Experten fürchten Personalmangel auf den Intensivstationen

Intensivmediziner und Pflegeexperten warnen vor einer massiven Verschärfung des Personalmangels auf den Intensivstationen. „Die Krise der deutschen Pflege hat sich durch die Corona Pandemie jetzt noch einmal erheblich verschärft und wird sich weiter verschärfen“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). „Wir müssen die Flucht aus dem Pflegeberuf unbedingt stoppen.“

Dts Image 14259 Dcqhkqrads 3121 800 600Krankenhausflur, über dts Nachrichtenagentur

In der beginnenden dritten Welle der Covid-19-Pandemie hielten die Pflegenden derzeit aus Pflichtgefühl noch durch, die Frage sei aber, was danach komme, so der Marx. Nach einer neuen Umfrage überlegten rund 32 Prozent der Pflegenden derzeit, aus dem Beruf auszusteigen. Auch DIVI-Präsidiumsmitglied Felix Walcher warnte vor einem Kollaps der Intensivversorgung: „Die Pandemie führt uns mehr als deutlich vor Augen, wie fragil auch das deutsche Gesundheitswesen ist.“ Es gebe kein Intensivbett ohne Pflege. Nötig seien jetzt rasche Verbesserungen im Arbeitsalltag des Pflegepersonals. „Sonst wird uns dieses hochqualifizierte Personal von der Fahne gehen und das System ist so wie jetzt nicht mehr aufrecht zu erhalten“, warnte der Direktor der Unfallchirurgie der Uniklinik Magdeburg. In einem gemeinsamen Papier fordern die DIVI und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) konkrete Verbesserungen zur Stärkung der Intensivpflege in Deutschland. Der Forderungskatalog, über den die Funke-Zeitungen berichten, umfasst unter anderem eine am tatsächlichen Pflegebedarf orientierten Personalschlüssel, moderne Arbeitszeitmodelle und eine der Qualifikation angemessene Bezahlung. Wichtig sei zudem eine bessere psychische Unterstützung der oft extrem belasteten Intensivpfleger: „Bis zum heutigen Tag gibt es keinen Psychologen oder professionelle Strukturen im Krankenhaus, an die sich ein Mitarbeiter wenden kann, wenn er mit einem belastenden Ereignis nicht mehr alleine emotional fertig werden kann“, kritisierte Walcher. Der DGF-Vorsitzende Lothar Ullrich mahnte dringend dazu, die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege zu verbessern. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung zeigte sich ebenfalls alarmiert: Aufgrund der momentanen Arbeitsbedingungen spielten zahlreiche Pflegende mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf auszusteigen, sagte Andreas Westerfellhaus den Funke-Zeitungen. „Das hätte katastrophale Folgen für unsere Gesundheitsversorgung.“ Er begrüße es, dass sich Pflegekräfte und Ärzte zusammengetan hätten und gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege einträten.