Grüne Richtungsdebatte: Jetzt mischt sich Trittin ein

Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) rät seiner Partei auf der Suche nach neuer Stärke zu Geduld und Konzentration auf ihren Markenkern.

Jürgen Trittin (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

„Ein Wechsel aus der Regierung in die Opposition braucht Zeit. Das haben wir auch 2005 erfahren – und dann 2009 das damals beste Ergebnis in der Geschichte der Grünen erzielt“, sagte Trittin der „Welt“ (Samstagausgabe) mit Blick auf das erste Oppositionsjahr seiner Partei nach der verlorenen Bundestagswahl.

„Grüne müssen sich auf ihren Markenkern konzentrieren. Sie stehen für soziale und ökologische Erneuerung. Die Weltlage spielt ihnen dabei in die Karten. Deutschland muss sich aus der Abhängigkeit von Putins Öl und Gas befreien, ohne vom Gas der USA abhängig zu werden. Nach Trumps Kampfansage an Europa in der Nationalen Sicherheitsstrategie muss die EU militärisch wie energiepolitisch souveräner werden. Für beides stehen glaubwürdig nur die Grünen“, so Trittin.

Die Vorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Katharina Schulze, sieht in mehr Bürgernähe einen Schlüssel zu künftigen Wahlerfolgen. „Pragmatisch, verlässlich und nah am Leben der Menschen“, müsse sich ihre Partei positionieren. Angesichts der handfesten Wirtschaftskrise müsse die Partei „den Menschen das Gefühl zurückgeben, dass Politik auf ihrer Seite steht und Probleme ernsthaft angeht“.

Mittel zum Zweck ist für Schulze unter anderem ein Imagewandel, dem sich zumindest die bayrischen Grünen aus ihrer Sicht bereits unterzogen haben. „Mehr vom guten Leben statt Verzicht. Mehr davon, was wir alle täglich brauchen. Mehr Wachstum dort, wo es wirklich wichtig ist. Das ist mir wichtig, das ist uns wichtig“, sagte Schulze.

Auch Niedersachsens grüne Kultusministerin Julia Hamburg kündigte an, dass ihre Partei sich mehr als bisher auch um andere Milieus kümmern wolle als die eigene Kernklientel. Bei einer „Zuhörkampagne“ ihres Landesverbandes wolle die Partei „sehr gezielt an die Orte gehen, an denen wir bisher nicht so intensiv wahrgenommen wurden; zu Industriebetrieben wie den großen Stahlwerken hier in Niedersachsen, aber auch in die Regionen, in denen wir bisher nicht besonders stark vertreten sind.“

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