„Friede sei mit euch!“ | Statement des „Runden Tisches der Religionen“ zum Augsburger Friedensfest

Die Mitglieder des Runden Tisches der Religionen setzten sich mit ihrem Statement für Frieden auf der Welt bei der Friedenstafel beim Augsburger Friedensfest ein.

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Foto: Wolfgang Czech

Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Augsburgerinnen und Augsburger!

Liebe Gäste!

Zu Beginn der Friedenstafel hier auf dem Rathausplatz dürfen wir Ihnen unsere Friedensgrüße überbringen! Wir – das sind die Mitglieder des „Runden Tischs der Religionen“, den die Friedensstadt Augsburg initiiert hat.

Als Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen, die in Augsburg zu Hause sind, stehen wir hier: Muslime, Jesiden, Aleviten, Juden, Buddhisten, und katholische, evangelische und orthodoxe Christen.

Das Hohe Friedensfest, ursprünglich ein Fest der evangelischen Christen, wird seit einigen Jahren ja bewusst unter Beteiligung mehrerer Religionen gefeiert. Das ist gut so!, sagen wir. Denn gerade die Religionen können in ihrem Umgang miteinander ein Vorbild abgeben für den Frieden in der Welt und in der Stadtgesellschaft.

Das sagen ausgerechnet wir Religionsvertreterinnen und -vertreter. Dabei haben doch gerade Religionen immer wieder Unfrieden in die Welt gebracht, auf dem ganzen Globus, auch in Europa, auch in Deutschland, ja auch hier in Augsburg.

Das liegt daran, dass die Beziehung zu Gott nicht verhandelbar ist. Jede und jeder ist überzeugt von der Wahrheit der eigenen Religion. Auch wir am Runden Tisch der Religionen.

Doch gleichzeitig reichen wir den anderen neben uns die Hand, achten ihre und seine Überzeugung, ihre und seine Wahrheit.

Ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen muss möglich sein! Zumal in unserer Zeit und in unserer pluralen Welt. Dafür stehen wir heute hier.

Übrigens: wir haben es keineswegs einfach miteinander.

An unserem runden Tisch erleben wir oft, wie schwierig es ist, einander zuzuhören und einander zu verstehen.

Wir denken und urteilen sehr verschieden. Denn wir sind aufgewachsen in unterschiedlichen Wertesystemen.

Wir stammen aus verschiedenen Ländern, aus verschiedenen Kulturen, bringen ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen mit: unbeschwerte Freiheit auf der einen Seite, aber auch Unterdrückung und Misstrauen auf der anderen Seite.

Und natürlich haben wir ganz verschiedene Meinungen, wenn wir das politische Geschehen auf dieser Welt beobachten und kommentieren. Ein deutscher Pass deckt all diese Differenzen nicht zu.

Trotzdem bemühen wir uns darum, die Geschichte und die Haltung der anderen zu achten. Und gerade auch ihren und seinen Bezug zur Transzendenz.

Dabei gibt es ja durchaus ganz wichtige Punkte, wo wir einig sind.

Nämlich erstens:

Wir glauben – wenn auch jede und jeder auf ihre und seine Weise –, dass diese Welt nicht gottlos ist. Das bedeutet: wir wissen, dass nicht wir der Mittelpunkt der Welt sind. Es gibt da noch eine höhere Macht. Das führt uns zu Demut und zur Ehrfurcht.

Zweitens sind wir uns einig in dem Punkt:

Wir glauben – wenn auch jede und jeder auf ihre und seine Weise –, dass Gott-Suchen zum Frieden führt. Menschen, die Hass, Terror und Schrecken verbreiten, die Leben vernichten und sich dabei auf eine Religion berufen, sind Fanatiker und missbrauchen den Namen Gottes.

Drittens besteht zwischen uns darüber Einigkeit:

Religion – jede Religion auf ihre Weise – bewirkt nicht Unterdrückung, sondern dient der Wertschätzung des Lebens, ja bewirkt Lebensfreude.In der Beziehung zu dem Gott, an den jede und jeder glaubt, finden wir Geborgenheit, Trost und Hoffnung.

Alles dies zusammenfassend grüßen wir Sie nun mit den bedeutungsvollen Worten:

Friede sei mit euch!

Schalom!

Salam aleikum!
(und in allen weiteren Sprachen, die wir am Runden Tisch können)