Am Mittwoch begann vor dem Augsburger Landgericht der sogenannte „Goldfinger“-Prozess. Durch fragwürdige Edelmetall-Geschäfte sollen wohlhabende Menschen insgesamt über Milliarde Euro an Steuern hinterzogen haben. Zwei Münchner Anwälte, die dabei geholfen haben sollen, sitzen nun in Augsburg auf der Anklagebank.

2019-11-13-Goldfinger-Proz-7-von-25.jpg "Goldfinger"-Prozess in Augsburg | Wurden durch fragwürdige Edelmetall-Geschäfte Steuern in Höhe von einer Milliarde Euro hinterzogen? Augsburg Stadt Bildergalerien News Newsletter Polizei & Co Augsburg Goldfinger Landgericht Augsburg Steuerhinterziehung | Presse Augsburg
Foto: Wolfgang Czech

Es wird ein Mammut Prozess. Es gibt Vermutungen, dass er sich bis in die dreißiger Jahre ziehen könnte. Bis jeder Fall aufgearbeitet wird – das zieht sich. Und es sind viele Fälle.

Seit Mittwoch müssen sich zwei Rechstanwälte aus München vor dem Augsburger Landgericht wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verantworten. Auf insgesamt mehr als eine Milliarde Euro wird der Schaden an der Staatskasse geschätzt, den die beiden Angeklagten mit anderen Personen gemeinsam verursacht haben sollen. So geht es aus den beiden Anklagesätze hervor, die von Staatsanwältin Schauer und Staatsanwalt Dr.Weinkamp in fast zwei Stunden in schnellstem Tempo vorgelesen wurden.

Antrag auf Einstellung des Verfahrens abgelehnt

Frau Dr. Wild, die Rechtsanwältin des Angeklagten G., wollte gar einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellen, weil die Anklageschrift zu wenig konkretisiert sei. Und einen ermittelnden Beamten der Steuerfahndung wollte sie wegen Befangenheit nicht dabei haben. Der Antrag wurde auch von Rechtsanwalt Dr. Beyer, der den zweiten Angeklagten H. vertritt, unterstützt.  Mehrfach wurde die Verhandlung vom Vorsitzenden zur Beratung unterbrochen. Die Anträge wurden abgelehnt.

Darum geht es im Prozess

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie mit weiteren Helfern gemeinsam vorgestäuscht hätten, eine Firma für den Edelmetall-Handel in Großbritannien zu betreiben. Das einzige Ziel des vermeintlichen Handels soll es gewesen sein, die Steuerschuld wohlhabender Menschen in Deutschland zu minimieren. Neben den beiden aktuell angeklagten sind im „Goldfinger“-Prozess bisher weitere 18 Personen angeklagt. Neben Anlegern müssen sich auch Steuerberater, und eben auch Rechtsanwälte, verantworten. Das Verfahren gegen die beiden Münchner Anwälte wurde vom Hauptprozess abgetrennt,  weshalb sie sich bereits jetzt verantworten müssen.

„Goldfinger“ wird sich ziehen. Insgesamt sind 78 Verhandlungstage angesetzt, die voraussichtlich letzte Verhandlung für diesen Prozess ist erstmal für den 27.1.2021 festgelegt.

Alle Fotos: Wolfgang Czech