Für Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, steht fest: „Das Risiko einer ausbleibenden Gasversorgung insbesondere für Unternehmen wächst. Die Lage ist sehr ernst.“ Daher sei jetzt noch mehr Tempo bei den Gegenmaßnahmen erforderlich.

Angesichts der Ausrufung der zweiten Stufe des Notfallplans Gas besteht aus Sicht der Wirtschaft dringender Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen. „Wir steuern auf eine beispiellose Energiekrise zu. Deswegen muss die Politik zu ungewöhnlich scharfen Gegenmaßnahmen greifen. Neben der Inbetriebnahme von Kohlekraftwerken muss die Energiewende entbürokratisiert werden. So können wir uns keine Flut an Auflagen mehr erlauben, wenn wir schnellstmöglich mehr erneuerbare Energien, leistungsfähige Netze und neue Technologien wie Wasserstoff benötigen“, sagt Lucassen.

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Foto: IHK Schwaben

Doch auch die hohen Energiekosten stellen die Wirtschaft vor massive Probleme. In der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage bezeichnen acht von zehn Unternehmen die steigenden Energie- und Rohstoffpreise als größtes Geschäftsrisiko – über alle Branchen hinweg. Mit der neuerlichen Entwicklung könnten die Preise weiter in die Höhe schießen, was die Notlage verschärfen würde: in der Industrie ebenso wie im Handel und in der Dienstleistungsbranche. Denn im Winter muss auch in Ladengeschäften geheizt und in Hotelküchen weiterhin gekocht werden. „Die Belastungen für die Wirtschaft sind bereits jetzt hoch. Weiter steigende Preise werden viele Unternehmen nicht mehr kompensieren können“, berichtet Lucassen.

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Er appelliert daher an die Politik, alle verfügbaren Instrumente zu prüfen und schnell umzusetzen, um die Gasversorgung zu sichern und die Energiepreise nicht weiter explodieren zu lassen. „Das Einsparen von Erdgas ist in dieser Situation eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Alle Verbraucher sind jetzt aufgerufen, sämtliche Einsparpotenziale auszuschöpfen – von der Produktionshalle über das Büro bis hin zum heimischen Wohnzimmer“, so Lucassen.