Frage um Augsburger Theater-Standort keimt wieder auf – Freistaat Bayern besteht auf getroffene Vereinbarung

Im angehenden Kommunalwahlkampf keimt wieder einmal die Diskussion um den künftigen Standort für das Staatstheater Augsburg auf. Unter anderem hatte der SPD-OB-Kandidat Dirk Wurm den geplanten Neubau hinter dem Großen Haus in Frage gestellt. Der Freistaat Bayern als Fördergeber, sowie das Augsburger Kulturreferat pochen auf die Umsetzung.

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Foto: Dominik Mesch

Am 12. Juli 2016 hat der Stadtrat die Verwaltung mit einer breiten Mehrheit (50:7) beauftragt, alle erforderlichen Maßnahmen zur Fortführung der Theatersanierung in Bauteil 1 (Bestandsgebäude) und Bauteil 2 (Neubauten Kasernstraße) auf der Grundlage der vorgestellten Konzeptplanung auszuführen.

Grundlage und Kern des Konzepts für die Sanierung des Theaterstandortes sind dabei folgende Punkte: a) die Bündelung aller Funktionen des Theaters an einem Standort. b) die
Verbesserung der funktionalen und logistischen Abläufe für alle produzierenden Gewerke c) eine multifunktionale Spielstätte d) Berücksichtigung der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung.
Kulturreferent Thomas Weitzel weist darauf hin, dass dieses Konzept auch die Grundlage für die Anträge an den Fördergeber, den Freistaat Bayern, waren. Gerade die ganzheitliche Sicht auf den Betrieb und die Optimierung der künstlerischen Arbeitsbedingungen sowie die damit verbundene Stärkung des Kulturprofils der Metropole Augsburg haben dazu beigetragen, dass der Höchstfördersatz von 75 % für dieses Projekt zugesichert wurde.

Die gegenwärtige Diskussion über eine Abweichung von dem Konzept und die Dezentralisierung der Spielstätten ist weder mit der gegenwärtigen Beschlusslage noch mit den Förderanträgen vereinbar.

Jährliche Gesamtmieten von 1,5 Mio Euro

Laut Weitzel müssen aber auch die finanziellen Folgen einer solchen Dezentralisierung der Spielstätten bedacht werden. Das Staatstheater ist in allen derzeit genutzten iegenschaften Mieter und es fallen jährlich Gesamtmieten von ca. 1, 5 Mio Euro an. Der mit dem Freistaat verhandelte Vertrag sieht nur eine temporäre Beteiligung am interimsbedingten Mietaufwand für das Staatstheater vor. Eine Abweichung vom zentralen Standortkonzept war nicht Gegenstand der Verhandlungen zum Staatstheater.

Grundsätzlich regelt das Stiftungsgesetz, dass die Stadt für den Theaterbetrieb die Gebäude zur Verfügung stellt. Sollten die Interimsorte als dauerhafte Spielstätten geführt werden, müsste die Stadt alleine für die Mieten ohne die Beteiligung des Freistaates aufkommen.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler betont dazu: „Der Freistaat steht hinter dem Theater in Augsburg! Seine große Bedeutung für die Kulturlandschaft in Schwaben und für das Theaterleben in ganz Bayern unterstreichen wir dadurch, dass wir im vergangenen Jahr die ‚Stiftung Staatstheater Augsburg‘ ins Leben gerufen haben. Zusammen mit der Stadt haben wir hierzu Hand in Hand ein Konzept entwickelt. Wir gehen fest davon aus, dass umgesetzt wird, was gemeinsam vereinbart wurde. Die Sanierung des Großen Hauses ist in der Tat ein großes Projekt für die Stadt als Eigentümerin der Immobilie und von immenser Bedeutung für das Theater. Der Freistaat steht auch hier an der Seite des Theaters und der Stadt Augsburg.“

Interimsspielstätten nicht für dauerhaften Betrieb ausgelegt

Ebenso wäre zu berücksichtigen, dass die Interimsspielstätten im Hinblick auf einen dauerhaften Betrieb nachgerüstet werden müssten. Allein die Einbauten (Technik, Tribüne etc.) in der Brechtbühne im Gaswerk sind als gebrauchte Materialien vom Kennedyplatz übernommen worden. Hier wie im Martinipark würden bei einer dauerhaften Nutzung weitere siebenstellige Investitionen in die bauliche Substanz wie in die Technik anfallen.

Dauerhaft würden sich darüber hinaus die Logistikkosten durch Fahrten mit Material, Technik und erhöhten Personalaufwand niederschlagen. Durch das Interim und die Andienung der Spielorte musste der Fuhrpark des Theaters bereits jetzt verdoppelt werden.
Ebenso stellt Kulturreferent Weitzel fest: „Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung können mit der Aufgabe des Grundkonzepts nicht mehr realisiert werden. Damit wird die Chance für ein
kulturelles Zentrum in der Stadtmitte vergeben, das vielen gesellschaftlichen Bedürfnissen Rechnung tragen soll.“

Insbesondere die Multifunktionsbühne sollte neue performative und szenografische Formen ermöglichen und den künstlerischen Ansprüchen eines Staatstheaters gerecht werden. „In einer Großstadt sollte man grundsätzlich über einen Raum verfügen, der nicht nur auf die Frontalbespielung setzt und andere Publikumserfahrungen ermöglicht“, so Weitzel.

Zentraler Standort belebt Viertel und Innenstadt

Darüber hinaus ist für ihn das qualitative und breite kulturelle Angebot aller Sparten des Staatstheaters auch zur Belebung und Attraktivitätssteigerung der Innenstadt von großer Bedeutung.Das Staatstheater verfüge über eine hohe regionale und auch überregionale Ausstrahlungskraft, die zu einer weiteren Belebung der Innenstadt beitragen könne. Durch einen zentralen Theaterstandort erhoffe man sich neben der kulturellen Belebung gleichzeitig auch positive Effekte für die vielen Gewerbetreibenden im Theaterquartier und in der gesamten Einkaufsinnenstadt.

Dies sieht auch der Kulturausschuss-Vorsitzende Andreas Jäckel (CSU) so. Die weit über einen „Theaterbau“ hinausgehende Vision eines Kulturviertels rund ums Theater würde nach Ansicht der CSU-Fraktion durch solche Überlegungen pulverisiert. Dies zeige mal wieder, so Jäckel, dass „die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wirkungen von Kultur und zudem eines Arbeitgebers für über 400 Menschen inmitten der Stadt völlig verkannt werden. Es ist schlichtweg kultur- und wirtschaftspolitisch kurzsichtig, von den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten mal ganz zu schweigen“.

Weitzel möchte grundsätzlich festhalten, dass man sich mit Bauteil 2 in der Phase der Vorentwurfsplanung (also der Planung in Varianten) befindet, zu denen noch keine abschließenden Kosten vorliegen. Erst auf der Basis der nun zu erarbeitenden Kostenschätzung kann der Stadtrat eine (verantwortungsbewusste) Entscheidung treffen, bei der alle Belange abgewogen werden können.