Gefährdungsbeurteilung im Homeoffice

Gerade in den letzten Monaten hat sich für viele Unternehmer gezeigt, dass sie zukünftig einen gewissen Arbeitsbereich über das Home-Office abwickeln. Einsparungen, ein Höchstmaß an Flexibilität und Autonomie für die Mitarbeiter sind nur einige Gründe. Doch birgt die Arbeit zu Hause auch Risiken für die eigene Gesundheit. Mit einer objektiven Gefährdungsbeurteilung sollen die gängigsten Gefahren aufgedeckt werden, um möglichst nachhaltig und unkomplizierte Lösungen für das Home-Office und alle Mitarbeiter zu entwickeln.

Home Office 5000278 1280
Symbolbild

Die häufigsten Arbeitsformen im Home-Office

Ganz so einfach ist die Definition von Home-Office nicht, denn hier verbinden sich unterschiedliche Arbeitsformen. Der so genannte Telearbeitsplatz ist eigentlich ein fest eingerichteter Arbeitsplatz vor dem Bildschirm in der häuslichen Umgebung, in einem Arbeitszimmer oder in einer Arbeitsecke. Der Unternehmer übernimmt die Verantwortung für die Einrichtung dieses Arbeitsplatzes und erfüllt damit die Grundlagen der Arbeitsstättenverordnung. So sollte im besten Fall der Arbeitsplatz zu Hause ebenso optimal ausgerichtet sein wie im Unternehmen.

Die Vorschriften in der Arbeitsstättenverordnung

Die Arbeitsstättenverordnung ist für die mobile Arbeit nicht zuständig. Dennoch ist es notwendig alle Regeln aus dem Arbeitszeitgesetz und Arbeitsschutzgesetz auf das Home-Office anzuwenden. Aus diesem Grund sind Unternehmer dazu verpflichtet, für die Arbeitsplätze zu Hause oder für die mobile Arbeit ebenfalls eine Gefährdungsbeurteilung anzustellen. Dank der Weiterentwicklung der Gefährdungsbeurteilung Software, ist es möglich, das Home-Office in die Analyse mit einzubeziehen um zielgerichtete Arbeitsschutzmaßnahmen einzuleiten

Die häufigsten Gefahren im Home-Office folgerichtig einschätzen

Wenn die Arbeitnehmer über längere Zeit darauf angewiesen sind, im Home-Office zu arbeiten, gehören die ergonomisch bedingten und günstigen Arbeitsbedingungen zu den größten Gefahren. Daraus können sich muskuläre Verspannungen ebenso bilden die Rückenbeschwerden. Zudem erhöht das Home-Office die Gefahr von Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes. Demnach ist es notwendig, als Arbeitgeber die Gefahren am heimischen Arbeitsplatz zielgerichtet zu ermitteln. Danach können Sie gegebenenfalls Maßnahmen entwickeln und festlegen, um diese Gefahren herabzusetzen. Im besten Fall gilt es die Risiken vollständig aus zu schalten. Es versteht sich von selbst, dass alle Beschäftigten in die Entwicklung von Maßnahmen zum Arbeitsschutz integriert werden müssen, selbst wenn sie sich gerade im privaten Bereich befinden.

Derzeit befindet sich die langfristige Umstrukturierung der Arbeitsplätze in Richtung Home-Office immer noch in der politischen Diskussion. So soll es vonseiten des Bundesarbeitsminister Heils ein Gesetzesentwurf gegeben haben, der die grundlegenden Voraussetzungen und Bedingungen am heimischen Arbeitsplatz definiert und damit den Unternehmen eine Hilfestellung an die Hand gibt. Darüber hinaus gibt es vom Bundesministerium eine Broschüre mit dem Titel arbeiten im Home-Office.

Kommunikation und Arbeitsmittel im Home-Office koordinieren

Zum jetzigen Zeitpunkt orientieren sich die Bedingungen noch nicht an den Vorgaben des Telearbeitsplatzes wie es im Unternehmen der Fall ist. Dennoch haben die Arbeitgebenden die Möglichkeit alle Mitarbeiter im heimischen Büro zu unterstützen. Sie sollten für optimale technische Bedingungen sorgen. Darüber hinaus geht eine klare Regelung der Arbeitspausen, der Arbeitszeiten und der Erreichbarkeit. Die Arbeitgeber stellen dem Arbeitnehmer eine hilfestellende Broschüre oder einen Ratgeber zur Verfügung, wie sie am besten die Arbeitsmittel nutzen und am gesündesten den Arbeitsplatz gestalten.

