„Es ist verstörend“ | Bundesminister Cem Özdemir kritisiert linken Antisemitismus

Der grüne Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir kritisiert Antisemitismus im linken politischen Spektrum.Oezdemir

„Es ist verstörend, wie manche Linke gerade angesichts des Terrors der Hamas darin versagen, Menschlichkeit zu zeigen – oder überhaupt anzuerkennen, dass es sich um Terrorismus handelt“, schreibt Özdemir in einem Gastbeitrag für den stern. „Wenn Antisemitismus von links kommt, heißt es oft, das sei kein Antisemitismus, sondern antikolonialer Befreiungskampf.“ Der Grünen-Politiker wendet sich grundsätzlich gegen „einen selektiven Blick auf die Realität des Antisemitismus“. 

Wenn Antisemitismus von Muslimen ausginge, so Özdemir weitere, hieße es, das habe nichts mit dem Islam zu tun. „Obwohl Studien zeigen, dass dieser unter Muslimen kein Randphänomen ist.“ Die Konservativen in Deutschland hingegen thematisierten gern ausschließlich den „eingewanderten Antisemitismus“. Dabei sei es der Sicherheit von Juden nicht dienlich, den einen Antisemitismus gegen den anderen auszuspielen. „Es gibt keinen weniger schlimmen Antisemitismus.“

Der Bundeslandwirtschaftsminister fordert ein konsequentes Vorgehen gegen jegliche Form von Antisemitismus und ein Eingeständnis, dass Opfer auch Täter sein könnten. „Offenbar fehlt manchen die Vorstellungskraft, dass dieselbe Person heute wegen ihrer Herkunft keinen Job bekommt – und morgen auf der Straße antisemitische Parolen brüllt.“ Man dürfe bei all dem die Augen nicht verschließen. „In der Konsequenz des Staates liegt eine Botschaft, die verstanden wird, in der Inkonsequenz eine, die ausgenutzt wird.“ Das gelte nicht nur im Umgang mit extremistischen Demonstranten, sondern etwa auch für ein konsequentes Vorgehen in den Schulen: Nicht das jüdische Kind müsse die Schule wechseln, sondern diejenigen, die es drangsalierten und antisemitisch seien. „Das muss sich herumsprechen, damit andere Eltern es verstehen.“