Ohne Zweifel war angesichts des Spielverlaufs der Sieg für den VfB Eichstätt durchaus verdient. Doch der Zeitpunkt des Gegentreffers bei der 0:1 (0:0) Niederlage in diesem Regionalliga-Auswärtsspiel war für den FC Memmingen einmal mehr als unglücklich. Wie schon in der Vorwoche gegen Spitzenreiter Türkgücü München wurde nämlich Zählbares in der Nachspielzeit verspielt. Und wie das entscheidende Tor fiel, passte auch irgendwie zum Bild des Nachmittags. Als die offizielle Spielzeit schon abgelaufen war, zog Jonas Fries aus 20 Metern ab. Philipp Federl brachte seinen Körper dazwischen und der Ball wurde zum Leidwesen von FCM-Torhüter Mustafa Özhitay unhaltbar abgefälscht.

Mustafa-Oezhitay FC Memmingen verliert durch abgefälschten Treffer in der Nachspielzeit in Eichstätt mehr Fußball Memmingen News Sport FC Memmingen Regionalliga Bayern VfB Eichstätt | Presse Augsburg
Özhitay war bei seinem Debüt der wohl traurigste Memminger

Wer Özhitay ist? Der 23-jährige wurde kurzfristig verpflichtet, weil Felix Thiel mit hohem Fieber im Bett lag. Ab Januar steht Thiel wegen eines Auslandsaufenthalts zudem nicht mehr zur Verfügung. Martin Gruber wurde an der Hand operiert und fällt vier Monate aus. Blitztransfer Özhitay trainierte vergangene Woche mit und nachdem am Freitag die Spielberechtigung erreicht wurde, stand er tags darauf bereits zwischen den Pfosten. Sehr zur Überraschung von Eichstätt, denn der VfB hatte ihn Mitte der vergangenen Saison – ebenfalls wegen eines Torhüterengpasses – verpflichtet. In 17 Spielen wurde er Stammkeeper und trug maßgeblich zur Vize-Meisterschaft bei. Ausgerechnet in den Schlussminuten hatte er sich im letzten Saisonspiel verletzt und war seitdem ohne Verein. In seiner Vita stehen sieben Einsätze für die U21-Nationalmannschaft seines Geburtslandes Aserbeidschan. Er besitzt einen deutschen und türkischen Pass.

Özhitay mit starkem Debüt

An seiner alten Wirkungsstätte lief Özhitay zu Höchstform auf und hielt lange den einen Punkt in Händen. Als er in der Schlussphase einen Freistoß von Fabian Eberle aus dem Kreuzeck fischte, schien es tatsächlich so, als würde Eichstätt trotz aller Bemühungen und Möglichkeiten an diesem Nachmittag nicht treffen. Anfangs hatte Ari Kelmendi einen Kügel-Versuch von der Linie gekratzt, Eberles Drehschuss ging knapp vorbei. Auch alle weiteren Versuche gingen daneben, drüber oder in die Hände von Özhitay.

Die Vorstöße der arg dezimierten Memminger („ohne Neun“) in der zweiten Halbzeit waren trotz aller Bemühungen insgesamt nicht gefährlich genug, um den Verlauf mit einem eigenen Treffer auf den Kopf zu stellen. Zu allem Überfluss verletzte sich mit Nats Watanabe eine der verbliebenen Offensivkräfte. Der Japaner fiel unglücklich auf seinen Arm und musste nach minutenlanger Behandlung früh ausgewechselt werden. Die genaue Diagnose steht noch aus, aber zumindest ist nichts gebrochen. Für Watanabe kam Benedikt Berger (20 Jahre), der sein Regionalliga-Debüt gab und bereits der 28. Spieler ist, der vom FCM im bayerischen Fußball-Oberhaus in dieser Runde eingesetzt wurde.

Memmingen steht wieder mit leeren Händen da

„Memmingen war in der Verteidigung gut organisiert. Am Ende war der Sieg zwar glücklich, aber sicherlich verdient“, durfte sich VfB-Coach Markus Mattes zufrieden zurücklehnen. Sein Gegenüber Kahric stand mit leeren Händen da: „Wir waren am Anfang ganz gut im Spiel, aber Mitte der ersten Halbzeit haben wir dann etwas den Faden verloren. Am Ende haben wir alles versucht, um das Unentschieden zu halten, was uns leider nicht gelungen ist.“

Während Eichstätt auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken darf, auf dem sorgenfreien sechsten Tabellenplatz überwintert und die Vize-Meisterschaft in der Vorsaison in den Vereinsanalen verewigt hat, sieht es beim FCM sportlich düster aus. Sofern gespielt werden kann, steht nächsten Samstag noch das Kellerduell beim VfR Garching an. Wenn ein Sieg im Treffen Vorletzter beim Letzten gelingt, dann ist vor der Pause zumindest noch der Sprung auf einen Relegationsplatz drin.

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VfB Eichstätt: Junghan – Lamprecht, Waffler, Schmidramsl, Zitzelsberger (72. Wolfsteiner) – Fries, Federl, Istrefi (64. Schraufstetter) – Kügel, Eberle, Lushi (89. Neumayer).

FC Memmingen: Özhitay – Ender, Sirch, A. Kelmendi, Remiger – L. Kelmendi, Rietzler, Greisel, Morou (90. + 4 Skrijlj) – Watanabe (29. Berger, 90. + 3 Ezeala), Celani.

Tor 1:0 (90. + 1) Federl.

Gelbe Karten: Zitzelsberger / Ender, Ezeala.

Schiedsrichter: Ehwald (Geldersheim)

Zuschauer: 520.