Insolvenzverfahren eröffnet | Gersthofer Backbetriebe vor am Aus?

Für die Gersthofer Backbetriebe GmbH wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Das teilte die Geschäftsführung der Belegschaft auf einer Betriebsversammlung am Montag mit.
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Ende 2014 übernahm die Serafin Unternehmensgruppe den Betrieb zusammen mit den Lechbäck-Verkaufsfilialen. Serafin steht in der Tradition von 150 Jahren Firmengeschichte der Augsburger Unternehmerfamilie Haindl. In der Serafin-Pressemitteilung anlässlich der Übernahme hieß es: „Die Geschäftsführung wird das Unternehmen am Standort Gersthofen mit gleicher Belegschaft unverändert fortführen.“ Das deckte sich mit dem erklärten Investitionsansatz der Serafin: „Wir investieren in etablierte mittelständische Unternehmen, die auf ein funktionierendes Geschäftsmodell zurückgreifen, und durch den Einsatz operativer und strategischer Maßnahmen weiterentwickelt werden können.“

„Die Backbetriebe nach grade mal vier Jahren in die Insolvenz laufen zu lassen, deckt sich nicht unbedingt mit diesem Selbstverständnis. Notwendige Investitionen z.B. in einen neuen Hallenboden erfolgten auch nicht. Die Backbetriebe beliefern vor allem Aldi mit Schnittbrot und frischen Backwaren. Das Geschäftsmodell trägt nicht mehr, weil Aldi bekanntermaßen auf Tiefkühlbackware umschwenkt, die in Filiale fertiggebacken wird. Das dürfte den Profis von Serafin beim Kauf bekannt gewesen sein.

Die Backbetriebe haben es bisher verschlafen, darauf zu reagieren. Die Beschäftigten haben jetzt natürlich Angst um ihre Jobs. Durch das Insolvenzverfahren drohen ihnen zusätzliche Nachteile: Abfindungen bei einem möglichem Jobverlust sind auch bei langen Betriebszugehörigkeiten auf 2,5 Monatsgehälter gedeckelt und müssen aus der Insolvenzmasse bedient werden. Doch es gibt noch andere Gläubiger, die bedient werden wollen: Bereits im Geschäftsjahr 2015 ließ Serafin die Backbetriebe hohe Bankdarlehen aufnehmen. Die Verbindlichkeiten gegenüber den Banken stiegen auf 2,9 Mio. Euro. Das waren rund 42 Prozent der Bilanzsumme. Seitdem schlagen sich die Backbetriebe mit hohen Zinsaufwendungen und Liquiditätsabflüssen für die Schuldentilgung herum. „Keine schönen Aussichten.

Ich appelliere an die Serafin, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die 400 Beschäftigten und ihre Familien nicht im Regen stehen zu lassen“, so Tim Lubecki von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.