Geballte Kompetenz gegen Krebs am Klinikum Augsburg

Die Diagnose Krebs ist für jeden Menschen und dessen Angehörige ein Schock. 224.000 Neuerkrankungen gibt es jedes Jahr in Deutschland. Am Klinikum werden jedes Jahr rund 2500 Patienten mit einem neu diagnostizierten Krebs behandelt. Für sie gibt es ab sofort eine Zentrale Anlaufstelle am Klinikum, in der sie von Ärzten der jeweilig an der spezifischen Krebsbehandlung potentiell beteiligten Fachrichtungen des Interdisziplinären Cancer Centers Augsburg (ICCA) beraten werden können, wenn Patienten oder die Einweiser das wünschen. 

IMG_0880 Geballte Kompetenz gegen Krebs am Klinikum Augsburg Freizeit Gesundheit News | Presse Augsburg

Mit einer Open-house-Veranstaltung stellten sich die Vertreter des ICCA am vergangenen Freitag den Medien und einer breiten Öffentlichkeit vor. Das prall gefüllte Programm mit erlebbarer Medizin, Führungen u.a. durch Pathologie und Laborstraße, Informationen und Vorträgen im Hörsaal zum Thema Krebs stieß auf ein großes Interesse. Auch die Möglichkeit zu individuellen Gesprächen mit den interdisziplinären Ärzteteams wurde vielfach genutzt. 

Die bisher schon sehr gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachabteilungen am Klinikum wird mit dem ICCA nochmals auf eine neue Ebene gestellt. Während Patienten bei Erstdiagnose einer Tumorerkrankung bisher häufig relativ unspezifisch stationär aufgenommen wurden (nicht nur im Klinikum Augsburg, auch an anderen großen Krankenhäusern), können jetzt Krebspatienten über die Zentrale Anlaufstelle des ICCA ins Klinikum eingewiesen werden, wo sie bei seinem ersten Termin von mehreren Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen angeschaut und die Therapiemöglichkeiten beurteilt werden. In enger Kooperation mit den Fachpraxen wird der Patient dann in der für die weitere Behandlung zuständigen Fachabteilung aufgenommen oder vom Einweiser weiterbehandelt. So kann sich der Patient sicher sein, dass alle infrage kommenden Behandlungsansätze für seine spezielle Erkrankung geprüft werden. Denn ähnlich wie bei einem Schachspiel ist auch bei der Krebstherapie ein falscher Eröffnungszug später nicht mehr korrigierbar. 

Bei Hautkrebs im Anfangsstadium zum Beispiel kann eine einfache Operation reichen, wenn zweifelsfrei feststeht, dass der Krebs nicht gestreut, also keine Metastasen gebildet hat. Das ist aber leider nicht bei allen Krebsarten so. Die Heilungschancen sind wesentlich schlechter, wenn man, beispielsweise beim fortgeschrittenen Enddarmkrebs, nur auf eine Operation setzt. Sie verbessern sich signifikant, wenn man die OP mit einer Strahlentherapie verknüpft. Die Chance auf Heilung verbessern sich weiter, wenn man OP und Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert. Dieses „multimodale“ Konzept ist bei zahlreichen Krebserkrankungen sinnvoll. Dabei spielt auch die richtige Reihenfolge der drei Therapieformen eine entscheidende Rolle. Das ICCA befindet sich im Moment noch im stufenweisen Aufbau. Der Anfang ist sehr erfolgversprechend. 

In der Zentralen Anlaufstelle wird jedoch nicht nur der „Fahrplan“ für die Krebstherapie des Patienten festgelegt. Unter stetig weiterem Ausbau des ICCA sollen z.B. Begleitsymptome zukünftig frühzeitig erfasst und angegangen werden: Wie kann man, z.B. auch in Kooperation mit anderen unterstützenden Institutionen, eine Familie unterstützen, in der eine Mutter dreier kleiner Kinder eine Krebsdiagnose erhalten hat? Welche Auswirkungen hat eine solche Diagnose auf die Psyche des jeweiligen Patienten? Was bedeutet Krebs für die weitere Berufstätigkeit eines Menschen? Und ähnliches mehr. Hierfür sind auch weitere Kooperationen des ICCA mit anderen Institutionen wie u. a. der Bayerischen Krebsgesellschaft sehr wichtig. 

Schließlich möchten die Verantwortlichen des ICCA die Zusammenarbeit mit den zuweisenden Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Partnerinstitutionen in Augsburg und der Region zum Wohle der Patienten noch weiter ausbauen, so dass Tumorpatienten in Augsburg und in der Region in einem Netzwerk von Experten über alle Behandlungssektoren hinweg noch optimaler behandelt werden können. (pm)