Herber Rückschlag in der Kaderplanung | Weitere wichtige Spieler verlassen den Basketballmeister Ulm

Yago dos Santos und Josh Hawley werden nach dem Sommer nicht an den OrangeCampus zurückkehren. Beide Spieler haben von ihren Ausstiegsoptionen Gebrauch gemacht und ihre Verträge vorzeitig beendet.Ratiopharm Ulm Logo

Nicht ganz überraschend, deshalb aber kein bisschen weniger schmerzlich, ist für der Abgang unseres brasilianischen Aufbauspielers. Dos Santos war eigentlich mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet, nutzt aber nun nach der erfolgreichen Meistersaison, seine Option auf einen vorzeitigen Ausstieg. Der brasilianische Wirbelwind der Ulmer hatte haufenweise Angebote aus dem Ausland erhalten, mit finanziellen Offerten, die das Gehalt bei ratiopharm ulm um ein Vielfaches übersteigen. „Gerade auch wenn ein Spieler die Chance hat in die NBA oder die Euroleague zu wechseln, kann man das auch sportlich etwas nachvollziehen, auch wenn man selbst fest davon überzeugt ist, dass für die sportliche Entwicklung ein weiteres Jahr im Eurocup sinnvoll gewesen wäre“, so Dr. Thomas Stoll, Geschäftsführer von ratiopharm ulm.

Großer Karriereschritt für den kleinen Brasilianer

Für Finals-MVP Yago Dos Santos war ratiopharm ulm die erste Karrierestation außerhalb seines Heimatlandes Brasiliens. Yago war erst eine Woche vor Saisonstart zum Team von Anton Gavel gestoßen. Ohne Vorbereitung mit seinem neuen Team gestaltete sich die Anfangsphase der Spielzeit für ihn, wie er selbst sagte, als “schwere Zeit”. Am Ende unserer historischen Saison stand nicht nur der Titel, sondern auch, dass Yago in allen 66 Spielen in BBL, EuroCup und Pokal in der Starting Five stand und wettbewerbsübergreifend 944 Punkte mit einer Dreierquote von 39,1 Prozent erzielte. Gemeinsam mit Nationalmannschafts-Kumpel Bruno sorgte er auch immer wieder für Samba-Momente auf und neben dem Spielfeld, Sportdirektor Thorsten Leibenath zum Wechsel: „Wir freuen uns sehr für Yago, dass er sich gleich in seiner ersten Saison in Europa so durchsetzen konnte und sind gespannt, wie er sich nun in der Euroleague schlagen wird. Dass es schwer werden würde, den Finals-MVP halten zu können, war zu erwarten. Yago hat uns mit seiner Spielweise verzaubert. Wir hätten uns gerne noch länger an seiner erfrischenden Spielweise erfreut, drücken ihm aber gleichzeitig kräftig die Daumen für seine neue Herausforderung.“

Auch Josh Hawley verlässt das Meisterteam  

Recht unerwartet traf die Ulmer, im Gegensatz zu Yagos Abgang, dass auch Josh Hawley seine Ausstiegsoption gezogen hat. Hawleys Vertrag war eigentlich auch für die kommende Saison gültig. Allerdings war sein neuer Verein in der Lage dazu, nicht nur die Ablösesumme, sondern auch eine erhebliche Gehaltserhöhung anzubieten. Der 26-jährige Texaner hatte sich – wie auch Yago – im Saisonverlauf immer weiter steigern können. Mit beeindruckender Athletik, außergewöhnlicher Sprungkraft und unermüdlicher Energie sorgte er für zahlreiche Highlightplays. Dazu zog er vielen Gegenspielern mit seiner zähen Defense den Zahn, gerade auch in den Playoffs. Ulm hatte den Modellathleten in der rumänischen Liga entdeckt, wo der Division 2 College-Spieler über den Umweg Georgien gelandet war, Thorsten Leibenath: „Josh Hawley hatten vor der Saison nur die wenigsten auf dem Schirm. Er hat sich während der Saison kontinuierlich verbessert und in den Playoffs richtig starke Leistungen abgeliefert. Unvergessen bleiben seine Dunkings, die oftmals mehr als zwei Punkte wert waren. Auch für ihn freuen wir uns, dass er aus dem Erfolg nun auch wirtschaftlich Kapital schlagen kann.“

Financial Unfairplay

Frustriert angesichts beider Abgänge ist vor allem auch ratiopharm ulm Geschäftsführer Andreas Oettel: „Leider besteht für uns Clubs hier in Deutschland ein massiver Wettbewerbsnachteil. In Ländern wie z.B. Italien, Frankreich oder der Türkei nutzen die Vereine spezielle Steuertarife für die Bezahlung der Profi-Sportler. Das führt dazu, dass unsere Konkurrenten mit weniger finanziellem Aufwand unsere Spieler sehr viel besser bezahlen können. Dabei sitzen wir im selben Boot mit etwa Bonn oder Berlin, die auch viele ihrer Leistungsträger so ans europäische Ausland verlieren. Da wir mit diesen ausländischen Clubs im internationalen Wettbewerb sportlich auf einer Ebene konkurrieren, sollten eigentlich im Sinne des „Financial Fairplay“ auch einigermaßen vergleichbare finanzielle Rahmenbedingungen in Europa gegeben sein.“

Auch angesichts der beiden Abgänge bleibt Sportdirektor Thorsten Leibenath zuversichtlich, ein schlagkräftiges Team zusammenstellen zu können: „Im Frühjahr waren wir sehr optimistisch, dass die Mehrzahl unserer Importspieler auch in der kommenden Saison für uns auflaufen wird. Gleichzeitig hätten wir nicht zu träumen gewagt, dass wir in den Playoffs zwei Euroleague-Teams und den BCL-Sieger besiegen würden. Wir akzeptieren daher, dass mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft die Vorhersagen nicht mehr zu halten sind. Umso froher sind wir, dass alle deutschen Profis aus der Meistermannschaft auch in Saison 23/24 wieder für uns an den Start gehen werden.“