Hans-Werner Sinn rät zu Quarantäne-Regeln nach südkoreanischem Vorbild

Der ehemalige Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, hat der Bundesregierung eine Quarantäne-Politik nach dem Vorbild Südkoreas empfohlen. Dann hätte man sowohl mehr medizinische Erfolge als auch weniger wirtschaftliche Einbußen, sagte Sinn der „Welt“ (Samstagsausgabe). „Die Koreaner setzen viel stärker auf individuelle Überwachung. Sie haben eine riesige Testmaschinerie aufgebaut, um die medizinischen Brandherde zu finden und gezielt in Quarantäne zu bringen“, so der ehemalige Ifo-Chef weiter.

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Zugleich würden in Südkorea die Kontakte der infizierten Menschen überwacht, um die Verbreitung des Virus gezielt zu unterbinden. „Wer infiziert ist, hat in Korea nur die Wahl, in eine harte Quarantäne zu gehen oder aber sich umfassend kontrollieren zu lassen“, sagte Sinn.

Dieses Vorgehen sei für die Wirtschaft „weitaus weniger einschneidend als unser Vorgehen in Deutschland.“ Die deutsche Methode könnte zwar leidlich funktionieren, sei aber verbesserungsfähig. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Stützung der kriselnden Wirtschaft hält der Wirtschaftsforscher für angemessen. Es sei richtig, „jetzt eine Rettungspolitik zu betreiben, um zu verhindern, dass gesunde Unternehmen und Branchen kaputtgehen, weil die Politik ihnen vernünftigerweise Quarantäne verordnet hat“, so der frühere Ifo-Chef.

Klar sei aber: „Der Staat kann nicht das Sozialprodukt ersetzen, das jetzt als Folge der medizinisch nötigen Schritte wegbricht“, sagte Sinn der „Welt“. Für den Herbst erwartet er eine Zuspitzung der Krise: „Weil die Virologen für den Herbst wieder steigende Fallzahlen befürchten. Dann käme es erneut zu gravierenden Einschränkungen“, so der ehemalige Ifo-Chef. „Das würde den Staat an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen, weil er schon zuvor so viel Geld ausgegeben hat“, so der Wirtschaftsforscher weiter.