In Behörden in Bayern ist die Gendersprache mit Sonderzeichen zur Geschlechterumschreibung unzulässig. Der Ministerrat hat heute auf Vorschlag von Innenminister Joachim Herrmann eine entsprechende Änderung der Allgemeinen Geschäftsordnung für die Behörden des Freistaates Bayern (AGO) beschlossen.

Herrmann: „Die AGO verpflichtet die staatlichen Behörden bereits jetzt, die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung im dienstlichen Schriftverkehr anzuwenden.“ Diese Regelung wurde nun nochmals durch eine Anpassung der AGO klarstellend ergänzt: „Mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap oder Mediopunkt sind nun ausdrücklich unzulässig“, so Herrmann. Das gelte unabhängig von etwaigen künftigen Entscheidungen des Rates für deutsche Rechtschreibung zu der Frage der Verwendung von Sonderzeichen.
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Verwendung von Sonderzeichen im Wortinneren zuletzt mit Beschluss vom 15. Dezember des vergangenen Jahres nicht empfohlen und darauf hingewiesen, dass es sich um Eingriffe in Wortbildung, Grammatik und Orthografie handelt, die die Verständlichkeit von Texten beeinträchtigen können. Herrmann: „Daran orientieren wir uns. Rechts- und Verwaltungsvorschriften sollen so formuliert werden, dass sie jedes Geschlecht in gleicher Weise ansprechen, etwa durch Paarformeln oder geschlechtsneutrale Formulierungen. Dabei ist jedoch jede sprachliche Künstlichkeit oder spracherzieherische Tendenz zu vermeiden.“
SPD-Abgeordnete kritisiert den Beschluss
Anna Rasehorn, SPD-Abgeordnete aus Augsburg kritisiert hingegen den Beschluss: “Statt Antworten auf die Krisen und Probleme unserer Zeit zu geben, kündigte Markus Söder bereits in seiner ersten Regierungserklärung an, lieber das Gendern an Schulen und der Verwaltung zu verbieten. Nun hat die Staatsregierung eine entsprechende Verordnung erlassen. Das ist absoluter Wahnsinn und zudem auch ganz schön scheinheilig. Denn gleichzeitig propagiert die CSU ‘Leben und leben lassen’ als ihr Credo. Entgegen vielen Behauptungen aus den Reihen von CSU und FW fordert auch die SPD keinen Genderzwang, im Gegenteil: Jede:r kann sprechen und schreiben, wie sie:er möchte. Klar ist aber natürlich auch: Sprache schafft Vielfalt und beeinflusst das Denken.
Gerade im Frauenmonat März machen wir uns überall bewusst, dass wir noch einen weiten Weg bis zur Gleichstellung haben. Bayern hat seinen Weg nun um einige Kilometer verlängert. Statt den Gender-Pay-Gap zu überwinden, Sorgearbeit gerecht zu verteilen und als Arbeit anzuerkennen oder für ausreichend Kita-Plätze mit gut ausgestattetem Personal zu sorgen, streicht man lieber die Hälfte der Bevölkerung aus dem Sprachgebrauch und schneidet die Redefreiheit ein. Sieht so eine moderne, vorwärts gewandte Politik aus?”

