Führende Ökonomen fürchten Neuauflage der Eurokrise

Die Eurozone steht laut Einschätzung von führenden Ökonomen aufgrund der steigenden Staatsverschuldung infolge der Coronakrise, vor einer neuen Zerreißprobe. „Es besteht das Risiko einer Eurokrise 2.0“, sagte Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der „Welt am Sonntag“. Vor allem die Schuldenlast Italiens bereite Sorgen.

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„Das kann sehr gut eine neue Staatsschuldenkrise wie zwischen 2010 und 2012 auslösen“, sagte Paul de Grauwe, Ökonom an der London School of Economics, der „Welt am Sonntag“. Derzeit stabilisiere die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Ankauf von Staatsanleihen die Märkte. „Die Programme der EZB und die Möglichkeit eines erleichterten Zugangs zum Schutzschirm des ESM geben derzeit Sicherheit, dass Mitgliedstaaten keine Finanzierungsprobleme bekommen“, so Feld. Doch das stoße zunehmend auf Kritik. „Die EZB wird immer mehr zum finanzpolitischen Ausputzer“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, der „Welt am Sonntag“. Damit schläfere sie die Reformbereitschaft der Politiker ein. „Und sie leistet dem Entstehen gefährlicher Blasen an den Immobilienmärkten Vorschub.“ Ökonomen spielten daher zunehmend mit dem Gedanken an einen Schuldenschnitt. Vor allem die Schuldenquote Italiens müsse dringend sinken, sagte Clemens Fuest, Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), der „Welt am Sonntag“. Deshalb spreche viel dafür, dass in einigen Jahren ein Schuldenschnitt kommt. Dieser sei so zu organisieren, dass keine Bankenkrise folge. „Allerdings: irgendjemand muss die Lasten tragen“, sagte Fuest.