Industriestandort Augsburg verfügt über deutliche Potenziale bei Zukunftstechnologien und wissenschaftlichen Dienstleistungen

Ein Gutachten der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH zur Analyse des Industriestandortes Augsburg bescheinigt dem Standort deutliche Potenziale bei Zukunftstechnologien und wissenschaftlichen Dienstleistungen. Auch Entwicklung von einer homogenen zu einer differenzierteren Branchenstruktur ist gelungen. Zugleich steht der Standort vor neuen Herausforderungen des industriellen Wandels.

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Foto: Dominik Mesch

Laut Wirtschaftsreferent Dr. Wolfgang Hübschle liefert das Gutachten wichtige Hinweise und Ansatzpunkte für eine passgenaue Förderung der angewandten Forschung im Rahmen der aktuellen „Hightech-Agenda plus“ des Freistaates Bayern. Dort sind für Augsburg 100 Mio. Euro Fördergelder vorgesehen, die vor allem für eine Initiative zur Künstlichen Intelligenz (KI) sowie für Projekte im Bereich des Wasserstoffes verwendet werden sollen.

Augsburg ist ein Standort, an dem sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten eine heterogene Wirtschaftsstruktur innerhalb des Stadtgebietes mit einem stabilen Mittelstand und einer vielfältigen Forschungslandschaft herausgebildet hat. So lautet das Gesamtfazit einer Analyse des Industriestandortes Augsburg, die von der Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg beim unabhängigen Beratungsunternehmen VDI/VDE Innovation + Technik GmbH aus Berlin in Auftrag gegeben wurde.

Erstellung der Analyse vor Pandemie

Für die Analyse wurde ein Methodenspektrum aus qualitativen und quantitativen Untersuchungsinstrumenten verwendet, das neben webbasierten Befragungen oder einer Bewertung regionalökonomischer Kennzahlen auch neuartige Instrumente wie u.a. das Horizon Scanning oder einen Inno-Trend-Radar (Fördermittelbetrachtung) beinhaltete. Die Analyse wurde vor Ausbruch der Covid19-Pandemie durchgeführt, so dass deren wirtschaftliche Auswirkungen und Herausforderungen noch nicht in die Gesamtbetrachtung eingeflossen sind.

Nach Wirtschaftssektoren aufgeschlüsselt, gehören (Stand 31.12.2018) 74,83 Prozent der sozialversicherungspflichtig (SV-pflichtig) Beschäftigten dem Dienstleistungsbereich, 25,1 Prozent dem produzierenden Gewerbe und 0,07 Prozent dem Bereich Land-, Forstwirtschaft und Fischerei an. Die wirtschaftlichen Kompetenzfelder Augsburgs heißen Umwelttechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologie, Kultur- und Kreativwirtschaft, Leichtbau (Faserverbundwerkstoffe), Logistik, Mechatronik und Automation sowie Gesundheitswirtschaft.

Größtes Wachstum im Dienstleistungssektor

Entgegen der jüngeren Entwicklungen bei der KUKA AG, der  LEDVANCE GmbH oder der Fujitsu Technology Solutions GmbH entstanden in Augsburg seit 2014 rund. 12.000 neue Arbeitsplätze, wobei das größte Wachstum im Dienstleistungssektor, speziell im Gesundheits- und Sozialwesen (Plus von rund 3.900 SV-pflichtig Beschäftigten) bzw. Informations- und Kommunikationswesen, zu verzeichnen ist.

Kleinteilige Unternehmensstruktur prägt Standort

Die Struktur der SV-pflichtig Beschäftigten am Arbeitsort ist u.a. dadurch gekennzeichnet, dass es mit 17,9 Prozent einen im bayern- und deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil mit akademischen Berufsabschlüssen (Akademikerquote) gibt und zugleich mit 12,3 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil ohne Berufsabschluss. Zugleich prägt den Standort eine sehr kleinteilige Unternehmensstruktur (Basis: rd. 11.800). Entsprechend der Unternehmensgrößenkategorien sind 88,9 Prozent Kleinstunternehmen (0-9 Beschäftigte), 8,6 Prozent Kleinunternehmen (10-49 Beschäftigte), 1,9 Prozent mittlere Unternehmen (50-249 Beschäftigte) und 0,6 Prozent Großunternehmen (ab 250 Beschäftigte).

Industriebezogene Handlungsfelder identifiziert

In dem Gutachten, das jetzt veröffentlicht wurde, wird die Analyse des Industriestandortes und der darauf basierenden Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der industriebezogenen Handlungsfelder verdeutlicht. Konkret geht es um die Detailthemen „Allgemeine Aspekte zum Standort“, „Struktur des Arbeitsmarktes“, „Struktur der Unternehmenslandschaft und Gründungsgeschehen“, „Innovationsdynamik und Innovationsthemen“, „Maßgebliche Branchen- und Technologieentwicklung mit Auswirkungen auf den Standort“ sowie eine Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Betrachtung. Ausführliche Informationen zu den Analyseergebnissen sind im Detail dem Gutachten zu entnehmen.