IHK | „Brexit bringt stürmische Zeiten für die Wirtschaft“ – 500 schwäbische Betriebe betroffen

Der nun aller Voraussicht nach ungeregelte Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sorgt in der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft für große Verunsicherung, erklärt Dr. Andreas Kopton. „Betroffene Betriebe haben stürmische Zeiten vor sich. Besonders kritisch werden das Ende des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs und die Einführung von Zöllen. Die Unternehmen brauchen jetzt eine gute Vorbereitung, um diese Aufgabe zu bewältigen“, ist Kopton überzeugt.Brexit 3873554 1280

Der IHK-Präsident rät, das Dienstleistungsangebot der IHK Schwaben zu nutzen. Online bietet die Kammer Hilfestellung zu allen wesentlichen Folgen des Brexit in den Bereichen Zoll und Warenverkehr, Dienstleistungen, Transport und Logistik, Steuern, Datenschutz, Recht sowie Finanzdienstleistungen. „Das Worst-Case Szenario eines harten Brexit wird leider sehr wahrscheinlich. Daher sollte nun jedes Unternehmen seine offenen Fragen klären“, empfiehlt Kopton.

Aus Schwaben sind im Vereinigten Königreich rund 500 Unternehmen aktiv. „Gerade kleine Unternehmen, die bislang nur Handel innerhalb der EU betreiben, kommt ein Brexit teuer zu stehen“, berichtet Jana Lovell, Leiterin des IHK-Geschäftsfelds International. „Diese Unternehmen müssen sich oft erst Wissen und Strukturen etwa in Zollfragen aufbauen, weil sie es jetzt erstmals mit dem Nicht-EU-Ausland zu tun haben. Das schafft Kosten, die sich zu denen addieren, die die Betriebe schon jetzt schultern müssen.“

Denn auch das schwache britische Pfund stört den Handel, da sich die Exporte aus Deutschland verteuerten. „Das belastet gerade eine Exportregion wie Bayerisch-Schwaben besonders stark“, erklärt Lovell. Zudem ist eine Zurückhaltung bei Investitionen festzustellen. Wichtig ist für Unternehmen jetzt die Analyse ihrer Wertschöpfungskette und ihrer Lieferbeziehungen. „Selbst wenn kein direktes Geschäft mit dem Vereinigten Königreich betrieben wird, kann beispielsweise die Ware eines britischen Lieferanten Probleme bereiten. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich die Regeln bei der Mitarbeiterentsendung ändern werden.“

Für Unternehmen mit offenen Fragen hat die IHK Schwaben eine Brexit-Checkliste auf ihrer Webseite bereitgestellt. Hier sehen Verantwortliche, in welchen Gebieten Handlungsbedarf besteht.  Alle Informationsangebote der IHK Schwaben rund um den Brexit sind unter www.schwaben.ihk.de/brexit  verfügbar.

Zusätzlich wird die IHK Schwaben gemeinsam mit dem Hauptzollamt Augsburg eine schwabenweite Brexit-Roadshow durchführen. Hier werden die Unternehmen praktische Hinweise zu den geänderten Prozessen insbesondere beim Warenverkehr erhalten und ebenso Informationen zu den Grundlagen der Zollabwicklung. Auftakt ist in Augsburg am 1. März 2019, weitere Termine finden Sie laufend aktualisiert unter www.schwaben.ihk.de/brexit.

Fakten zum Brexit und zu den Handelsbeziehungen zum Vereinigten Königreich

Handelsbeziehungen Bayern – United Kingdom

  • Rund 500 Unternehmen mit regelmäßigen Geschäftsbeziehungen zu UK, davon ca. 140 mit Niederlassung / Produktion vor Ort
  • Schwerpunkt: Maschinenbau, Kfz, Infrastruktur, Lebensmittel, Logistik
  • Für Bayern: 7. wichtigster Handelspartner, Handelsvolumen 20 Mrd. €
  • 4. größter Exportmarkt,  Nr. 2 in Europa (hinter Österreich). Vor Brexit-Votum lag UK noch auf Platz 3 unter den Absatzmärkten
  • Ausfuhren Bayerns nach UK seit Brexit-Votum rückläufig, gleichzeitig positiver Trend für EU-27
  • Dynamisches Wachstum im Außenhandel gebremst (Ausfuhren in 2015 noch +21,6 %), Handelsvolumen UK-Bayern 2017 im Vorjahresvergleich um 527 Mio. € niedriger
  • Erheblicher wirtschaftlicher Schaden bereits verursacht.

Brexit

  • Zum 30.3.2019 wird das Vereinigte Königreich für die EU zum Drittstaat
  • Übergangsphase bis Ende 2020 ohne wesentliche Änderungen, nur im Falle der Ratifizierung des Austrittsabkommens. Andernfalls kommt es zum ungeordneten Austritt
  • Für die Wirtschaft ist die Übergangsphase dringend nötig, um die betrieblich notwendigen Vorkehrungen treffen zu können.