Sonthofens Eishockeyspieler schafften das schier Unglaubliche und ziehen nach dem 3:1-Sieg gegen den Tabellenführer Dingolfing in die Playoffs um die Bayerische Landesligameisterschaft und den Aufstieg in die Bayernliga ein.

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v.l. Denis Adebahr. Matyas Stransky und Torschütze Robin Berger | Bild: Bettina Brunner

Da hilft nur ein Wunder, so dachte es sich der ein oder andere ERC-Fan vor der alles entscheidenden Heimpartie um den Playoffeinzug am vergangenen Freitagabend. Es mussten für die Schwarz-Gelben drei Punkte gegen den bisher ungeschlagenen Topfavoriten aus Dingolfing her, um sich für die Playoff-Teilnahme zu qualifizieren. Eine Mammutaufgabe, die nicht einfach zu lösen sein würde, schließlich ging das Hinspiel für den ERC in Dingolfing mit 1:10 völlig in die Hose. Darüber hinaus dominierten die „Isar-Rats“ die Aufstiegsrunde nach Belieben.

„Wenn du keine Chance hast – dann nutze sie“, genau das umschreibt den Auftritt der Oberallgäuer an diesem denkwürdigen Abend. Die Mannen um Kapitän Christian Engler kamen bis in die Haarspitzen motiviert aus der Kabine und zeigten von Spielbeginn ihre Ambitionen. Kaum war die Scheibe im Spiel, kreierten sie sich erste Chancen. Dingolfing schien erst etwas abzuwarten, verteidigte aber ehrgeizig. Dann kamen auch die Gäste besser ins Spiel und unternahmen erste Angriffsbemühungen. Sonthofen hatte im ersten Drittel mehr Spielanteile, was die Schussstatistik von 12 zu 7 Torschüssen untermauert. Tore sollten im ersten Spielabschnitt aber nicht mehr fallen, dafür zeigten sich die beiden überragenden Torhüter -Dennis Jedrus im Gästekasten und der junge Calvin Stadelmann zwischen den Sonthofner Pfosten- verantwortlich. Unter dem Beifall von über 600 Zuschauern verabschiedete sich ein bärenstarker ERC in die erste Pause.

Im Mittelabschnitt hatte der ERC ebenfalls leichte Vorteile, welche sich noch auszahlen sollten. Während Stadelmann seinen Vorderleuten den Rücken freihielt, kamen diese immer wieder gefährlich vor das Gästetor. Zur Spielhälfte leitete Sonthofens Denis Adebahr mit seinem Handgelenkschuss den ersten ERC-Treffer ein. Gästegoalie Jedrus konnte die Scheibe nicht sichern und Christopher Unzeitig verwandelte den Rebound zur viel umjubelten 1:0-Führung. Ein paar Minuten vor Ende des zweiten Drittels wurde Dingolfings Maximilian Ohr vom gut leitenden Schiedsrichtergespann für zwei Minuten des Eises verwiesen. Sonthofen im Powerplay: Nicolas Neuber brachte die Scheibe von der blauen Linie aus auf das Gästetor, Robin Berger stand goldrichtig und konnte zum 2:0 abfälschen. Nicht nur die Sonthofner Fans waren jetzt völlig aus dem Häuschen, auch Robin Berger ließ seinen Emotionen freien Lauf und heizte das Publikum in sehenswerter Weise an. Mit einer komfortablen 2:0-Führung ging es für das Sonthofner Team unter stehenden Ovationen in die zweite Pause.

Im letzten Drittel entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Sonthofen blieb seiner Linie treu und arbeitete weiterhin konzentriert und mit einem unbändigen Siegeswillen. Die Gäste kamen dennoch immer wieder gefährlich vor das Tor von Calvin Stadelmann, der aber immer eine Antwort parat hatte. So auch zur Drittelhälfte, als Vladimir Kames zwei Minuten auf der Strafbank saß. Knapp drei Minuten vor Spielende dann Kevin Aigners 1:2-Anschlusstreffer im Alleingang. Dingolfing war in der Folge noch angriffslustiger und Sonthofen musste alle Register ziehen, um die Führung zu verteidigen. Das Stadion glich jetzt einem Hexenkessel. Die Gäste nahmen Goalie Jedrus vom Eis und erhöhten den Druck auf die Oberallgäuer mit einem Mann mehr, bis David Mische die von Marc Sill harterkämpfte Scheibe im leeren Dingolfinger Tor zum 3:1-Sieg unterbrachte.

Sonthofen steht mit diesem Sieg sicher in den Playoffs. Gegen wen die Kreisstädter am kommenden Freitag antreten müssen, steht erst nach der letzten Partie der Haßfurter am Sonntag fest. Sollte Haßfurt gegen Trostberg gewinnen, ziehen die Hawks am ERC vorbei und belegen den dritten Tabellenplatz. Bei einer Niederlage Haßfurts bleibt Reichersbeuern auf dem vierten Tabellenplatz und Sonthofen startet als Drittplatzierter in die Playoffs.

Klaus Ottenbreit