„Geistvergessenheit ist Gottvergessenheit“: Pfingstgottesdienst mit Augsburgs ernanntem Bischof Bertram

Der Apostolische Administrator und ernannte Bischof von Augsburg Dr. Bertram Meier hat auf die anhaltende Bedeutung von Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes für die Kirche hingewiesen. „Wir würden Pfingsten nicht feiern, wenn es nur Vergangenheit wäre“, stellte er heute während seiner Predigt im Hohen Dom fest.2020-01-29-Bischofsernennung-47-von-49.jpeg „Geistvergessenheit ist Gottvergessenheit“: Pfingstgottesdienst mit Augsburgs ernanntem Bischof Bertram Augsburg Stadt Kunst & Kultur News Newsletter | Presse Augsburg

„Ich könnte mir denken, dass auch manchem von uns gerade heuer in Coronazeiten das verhaltene Pfingsten näher steht als das laute Sturmesbrausen“, sagte der ernannte Bischof im Hinblick auf die Pfingsterzählung des Johannesevangeliums, die sich deutlich „verhaltener, unauffälliger, leiser“ abspiele als das spektakuläre Pfingsten beim Evangelisten Lukas. Hier sei Jesu Gruß an die Apostel der entscheidende Punkt: „Shalom – Der Friede sei mit euch“. Nicht nur habe Christus damit seinen Jüngern signalisiert, dass die Zeit der Furcht und des Unfriedens vorbei sei; gleichzeitig sei dieser Gruß eine Absolution gewesen: Obwohl die Apostel ihn in seinem Leid allein gelassen hätten, vergebe Jesus ihnen und spende ihnen seinen Segnen – mehr noch, er lege seinen Heiligen Geist als Hauch in sie hinein und sende sie in die Welt hinaus.

„Ein Hauch ist etwas sehr Leises, Unaufdringliches, fast nicht zu hören. Auf das Leise im Leben hören müssen auch wir wieder lernen, die wir uns so an das Laute gewöhnt haben“, sagte der ernannte Bischof. Schon Elia habe im Alten Testament die Erfahrung machen müssen, dass Gott eher im „sanften Säuseln“ als in gewaltigen Stürmen und mächtigen Erdbeben zu hören sei – Gottes Wort als „Stimme eines verschwebenden Schweigens“, zitierte der Bischof den jüdischen Philosophen Martin Buber.

Bischof Bertram macht im Friedensgruß Jesu schließlich noch eine weitere, tiefere Bedeutungsebene aus. Mit Jesu Worten „Allen, denen ihr die Sünden erlasst, sind sie erlassen; allen, denen ihr sie nicht erlasst, sind sie nicht erlassen“ werde klar, dass dieser Frieden nicht nur den Aposteln selber zuteilwerde, sondern von ihnen in die Welt und zu den Menschen getragen werden solle. Die Kirche bewahre diesen urchristlichen Friedensauftrag weiterhin im Sakrament der Beichte auf. Niemand müsse sich davor fürchten: „Wenn sich der Priester in dieser äußerst sensiblen Situation demütig als Stimme des menschgewordenen Wortes sieht, kann er wahrhaft zur Schale werden, die die überfließende Gnade Gottes weitergibt“, stellte Bischof Bertram fest.

Jesu Gruß an die Apostel führe aber auch zu der Frage, wie ernst die Gabe des Heiligen Geistes heute noch genommen werde. „Geistvergessenheit kann auch ein Zeichen sein für Gottvergessenheit, ja Gottlosigkeit. Geistvergessenheit im kirchlichen Leben hat fatale Wirkungen: sie ist menschliche Hybris, Selbstüberschätzung, Größenwahn“, sagte der ernannte Bischof. Der Friedensauftrag Christi gelte auch innerkirchlich: „Babel lässt grüßen, nach dem Motto: ,Wir schaffen es – allein. Wir reformieren – allein.‘ Oder das andere Extrem: ,Das haben wir schon immer so gemacht. Veränderungen nur über meine Leiche!‘ Wer so denkt, braucht keinen Heiligen Geist, auch wenn er in salbungsvollen Worten vom Heiligen Geist redet und predigt.“

Man müsse der Fantasie des Heiligen Geistes Gelegenheit und Raum zur Entfaltung geben – auch und gerade in den Niederungen des alltäglichen Lebens, erklärte Bischof Bertram. „Gottes Geist treibt uns zur Zeugenschaft. Sonst bleibt alles tönernes Erz, geistlose Betriebsamkeit“, stellte er fest und schloss seine Predigt mit einem Gebet ab: „Komm, Heiliger Geist, und sprich zu uns: Der Friede sei mit euch. Amen.“