Im vergangenen Jahr hat BMW sein erstes eBike vorgestellt. Mit dem vor kurzem erschienenen 2014er Cruise eBike hat Presse Augsburg nun das neueste Modell des Premium Automobilherstellers getestet und geprüft, ob der Werbeslogan „Freude am Fahren“ auch beim Segment der „treibstofflosen“ Zweiräder aus München zutrifft. 

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Ein echter Eyecatcher – Mit dem BMW Cruiser eBike fielen wir mehr auf als mit so manchem Sechszylinder. | Foto: Sebastian Pfister

Herzstück des neuen BMW Cruise E-Bike ist ein Bosch-Motor mit 250 Watt, der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h in verschiedenen Stufen zugeschaltet werden kann. Als Pedelec konzipiert, bestimmt das Trittverhalten des Fahrers die Intensität der Unterstützung. Drei Sensoren messen dabei rund 1000 mal pro Sekunde Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Drehmoment und passen so die Motorunterstützung dynamisch an. Der Bosch-Mittelmotor unterstützt die Leistung des Fahrers so um bis zu 225 Prozent.

Auf einem Kurztrip am Bodensee testeten wir das eBike in insgesamt 5 Kategorien.

1. Design (10/10 Punkten)

Mit dem Design setzt BMW im Bereich der eBikes Maßstäbe. In den von eBikes nur so strotzenden Bodensee-Orten wie Friedrichshafen oder Meersburg war das BMW-eBike ein echtes Besuchermagnet.

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Macht auf jedem Terrain eine gute Figur … | Foto: Sebastian Pfister

Kaum haben wir es an der Promenade abgestellt,  konnten wir aus sicherer Entfernung in einem Straßencafé bereits die ersten „Interessenten“ für das eBike sehen. Teilweise bildeten sich ganze Grüppchen um das Fahrrad und es wurde alles genau inspiziert…

2. Fahrgefühl (8/10 Punkten)

Das BMW eBike fährt sich sportlich und dynamisch. Durch die fast stufenlose Einstellungsmöglichkeit der Unterstützungsleistung ist man jederzeit Herr der Lage. Und auch für Fahrer, die „eigentlich gar kein eBike brauchen“ eignet sich das Bike aus unserer Sicht sehr gut.

Das Herzstück des Bikes - die Bosch-Antriebseinheit-
Das Herzstück des Bikes – die Bosch-Antriebseinheit | Foto: Sebastian Pfister

So kann man beispielsweise in der Ebene oder nur leicht bergigen Streckenabschnitten im „ECO-Modus“ (sehr restriktive Unterstützung, gleicht im Endeffekt nur Mehrgewicht des eBikes gegenüber „normalen“ Fahrrädern aus) fahren, um dann bei größeren Steigungen im „Sport“ oder „Turbo-Modus“ eine deutliche Entlastung zu erhalten. So sind bei gleicher Kondition dank eBike nun zum einen längere Distanzen und damit neue Ziele möglich, zum anderen können Knie- und gelenkbelastete Personen nun bewusst „elektrisch“ eingreifen, um diese Probleme bei großen Steigungen zu „umfahren“.

Nicht so leicht ist das Handling des Bikes „am Boden“, denn mit ca. 22 Kilogramm ist es ein echtes Schwergewicht. Ein schnelles „Treppe rauftragen“ geht da nicht so leicht von der Hand wie mit unserem  nur halb so schweren „unmotorized“ Hardtail von CUBE. Doch wirklich leichte eBikes gibt es derzeit nirgends, da der Elektromotor und der Akku hier einfach im wahrsten Sinne des Wortes „ins Gewicht fallen“.

3.  E-Bike-Komponenten / Ausdauer (10/10)

Der Akku hat eine Kapazität von 400 Wh und unterstützt den Fahrer damit auf bis zu 100 Kilometern. Ähnlich wie bei einem PKW zeigt das Bosch-Display am Lenker jederzeit die aktuell noch verfügbare Akkuleistung und die voraussichtliche Restkilometerleistung an. 3,5 Stunden dauet es,  bis der vollständig entladene Akku wieder seine volle Leistung erreicht hat. Im Schnelllademodus lassen sich 50 Prozent der Leistung bereits in 90 Minuten erreichen.

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Verdient den Namen „Powerpack“ – Der Bosch Akku | Foto: Sebastian Pfister

Auf unseren Testfahrten durch Weinberge, Wälder und Uferpromenaden am Bodensee ließ uns das Bike nie im Stich und durch die genaue Anzeige der Restkilometer gab es auch keine bösen Überraschungen. Denn es gäbe wohl nichts schlimmeres, als mit einem über 20 Kilogramm schweren Bike in der „Prärie“ liegenzubleiben.

4. Bike-Komponenten/Technik (7/10)

Ausstattungsmäßig kommt das eBike mit einer soliden Shimano-Schaltung und -Scheibenbremse daher.

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Solide Komponenten, aber keine Highend Materialschlacht | Foto: Sebastian Pfister

Die  Federgabel des als Hardtail konzipierten eBikes kommt von Suntour. Alles in allem eine solide und gut aufeinander abgestimmte Auswahl, die sich aber technisch und preislich im unteren Bereich bewegt. Hier die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Rahmen: Aluminium, hydrogeformt, neues Bullneck Design, 26“ Vorderradfederung
  • Gabel: SR Suntour NEX MLO, mattweiß
  • Scheibenbremsen: Schaltwerk Shimano Deore 10 Gänge
  • Felgen: Rodi, Airline Plus 4 lacing, mattschwarz
  • Reifen: Continental CruiseCONTACT inkl. Reflexstreifen, Safety System und Keflar-Einlage unter der Lauffläche
  • Antrieb: Boschmotor neue Generation 250W/400Wh Akkupack, wiederaufladbar
  • Sattel: Selle Royal Freccia, schwarz mit schwarzen Schienen
  • Gewicht: 22 Kilogramm
  • Rahmenhöhe: M (46 cm, Körpergröße 165 –178 cm), L (51 cm, Körpergröße 174 –190 cm)
  • Griff: Velo VLG-719, Ergonomie, schwarz-weiß

5. Preis-Leistung (8/10)

Mit einer UVP von 2.799 Euro ist das BMW Cruise eBike sicher kein Schnäppchen, aber neben einem echten Eye-Catcher mit solider Technik und einem der besten eBike-Antriebe von Bosch bekommt man dafür auch ein eBike, das immer ein bisschen mehr sein wird als „nur“ ein eBike – ein echter BMW!

Fazit:

Wir waren begeistert vom neuen BMW eBike und dem darin verbauten Bosch-Antrieb. Der Abschied von unserem Testbike fällt wirklich schwer – wie sollen wir denn die steilen Berge in Zukunft ganz ohne elektrische Hilfe meisten?  Kaum vorzustellen…

Hier einige Eindrücke des Bikes bei unserem Praxistest am Bodensee / Fotos: Sebastian Pfister