Die Form der Kommunikation verändert sich, wenn der Mitarbeiter von zu Hause aus arbeitet. Unter dem Home-Office sollte die Kommunikation niemals leiden. So sollten Sie sich nicht immer nur auf ein Medium konzentrieren, sondern verschiedene Kanäle für die Unternehmens interne Kommunikation nutzen, wie die Videokonferenz, der Chat, E-Mail und Telefon. Das ermöglicht die kleinen Kaffeepausen und den Austausch zwischen den Mitarbeitern und bringt ein gewisses Gemeinschaftsgefühl in das ansonsten recht einsame Home-Office.

Wie funktioniert die Führung im Home-Office auf Distanz?

Passen Sie die Führung des Unternehmens an die flexiblen Arbeitsformen im Home-Office an. Hier folgt die indirekte auf die direkte Steuerung. Für die Unternehmer und den Chef stellt das eine enorme Herausforderung dar. Aus diesem Grund sollten die Unternehmen vor allen Dingen die Führungskräfte schulen und ein neues Verständnis von den Anweisungen und den Leitung der Mitarbeiter vermitteln. Grundsätzlich erreichen auch die Team-Mitglieder im Home-Office am besten in der Gruppe die angestrebten Ziele. Es geht also nicht in erster Linie um eine Kontrollfunktion, ob der Mitarbeiter brav vor dem PC sitzt oder gerade seine Wohnung putzt. Die Aufgabe der Führungskräfte zielt auf die Kooperation und Koordination, um gemeinsam die angestrebten Ziele zu erreichen.

Ergonomisch gesunder Arbeitsplatz zu Hause

Multitasking gehört zu den wesentlichen Ablenkungen, die dem Arbeitsfortschritt im Home-Office im Wege stehen. Der Familienalltag spricht oftmals gegen eine Integration eines Büros. Doch sollte jeder Arbeitnehmer sicherstellen, dass er zu bestimmten Zeiten nicht gestört wird. Dauerhaft kann also niemand wirklich in Ruhe am Küchentisch arbeiten. Der Schreibtisch sollte ausreichend Beinfreiheit mitbringen, um locker und gerade in einer ergonomisch gesunden Sitzposition vor dem PC Platz zu nehmen. Ebenso wichtig sind die Auswahl des Stuhls und die Höhe des Arbeitstisches. Regelmäßige Pausen, unterschiedliche Sitzpositionen, Arbeiten im Sitzen und im Stehen sowie ein paar kleine Bewegungseinheiten wirken den gängigsten Verspannungen und Schmerzen entgegen.

Was mache ich, wenn ein Unfall im Home-Office passiert?

Passiert zu Hause im Home-Office ein Unfall in Verbindung mit der versicherten Tätigkeit, handelt es sich um einen Arbeitsunfall. Es greift der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Bestimmend ist also nicht der Ort, an dem sich der Unfall ereignet hat, sondern ob der Unfall im Zusammenhang mit der unternehmerischen Tätigkeit stand. Das hat das Bundessozialgericht als Handlungstendenz vorgegeben. Die Tätigkeit zielt also darauf ab, den betrieblichen Interessen zu dienen und hat im Endeffekt zum Unfall geführt. 

Natürlich ist die Abgrenzung von unversicherter und versicherter Tätigkeit gerade im Home-Office nicht einfach. Hier entscheiden oftmals die Einzelfälle mit ihren individuellen Faktoren. Grundsätzlich ergeben sich durch das Home-Office viele neue Potenziale für Unternehmer, doch die Arbeitsschutzmaßnahmen, die ergonomisch korrekte Einrichtung des Arbeitsumfeldes ist ebenso bedeutsam für den unternehmerischen Erfolg wie die Absicherung der einzelnen Mitarbeiter und die Kommunikation und gezielte Führung des gesamten Teams. (pm)