Historiker: Gaulands Aussage „charakteristisch für die Neue Rechte“

Der Historiker Niklas Fischer-Miyakis sieht in den Aussagen von Alexander Gauland über den 8. Mai 1945 Charakteristika der Neuen Rechten. Der AfD-Fraktionschef hatte den Tag, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa endete, als „Tag der absoluten Niederlage“ bezeichnet, „ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit“. „Es ist der Versuch einer gewissen Art der Aufrechnung, weil er ja auf die deutschen Opfer verweist. Das ist sehr charakteristisch für die Neue Rechte, die wiederum stark auf die AfD einwirkt“, sagte Fischer-Miyakis von der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität zum Nachrichtenportal Watson.

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Die Neue Rechte pflege ein anderes Narrativ als klassische Neonazis. „Da wird der Holocaust nicht geleugnet, sondern relativiert. Gauland etwa impliziert ja, ohne es direkt zu sagen, wir müssen auch mal an unsere eigenen Opfer denken“, so der Historiker.

Gaulands Aussage sei zudem hochgradig revisionistisch. „Wir feiern am 8. Mai nicht Gebietsverkleinerungen, sondern einen Tag der Befreiung, weil wir es nach all dem Terror heute besser wissen als unsere Vorfahren. Wenn Gauland noch im Jahr 2020 von Gebietsverlusten spricht, dreht er diese Logik gewissermaßen um“, sagte Fischer-Miyakis.

„Aus Feiertag wird dann eher `Trauertag`“. Historiker Hannes Liebrandt sieht in Gaulands Aussagen Kalkül. „Das sind ja wohlüberlegte Worte. Das ist keine spontane Äußerung, sondern bewusste“, sagte der Wissenschaftler von der Ludwig-Maximilians-Universität.

„Durch die Aussendung von Doppelbotschaften will Gauland sich nicht angreifbar machen, aber gleichzeitig bestimmte Botschaften aussenden. Und die sind verheerend.“ Denn natürlich sei der 8. Mai für weite Teile der Bevölkerung eine Befreiung gewesen. „Das gilt nicht nur für die KZ-Insassen, sondern auch für den Rest, der in einer zwölf Jahre langen Diktatur leben musste und sich selbst mehr oder minder stark auch an den Verbrechen beteiligt hat.“