„Es reicht einfach!“ Augsburger Ärztin wehrt sich gegen Impfstoff-Kürzungen in Praxen

„Das ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich seit Monaten engagieren, um der Pandemie irgendwie Einhalt zu gebieten“. Dr. Marion Schäfer, in Augsburg niedergelassene Gynäkologin, kann ihren Ärger nicht verhehlen – und will das auch nicht mehr. „Fassungslos“ sei man heute Morgen gewesen, als die Meldung der Kassenärztlichen Vereinigung in die Praxen kam: Die für kommende Woche bestellten Dosen des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer werde seitens des BMG stark rationiert. Moderna könne geliefert werden – aber nur, was bereits bestellt war. Voraussichtlich, jedenfalls.

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Was das für die Gemeinschaftspraxis von Dr. Schäfer konkret bedeutet? „Wir haben für kommende Woche 100 Patientinnen zur Impfung einbestellt – nach jetzigem Stand müssen wir 60 dieser Termine absagen.“ Und das trotz all der dringenden Appelle seitens der Politik, sich impfen zu lassen – erst am Mittwoch warb Oberbürgermeisterin Eva Weber in einer Pressekonferenz eindringlich für eine Impfung – und appellierte an alle Augsburger Ärzte, hier mitzuhelfen. Doch wie soll das zusammengehen? „Es ist ja noch nicht einmal möglich, dann mit Moderna weiter zu impfen – es kann nur geliefert werden, was bis letzte Woche bestellt war.“ Und für die Woche danach? „Haben wir weitere 100 Termine vergeben. Wie sollen wir da zusätzliche 60 unterbringen?“

Bericht: Praxen erhalten zwei Millionen Dosen Impfstoff weniger

Wut, Frustration und absolutes Unverständnis sprechen aus Dr. Schäfers Worten. Nachvollziehbar. Seit Beginn der Impfkampagne engagiert sich die Augsburger Gynäkologin, um möglichst viele ihrer Patientinnen zur Impfung zu bewegen – aus Überzeugung. Nächtelang hat sie Strukturen erarbeitet, die möglichst hohe Impfkapazitäten möglich machten. Die Mitarbeiterinnen blieben bis spät in den Abend, kamen am Wochenende, um mitzuhelfen bei dieser gemeinsamen Anstrengung. „Mit einem Handstreich wird all dieses Engagement vom Tisch gewischt. Das ist nicht nur kurzsichtig und absolut kontraproduktiv, das ist auch vollkommen respektlos. Es reicht jetzt einfach.“ 

In benachbarten Praxen sei die Situation ähnlich: Die Impfdosen rationiert, die Stimmung aufgeheizt, die Motivation am Boden. Dabei sei gerade in Fachpraxen das Potenzial der zu impfenden Patienten groß: „Wir Fachärzte haben Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen, onkologische Patientinnen – wir kennen diese Menschen, wir wissen und können abschätzen, wer jetzt schnell eine Booster-Impfung braucht.“ Dass die nicht gelieferten Impfdosen in die Impfzentren umgeleitet würden, sei deshalb kein Trost. „Es muss einfach möglich sein, alle impfen zu können. Der Impfstoff ist ja da.“ Den so dringend nötigen Erfolg der Impfkampagne durch logistische Einschnitte und bürokratische Hemmnisse zu gefährden, sei grob fahrlässig. „Wir fordern deshalb dringend dazu auf, die angekündigte Rationierung der Impfdosen auszusetzen.“ Verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen, sei schwer genug. Impfwillige jetzt vor den Kopf zu stoßen, schlicht unbegreiflich.