IHK-Geschäftsführer erwartet nach Öffnung der Geschäfte auch Perspektiven für im Lockdown verbliebene Unternehmen

Der annähernd vollständige Lockdown der Wirtschaft geht zu Ende. Der überwiegende Teil der rund 140.000 Mitgliedsunternehmen der IHK Schwaben aus Produktion, Handel und Dienstleistungen können ihre Geschäfte wieder aufnehmen. „Die Öffnung des Einzelhandels bis zu einer Verkaufsfläche von 800 m2 und die wieder anlaufenden Produktionsbänder in der Autoindustrie sind positive Signale einer neuen Normalität, die dem Gesundheitsschutz und der Wirtschaft Rechnung trägt. Nun geht es darum, den verbleibenden Unternehmen eine konkrete Perspektive zu geben, unter welchen Voraussetzungen sie wieder loslegen können“, stellt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, fest.

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Foto: Wolfgang Czech

Mit der gestrigen Entscheidung des bayerischen Kabinetts können nach Aussage von Ministerpräsident Dr. Markus Söder alle bayerischen Einzelhändler ihre Geschäfte wieder öffnen. Auch die mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 m2, sofern sie ihre Ladenfläche auf diese Grenze reduzieren. Dieser Entscheidung voraus gegangen waren verschiedene Verwaltungsgerichtsurteile sowohl im Nachbarland Baden-Württemberg als auch im Freistaat selbst, mit teilweise abweichenden Urteilen. Dr. Lucassen: „Diese auch juristisch geführte Diskussion zeigt, wie wichtig die breite Akzeptanz der staatlichen Beschränkungen in der Wirtschaft ist. Es geht um Chancengleichheit über Ländergrenzen und Unternehmensgrößen hinweg. Umso mehr freut es uns, dass die Staatsregierung mit ihrer heutigen Entscheidung nun für einen fairen Wettbewerb gesorgt hat.“

Länderübergreifender Ansatz für Hotellerie und Gastronomie wird erwartet

Ein fairer Wettbewerb setzt zudem voraus, dass die sektorale und regionale Öffnung der Wirtschaft auch zeitgleich erfolgt. So haben sowohl die österreichischen als auch die baden-württembergischen Nachbarn eine schrittweise Öffnung ihrer Gastronomie und Hotellerie angekündigt. Während die Reisetätigkeit in die Alpenrepublik unverändert stark eingeschränkt ist, droht eine weitere Kaufkraftabwanderung der rund 900.000 bayerisch-schwäbischen Haushalte mit ihren knapp 1,9 Millionen Einwohnern zum westlichen Nachbarn. So spekuliert die baden-württembergische Landespolitik trotz des Treffens der Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Dr. Markus Söder in der letzten Woche unvermindert über ein baldiges Ende des Shutdown, während der Bayerische Ministerpräsident in seiner heutigen Pressekonferenz grundsätzlich festgestellt hat, dass Bayern nicht nur früher begonnen, sondern auch später aufhören wird. „Wenn sich am Donnerstag die Ministerpräsidenten der Länder mit der Bundeskanzlerin zusammenschalten werden, dann erwarten wir, dass sich der länderübergreifende Ansatz einer gemeinsamen Industriepolitik, wie er beim Automobilsektor angestrebt wird, auch auf die Hotellerie und Gastronomie überträgt“, so Dr. Lucassen mit Blick auf die rund 9.000 Tourismusbetriebe in Bayerisch-Schwaben.

„Ein Unternehmen kann nur mit eigenem Umsatz und Ertrag existieren“

Alle staatlichen Finanzierungsinstrumente können der Wirtschaft kurzzeitig über die Corona-Krise hinweghelfen. Mittel- und langfristig kann ein Unternehmen allerdings nur mit eigenem Umsatz und Ertrag existieren. Gerade in einer stark vernetzten Wirtschaft ist es daher erforderlich einen groben Fahrplan zu entwickeln, der flexibel die Unsicherheiten der Corona-Krise abbildet. Bayern hat diesen Fahrplan für den Mai angekündigt. Ebenso spricht sich die Staatsregierung für konsum- als konjunkturfördernde Maßnahmen aus. Normalerweise können die bayerischen Schwaben durchschnittlich rund 7.200 Euro pro Jahr im Einzelhandel ausgeben. Geld, dass derzeit zu einem großen Teil gespart oder aufgrund der flächendeckenden Kurzarbeit erst gar nicht verdient wird. Dr. Lucassen: „Wirtschaft beginnt beim Kunden. Und der Kunde muss kaufen wollen. Dafür braucht er Vertrauen in die Zukunft und konkrete Kaufanreize. Beide seitens des Staates zu setzen ist daher der richtige Weg.“

In den letzten Wochen haben die bayerisch-schwäbischen Unternehmen quer über alle Branchen hinweg Konzepte für die der Vereinbarkeit ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten mit den Fragen des Gesundheitsschutzes entwickelt. Die Liste der konkreten Umsetzungsideen und Maßnahmen, die die IHK Schwaben von ihren Mitgliedsunternehmen erhalten hat ist lang. „Diese Kreativität der Wirtschaft bringen wir gerne konstruktiv in die weiteren Phasen der Corona-Krise ein, damit aus der Krise tatsächlich eine gemeinsame Zukunft erwachsen kann. Denn Optimismus ist ein fester Bestandteil der unternehmerischen DNA“, so Dr. Lucassen abschließend.