49 Prozent mehr verkauft, bei Heim- und Haustextilien 32 Prozent mehr sowie bei Schuhen und Accessoires 50 Prozent mehr. Der CSU-Politiker ist überzeugt, dass sich der „Grüne Knopf“ im Markt durchsetzt. „Marken wie Trigema, Jack Wolfskin und Esprit machen genauso mit wie große Handelsketten, etwa Tchibo, Aldi, Lidl oder Rewe“, so Müller.

„Sie zeigen auch, dass nachhaltig produzierte Kleidung nicht teuer sein muss.“ Für die Zertifizierung mit dem „Grünen Knopf“ müssen 46 Sozial- und Umweltkriterien eingehalten werden. Dazu zählen die Zahlung von Mindestlöhnen, das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit und das Verbot gefährlicher Chemikalien. Als erstes staatliches Siegel stellt der Grüne Knopf aber nicht nur Anforderungen an das Produkt (T-Shirt, Bettwäsche), sondern auch an das Textilunternehmen.

Der „Grüne Knopf“ ist inzwischen eine geschützte EU-Marke, auch ausländische Unternehmen können ihre Produkte mit dem Siegel zertifizieren.