Bei Ausgrabungen im Stadtteil Oberhausen unter der Aufsicht der Stadtarchäologie Augsburg wurde der größte römische Silberschatz entdeckt, der jemals im heutigen Bayern gefunden wurde.

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OB Eva Weber (rechts) und Referent Jürgen Emminger bestaunen den Silberschatz | Foto: Wolfgang Czech

Er umfasst knapp 5600 Silbermünzen, sogenannte Denare, aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. und wiegt etwa 15 Kilogramm. In einer Pressekonferenz präsentierte die Stadtarchäologie heute in Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Eva Weber und Kulturreferent Jürgen K. Enninger den spektakulären Fund erstmals öffentlich.

Von Wertach-Hochwasser aus Versteck gespült

Die Silbermünzen wurden unweit der Fundstelle des frühesten römischen Stützpunkts in Bayern, ebenfalls im Kies eines alten Wertach-Flussbetts entdeckt. Dort war das Areal eines künftigen Wohngebietes archäologisch untersucht worden. Ein Behältnis konnte nicht mehr festgestellt werden. „Wir gehen davon aus, dass der Schatz im frühen 3. Jahrhundert außerhalb der Stadt Augusta Vindelicum nahe der dort verlaufenden Via Claudia vergraben und nicht wieder geborgen wurde. Das Versteck wurde wohl viele Jahrhunderte später durch ein Wertach-Hochwasser weggespült und die Münzen damit im Flusskies verstreut“, erläutert Sebastian Gairhos, Leiter der Stadtarchäologie Augsburg. „Ein einfacher Soldat verdiente im frühen 3. Jh. zwischen 375 und 500 Denare. Der Schatz hat demnach den Gegenwert von etwa 11 bis 15 Jahresgehältern.“

Münzen aus Zeitraum des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr.

Die ältesten Münzen wurden unter Kaiser Nero (54-68 n. Chr.) geprägt, die jüngsten unter Septimius Severus kurz nach 200 n. Chr. Besonders häufig sind Prägungen der Kaiser Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Mark Aurel vertreten. Seltene Stücke stammen etwa von Didius Iulianus, der im Jahr 193 bereits nach nur zwei Monaten Regierungszeit ermordet worden war.

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Foto: Wolfgang Czech

Wissenschaftliche Auswertung an Universität Tübingen

Die wissenschaftliche Auswertung des Schatzes erfolgt im Rahmen einer Dissertation an der Universität Tübingen bei Professor Stefan Krmnicek. Dabei werden auch Aussagen zum Münzumlauf im frühen 3. Jh. sowie zu den möglichen ehemaligen Besitzenden und den Umständen der Verbergung erwartet.

OB Eva Weber: Augsburgs reiche Geschichte jetzt noch reicher

Oberbürgermeisterin Eva Weber freut sich über den Fund: „Augsburgs reiche Geschichte ist jetzt noch reicher geworden. Wieder einmal wird die Bedeutung Augsburgs bereits in römischer Zeit überdeutlich. Wir danken dem Eigentümer des Schatzes, dem Augsburger Unternehmen Solidas GmbH, für die großzügige Überlassung an die Kunstsammlungen und Museen Augsburg“.

Kulturreferent: Präsentation im Römerlager geplant

„Zum Jahreswechsel werden wir Teile des Silberschatzes und auch die bereits im Juni dieses Jahres vorgestellten Funde aus Oberhausen im Römerlager des Zeughauses präsentieren. Alle Interessierten können sich so selbst ein Bild von den spektakulären Funden aus der Augsburger Römerzeit machen“, so Kulturreferent Jürgen K. Enninger. Die Laufzeit der kleinen Präsentation ist vom 17. Dezember 2021 bis zum 9. Januar 2022 geplant.

Hintergrund: Römerstadt Augsburg Funde von Oberhausen

Augsburg blickt auf eine über 2000-jährige Stadtgeschichte zurück. Nach bisheriger Sachlage ließen die Römer bereits in den Jahren zwischen 8 und 5 vor Christus unter Kaiser Augustus ein Militärlager im neu eroberten Alpenvorland im heutigen Stadtteil Oberhausen errichten. Zahlreiche Neufunde, welche die Stadtarchäologie im Juni dieses Jahres präsentierte, scheinen diese Frühdatierung zu bestätigen und charakterisieren Augsburg als ältesten römischen Stützpunkt in Bayern.

Archäologische Untersuchung eines Baugebietes

Die neuen Funde wurden bei der archäologischen Untersuchung eines künftigen Wohngebiets im Augsburger Stadtteil Oberhausen entdeckt. Sie lagen in einem römerzeitlichen Flussbett der Wertach, die um 1900 begradigt worden war. Mehrere 1.000 Kubikmeter Kies wurden durchsucht und förderten Waffen, Werkzeuge, Geräte, Schmuck, über 800 Münzen, Geschirr, Transportgefäße und vieles mehr zu Tage. Die geborgenen Fragmente und Artefakte mit einem Gesamtgewicht von über 400 Kilogramm stammen alle aus dem Militärstützpunkt, der im 1. Jahrzehnt vor Christi Geburt eingerichtet wurde. Die Funde sind teilweise stark korrodiert und bis zur Unkenntlichkeit verkrustet. Die Konservierung, Freilegung und wissenschaftliche Bearbeitung steht noch bevor.

Funde erlauben neue wissenschaftliche Aussagen

Bereits im Jahr 1913 stieß man bei der Kiesgewinnung auf dem Gelände in Oberhausen auf römische Funde, die in die Zeit kurz nach Eroberung des Alpenvorlandes (15 v. Chr.) datiert werden konnten. Damals unterblieb jedoch eine archäologische Dokumentation der Fundkontexte, so dass später zahlreiche Zweifel aufkamen und der Fundplatz die unterschiedlichsten Interpretationen erfuhr. „Die neuen Funde erlauben bei ihrer wissenschaftlichen Analyse nun zahlreiche neue Aussagen – nicht nur zur Funktion des Platzes, zur Herkunft und Zusammensetzung der Truppe und der Zivilisten, sowie zur Nachschublogistik – sondern vor allem auch zu seiner Datierung“, erklärt der Leiter der Stadtarchäologie, Dr. Sebastian Gairhos.

Frühdatierung des Stützpunkts auf 8 bis 5 vor Christus

Die neuentdeckten Objekte – chronologisch aussagekräftig sind vor allem Münzen und Importkeramik – scheinen die Frühdatierung des Stützpunkts im heutigen Oberhausen auf die Jahre zwischen 8 und 5 vor Christus zu bestätigen. Neben der militärischen Sicherung bestand die Aufgabe der Truppe im Aufbau der Infrastruktur. Gegen Ende der Regierungszeit des Kaisers Augustus (ca. 10 n. Chr.) wurde der Platz durch ein Militärlager für ca. 3000 Soldaten in der Augsburger Altstadt beim Stephansgarten ersetzt. Aus der schnell wachsenden Zivilsiedlung außerhalb des Lagers entwickelte sich die Siedlung Augusta Vindelicum, im Mittelalter Augustburch und schließlich die Stadt Augsburg, die immer noch den Namen des Kaisers trug, unter dem in Oberhausen der erste Stützpunkt eingerichtet wurde.