„Falsche Polizei“ im Raum Neu-Ulm – Echte Beamte können Tatverdächtige festnehmen

Mit Freitag beginnend erfolgten über das Wochenende eine hohe Anzahl an Anrufen von „Falschen Polizeibeamten“ bei Bürgerinnen und Bürgern im Landkreis. In einem Fall gelang den Betrügern eine Geldübergabe, in einem anderen Fall nahm die Kriminalpolizei Neu-Ulm in Zusammenarbeit mit zivilen Einsatzkräften der Operativen Ergänzungsdienste Neu-Ulm zwei Tatverdächtige fest.

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Symbolbild

Die Zahlen im Überblick

Über das Wochenende (02.10. bis 05.10.2020) gingen bei der Polizei mittlerweile 69 Meldungen von Bürgerinnen und Bürgern ein, die einen betrügerischen Anruf erhalten haben.

Auffällig ist die Steigerung über das Wochenende, wurden der Polizei sonst im Jahresverlauf 2020 bislang „nur“ weitere 138 Anrufe mitgeteilt, die sich – mit einer kleinen Häufung im Frühjahr – sonst recht gleichmäßig über das Jahr verteilten.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der gemeldeten Anrufe bislang insgesamt um etwa zwei Drittel gesunken; 2019 wurden bei der Polizei noch 607 Anrufe angezeigt.

Der aktuelle Fall mit einer Geldübergabe

Wie bereits in einer Pressemeldung vom 02.10.2020 mitgeteilt, kam es im Bereich „Insel“ zu einer für die Betrüger erfolgreich verlaufenen Geldübergabe. Ein Geschädigter deponierte Wertgegenstände in einem Versteck, wo sie wenig später von einem unbekannten Täter oder einer Täterin abgeholt wurden.

Die weiteren Ermittlungen haben ergeben, dass die ursprünglich angenommene Schadenssumme doch etwas niedriger ausfällt. Die Kriminalpolizei geht demnach derzeit von einer hohen vierstelligen und nicht mehr von einer fünfstelligen Summe aus.

2019 entstand durch die Betrugsmasche alleine im Landkreis Neu-Ulm ein Schaden von etwa 40.000 Euro, der aktuelle Fall ist zwar bislang der einzige erfolgreiche Fall in 2020, damit liegt allerdings die Schadenssumme bereits über der von letztem Jahr.

Die Festnahme der beiden Tatverdächtigen

Gegen 10.45 Uhr am Montag, den 05.10.2020, erhielt ein 74-Jähriger einen Anruf eines falschen Polizeibeamten, welcher im Zuge des Gesprächs nach Bargeld im Hause fragte. Während der Angerufene den Kontakt zu den falschen Polizeibeamten hielt, kontaktierte seine Ehefrau sogleich die richtige Polizei mit ihrem Handy. Die Kriminalpolizeiinspektion Neu-Ulm übernahm daraufhin sofort die eingeleiteten Ermittlungen. Der 74-Jährige folgte zum Schein den Anweisungen des falschen Polizeibeamten am Telefon weiter. Wenig später klingelte schließlich eine Geldabholerin an der Haustüre und wollte einen niedrigen fünfstelligen Bargeldbetrag in Empfang nehmen.

Bei der Abholerin handelte es sich um eine 42-Jährige, welche zivile Einsatzkräfte der Operativen Ergänzungsdienste Neu-Ulm vor Ort festnahmen. Zudem fiel den Beamten ein 37-jähriger Mann auf, welcher sich in unmittelbarer Umgebung zunächst auffällig verhielt. Bei einer Identitätsfeststellung versuchte der Mann jedoch zu flüchten und leistete schließlich bei seiner vorläufigen Festnahme Widerstand. Hierbei wurde der 37-Jährige leicht verletzt. Die eingesetzten Polizeibeamten blieben unverletzt. Auch bei ihm besteht der Verdacht, dass er in die Betrugsmasche der falschen Polizeibeamten verwickelt ist.

Beide vorläufig Festgenommenen wurde nach Abschluss der Sachbearbeitung schließlich wieder entlassen. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass die 42-Jährige auch eine Abholung am vergangenen Freitag (des aktuellen Falls mit der Geldübergabe) durchführte und das Geld schließlich an einen bislang unbekannten Dritten weitergab.

Die perfide Masche der Betrüger

Die Frau hatte zuvor über eine Plattform im Internet eine Anzeige auf der Suche nach einem Mini-Job inseriert, wobei sie von einer angeblichen Firma kontaktiert wurde, welche ihr schließlich einen Kurier-Job anbot. Die Frau nahm den Job an und wähnte sich lediglich als Kurierangestellte.

Die Polizei rät daher, grundsätzlich Job-Angebote immer kritisch zu hinterfragen, vor allem wenn Unklarheiten bezüglich der genauen Tätigkeit und der dafür angebotenen Bezahlung bestehen. Besteht ein Missverhältnis zwischen Aufgabe und Entlohnung, so sollte man die Angebote genau prüfen und gegebenenfalls bei der Polizei melden.

Auch ist dringend Abstand zu nehmen, wenn es im Zuge des Arbeitsverhältnisses zu keinem persönlichen Vorstellungsgespräch in einem Betrieb kommt, sondern die Aufträge lediglich per Telefon angewiesen werden. Eine genauere Recherche im Internet über die angebliche Firma und das Tätigkeitsfeld hilft oftmals schnell weiter.

Das Fazit

Die Polizei geht davon aus, dass die Betrüger immer dort verstärkt mit Anrufen aktiv werden, wo es auch örtliche Abholer gibt.

Falls Sie angerufen werden, beachten Sie bitte folgende Hinweise:
• Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
• Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.
• Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
• Bitte sprechen Sie auch mit Verwandten, Bekannten und Ihren Nachbarn über das Phänomen!

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