Die Rufe nach Nachhaltigkeit sind auch in der Medizin längst angekommen. Und weil sich das Universitätsklinikum Augsburg (UKA) den Schutz der Umwelt und Ressourcen ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hat, hat heute, am 24. Mai, deutschlandweit die erste Endoskopie mit einem speziellen Einweg-Endoskop in Augsburg stattgefunden, vergangene Woche europaweit in Rotterdam/Niederlande. Spätestens jetzt reibt man sich verwundert die Augen: Einweg und nachhaltig? „Ja“, bestätigt Prof. Dr. Helmut Messmann, Direktor der III. Medizinischen Klinik, „Einweg-Endoskope könnten in dem Fall sehr viel umweltschonender sein. Was aber für uns noch wichtiger ist: Sie erhöhen die Patientensicherheit um ein Vielfaches.“

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Dr. Alanna Ebigbo bei der Untersuchung im oberen Verdauungstrakt mit dem Einweg-Endoskop. Bilder: Ines Lehmann

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Hergestellt werden die Einweg-Endoskope von der dänischen Firma Ambu mit einer Dependence im Augsburger Innovationspark. Dr. Alanna Ebigbo, Oberarzt an der III. Medizinischen Klinik, wird das Ambu®aScopeTMDuodeno deutschlandweit erstmalig bei einem Eingriff im oberen Verdauungstrakt eines Patienten verwenden. „Einer der Vorteile dieses Endoskops ist die verbesserte Kamera, deren LEDs mit integriertem Weißabgleich ausgestattet sind. Vereinfacht gesagt: Im Darm oder Bauchraum eines Menschen herrschen nicht gerade optimale Lichtverhältnisse. Diese Kamera gleicht das an Ort und Stelle durch eine bessere Lichtausbeute aus; das spart wertvolle Zeit und verkürzt den Eingriff.“ Ein weiteres Plus sei der geriffelte Griff, der bei einem Mehrweg-Endoskop glatt sein muss, um die Gefahr der Ansiedlung von Mikroorganismen zu minimieren. Für den Chirurgen bedeutet das Griffdesign beim Einweg-Modell aber eine bessere Griffsicherheit. Im Design sei man bei Mehrweg-Endoskopen insgesamt viel abhängiger von den Kriterien Haltbarkeit und Wiederaufbereitbarkeit.

Messmann, der als Präsident der Europäischen Gesellschaft für Gastroenterologie (ESGE) erst kürzlich den ESGE-Kongress in Prag mit über 2.000 Gästen aus aller Welt organisiert hat, kündigte in dem Zusammenhang die baldige Publikation eines Positionspapiers an, das sich unter anderem mit green endoscopy (grüne Endoskopie) beschäftige. „Was im ersten Moment widersprüchlich klingt – Einweg und nachhaltig – wird klar, wenn man sich die Ökobilanz eines Mehrweg-Gerätes anschaut: Es braucht Personal, es braucht Waschmaschinen, jede Menge Wasser und toxische Substanzen, um ein solches Endoskop zu sterilisieren. Das alles fällt beim Einweg-Modell weg, das zudem zu 100 Prozent keimfrei ist.“

Die Testphase der Single-use- oder Einweg-Endoskope ist abgeschlossen. Sie werden laut Dr. Ebigbo ab jetzt aber auch nicht immer, sondern abhängig von der Untersuchungsart, vom Patienten und von der Zeit des Eingriffs eingesetzt. Der Einsatz von Single-use-Endoskopen ist bspw. nachts definitiv ressourcenschonender, weil man die Nachtpflegekräfte dann nicht mit der aufwendigen Vorreinigung der Mehrweg-Endoskope beauftragen muss. Es wird also immer wieder neu entschieden, ob ein Ein- oder Mehrweg-Endoskop zum Einsatz kommt. Denn letztlich ist die Frage, welches Untersuchungsgerät nachhaltiger ist, von sehr vielen Faktoren abhängig. Deshalb hat die Firma Ambu eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, die diese Frage beantworten soll.