Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat vor einer massiven Insolvenzwelle bei kleinen und mittleren Unternehmen gewarnt und die Bundesregierung zur sofortigen Hilfe für die Betriebe aufgerufen. „Im Handwerk rollt auf uns wegen der Energiekrise eine Insolvenz-Welle zu“, sagte Wollseifer der „Rheinischen Post“ (Donnerstagsausgabe).

„Jeden Tag erreichen uns Notrufe von Betrieben, die kurz davor sind, ihre Produktion einzustellen, weil sie die enorm gestiegenen Energierechnungen nicht mehr bezahlen können.“ Die Betriebe könnten die hohen Energiepreissteigerungen nicht mehr durch Preiserhöhungen kompensieren und an die Kunden weitergeben. „Und Traditionsbetriebe – teils in vierter Generation geführt – gehen gerade reihenweise pleite.“ Das seien Bäckereien, Galvaniseure, Textilreiniger, Kfz-Werkstätten, Fleischereien, Brauereien, sagte der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH).

„Da sind zigtausende Arbeits- und Ausbildungsplätze in Gefahr. Jeder Tag zählt. Diese Dynamik, die habe ich noch nie erlebt. Das ist viel schlimmer als in den Hochphasen der Corona-Pandemie.“

Sein Eindruck sei jedoch, dass die Bundesregierung noch gar nicht auf dem Schirm habe, was sich da gerade zusammenbraue. „Wenn in einigen Branchen flächendeckend Betriebe wegbrechen, dann wird das neben den Arbeitsplatzverlusten auch dazu führen, dass es zu Versorgungsengpässen kommen kann“, warnte er. Wollseifer reagierte damit auch auf Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vom Dienstagabend in der Sendung „Maischberger“. Darin hatte Habeck erklärt, er sehe keine Insolvenzwelle auf Deutschland zukommen.

„Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung hat die schlimme Lage zahlreicher Handwerksbetriebe nicht im Blick und lässt vor allem den Zeitfaktor völlig außer Acht“, kritisierte Wollseifer. „Die Betriebe sind jetzt in akuter Not, weshalb ihnen zeitverzögerte Hilfen nichts nutzen. Es mangelt an zielgenauen und vor allem schnellen Hilfen.“ Vieles, was den Betrieben in Aussicht gestellt werde, werde seine Wirkung erst auf längere Sicht entfalten.

„Die Zeit haben wir aber nicht mehr. Dann kann es längst zu spät sein.“ Um eine Insolvenzwelle im Handwerk zu verhindern, müsse der Staat besonders betroffene, energieintensive Betriebe direkt mit Härtefallhilfen unterstützen, forderte Wollseifer. „Und wir brauchen eine Energiekostenabfederung für kleine und mittlere Betriebe. Hier werden bei Beibehaltung des Preismechanismus die Gaskosten und ihr Anstieg bereits auf der Ebene der Großhandelspreise abgebremst – und damit schon bevor sie ins Marktsystem und die Netze eingespeist werden. Flankierend muss die Bundesregierung die Energiesteuern auf die europarechtlich zulässigen Mindeststeuersätze senken.“

Foto: Amtsgericht, über dts Nachrichtenagentur

Handwerkspraesident Warnt Vor Insolvenzwelle