FC Augsburg-Geschäftsführer Michael Ströll: Klub wird vielleicht nicht ohne staatliche Hilfen auskommen

In der aktuellen Folge von „LÖTZ TALK – the sustainable football podcast“ ist Michael Ströll zu Gast. Der Geschäftsführer des Fußball-Erstligisten FC Augsburg räumt erkennbare Nachholpotenziale des Klubs in Sachen FairTrade-Merchandising sowie bei der Abfallvermeidung ein und stellt die brandneue Nachhaltigkeitsstrategie des FC Augsburg vor.

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Michael Ströll | Foto: Wolfgang Czech

Zudem beschreibt der 37-Jährige die ideelle Ausrichtung seines Klubs unmissverständlich: „Wir wollen primär ein regional verwurzelter Verein sein, wir möchten für Stadt und Region sportlich performen, aber wir wollen auch sozial und gesellschaftlich unserer Verantwortung gerecht werden.“
 
Aber auch dem Thema Corona und seinen Folgen widmet sich Ströll bei LÖTZ TALK. Für den beim Gros der Bundesligavereine auszumachenden Zuschauerschwund während der Corona-Pandemie hat der FCA-Geschäftsführer eine Ursache ausgemacht: „Ich glaube, dass wir ein großes Stück an Glaubwürdigkeit verspielt haben als Profifußballvereine.“ Insbesondere Vertreter großer Klubs, so der FCA-Geschäftsführer, hätten zu Beginn der Pandemie zum Umdenken aufgerufen: besser wirtschaften, sich stärker gesellschaftlichen Themen zuwenden, die Sorgen und Nöte der Fans erst nehmen. „Da ist seitdem nichts passiert“, sagt Ströll. „Viele Vereine wirtschaften und agieren, als ob nichts gewesen wäre. Das kann ich nicht nachvollziehen, nicht verstehen, und ich glaube, dass das auch zu einem Glaubwürdigkeitsverlust geführt hat.“ In Augsburg arbeite man nach anderen, nachhaltigeren Prinzipien, Ströll: „Wenn ich Einbußen habe, dann kann ich eben nicht so viel ausgeben.“
 
Im Gegensatz zu anderen Profivereinen hat der FCA im bisherigen Verlauf der Pandemie keine finanzielle Fremdhilfe, etwa in Form von Bank- oder Landesbürgschaften, aufgenommen, geschweige denn das Angebot von Kurzarbeit für seine Angestellten in Anspruch genommen. „Uns war wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und keine Hilfen in Anspruch zu nehmen“, so Ströll. Aber wenn die Krise weiter anhalten werde und Geisterspiele für einen längeren Zeitraum Realität bleiben, schwant Michael Ströll für seinen Klub nichts Gutes: „Bislang haben wir es ohne Hilfen geschafft, kann aber sein, dass das in Zukunft ein Thema werden muss.“

Neue Beschlussvorlage: Geisterspiele werden zur Pflicht

 
LÖTZ TALK ist der erste wöchentliche Podcast zum Thema Fußball und Nachhaltigkeit. Er ist über alle gängigen Podcast-Plattformen sowie über www.loetztalk.de abrufbar.