Expandierende russische Luftfracht-Gruppe: Airlines fordern Prüfung

Der Plan der russischen Luftfracht-Gruppe Volga-Dnepr, in Leipzig eine deutsche Tochtergesellschaft mit einer deutschen Betriebserlaubnis (AOC) zu starten, stößt auf heftigen Widerstand. Wie das „Handelsblatt“ (Dienstagsausgabe) berichtet, fürchten deutsche Airlines wie Lufthansa ungleiche Wettbewerbsbedingungen und fordern vom zuständigen Bundesverkehrsministerium eine genaue Prüfung des Falles. „Die deutsche Regierung würde zum Steigbügelhalter russischer Expansionspläne im europäischen Luftverkehr, wenn sie der Cargologic ein deutsches AOC erteilen würde. Das kann weder im Interesse Deutschlands noch Europas liegen“, sagte Michael Engel, Geschäftsführer des Airline-Verbandes BDF, dem „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe).

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Volga-Dnepr will mit der Cargologic Germany und bis zu fünf Boeing-737-Frachtern in den nächsten Wochen in Leipzig den Betrieb aufnehmen und nach offiziellen Angaben Expressfracht auf innereuropäischen Strecken befördern. Der Antrag auf eine Zulassung (AOC) liegt seit einigen Wochen beim zuständigen Luftfahrtbundesamt, entscheiden muss aber das Bundesverkehrsministerium.

Deutsche Fluggesellschaften beklagen schon lange Wettbewerbsverzerrungen in Russland. Das Land fordert zum Beispiel sehr hohe Überfluggebühren. Allein Lufthansa zahlt nach Angaben von Unternehmenskennern jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Offiziell will Volga-Dnepr mit dem deutschen Ableger die europäischen Verkehrsrechte sichern.

Die Rechte liegen derzeit bei der britischen Tochter Cargologic Air Ltd, würden aber nach einem ungeregelten Brexit verloren gehen. Deutsche Airline-Manager fürchten, dass Volga-Dnepr vor allem das internationale Geschäft ausbauen will – mit staatlicher Unterstützung. Denn der deutsche Ableger der russischen Gruppe könnte auf den wichtigen Frachtverbindungen gen Asien etwa beim Thema Überflug über Russland gegenüber ausländischen Airlines bevorzugt werden. Schon heute seien keine fairen Spielregeln bei Verhandlungen über Verkehrsrechte zwischen Deutschland und Russland möglich, beklagt Engel.

Künftig sei das noch schwieriger. Denn mit einer Zulassung als deutsche Fluggesellschaft könne Cargologic Germany einen Vertreter in das Gremium entsenden, das über die Vergabe von Verkehrsrechten in Deutschland entscheidet – auch die für Passagierflüge. „Man stelle sich nur vor, dass bei zukünftigen Verkehrsrechteverhandlungen Vertreter der russischen Airline auf beiden Seiten des Tisches sitzen“, sagte Engel. „Auf der einen Seite ein Vertreter der russischen Muttergesellschaft und auf der deutschen Seite ein Vertreter deren Tochter Cargologic. Wie soll dann in Verhandlungen deutschen Interessen Rechnung getragen werden?“.