Häftling greift Aufseher mit provisorischem Messer an – Muss er in eine geschlossene Anstalt?

Am kommenden Dienstag beginnt vor dem Landgericht Memmingen die Verhandlung gegen einen 22-jährigen, ledigen Gefangenen der JVA Memmingen. Er soll im Gefängnis Vollzugsbeamten und Mithäftlinge mit einem provisorischen Messer angegriffen haben.justitia-421805_1280 Häftling greift Aufseher mit provisorischem Messer an - Muss er in eine geschlossene Anstalt? News Polizei & Co Unterallgäu Häftling JVA Memmingen Prozess | Presse Augsburg

Am 08.08.2017 um 8.30 Uhr – mit Fortsetzungsterminen am 09.08. und am 10.08.2017, ebenfalls jeweils um 8.30 Uhr – beginnt vor dem Landgericht Memmingen ein Sicherungsverfahren gegen einen 22-jährigen, ledigen Gefangenen der JVA Memmingen. Ihm wird folgender Sachverhalt zur Last gelegt.

Der Beschuldigte, der sich seit dem Spätsommer 2016 in der JVA Memmingen in Untersuchungshaft befand, begann am Nachmittag des 27.11.2016 während der Essensausgabe zu randalieren. Er hatte sich aus einem Einwegrasierer die Klinge ausgebaut und hatte den Griffbereich mit Toilettenpapier umwickelt. Auf diese Weise hatte er sich ein provisorisches Messer verschafft.

Zunächst gelang es den Vollzugsbeamten und Mithäftlingen, die sich in dem entsprechenden Zellengang befunden hatten, sich trotz der Angriffe des Beschuldigten noch ohne schwerwiegende Verletzungen zurückzuziehen.

In der Folge versuchten dann drei Vollzugsbeamte, den Beschuldigten unter ihre Kontrolle zu bekommen. Trotz des Einsatzes von Mitteln zur Eigensicherung gelang es dem Beschuldigten aber, mit seinem provisorischen Messer einem der Vollzugsbeamten schwere Schnittverletzungen im Hals- und Gesichtsbereich beizubringen. Erst durch das Eingreifen weiterer Personen konnte der Beschuldigte dann endgültig unter Kontrolle gebracht werden.

Bei einer einige Tage später durchgeführten Vorführung kam es zu weiteren Widerstandshandlungen des Beschuldigten.

Muss der Angeklagte in eine geschlossene Anstalt?

Der Beschuldigte leidet unter einer paranoiden Schizophrenie und ist mutmaßlich schuldunfähig. Gegen ihn wird deshalb ein Sicherungsverfahren mit dem Ziel der Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt durchgeführt.

Für die 3-tägige Verhandlung sind 26 Zeugen und 2 Sachverständige geladen.