Jeden erstmal nur einmal impfen? Virologe Streeck fordert offene Diskussion

In der Diskussion um knappen Impfstoff hat Prof. Hendrik Streeck, Chef des Instituts der Virologie an der Uniklinik Bonn, im Gespräch mit dem RTL Nachtjournal gesagt, dass manche Länder diskutieren, die Auffrischungs-Impfung gegen Corona später zu geben, damit erstmal mehr Menschen geimpft werden können.  

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Symbol-Bild von Frauke Riether auf Pixabay

„Einige Staaten diskutieren in der Tat, ob man nur ein Mal impft. Die Daten haben gezeigt, dass nach der ersten Impfung schon ein Großteil der Menschen geschützt ist vor der schweren Erkrankung, also über 50 Prozent geschützt sind. Und wenn man jetzt die zweite Booster-Impfung, wie wir das nennen, die Auffrisch-Impfung, später gibt, könnte man durch die ersten Chargen der Impfdosen eigentlich die Impfkapazitäten verdoppeln. Aber es müsste erstmal diese Diskussion geben, diese Entscheidung geben, und das hat eben viele Pros und auch Kons (Kontras). … Einfach ist die Entscheidung nicht, aber es wäre eine Möglichkeit, schnell mehr Menschen zu impfen.“

Der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca wurde ja in Großbritannien zugelassen. Er soll eine geringere Wirksamkeit haben. Auf die Frage, ob man sich daher lieber mit dem Impfstoff von Biontec-/Pfizer impfen lassen soll, sagte Prof. Streeck:

„Es ist schwer, die zu vergleichen. Leider gibt es noch keine Daten darüber, wie die Entscheidung getroffen wurde im Vereinigten Königreich, den Impfstoff zuzulassen. Der Impfstoff hat zwar anscheinend eine geringere Wirksamkeit, einer Erkrankung vorzubeugen, aber es wurde geprüft, dass er vor einer Infektion schützt. Das wurde beim Biontec/Pfizer Impfstoff noch nicht gemacht. Bei dem einen wissen wir bereits, dass es einen Schutz vor der Infektion zum Teil gibt. Das wissen wir beim Biontec/Pfizer Impfstoff nicht, aber der schützt dafür eher vor einer Erkrankung (und einem schweren Verlauf).“

Viele Bürger vermissen eine längerfristige Strategie, besonders jetzt, da es so aussieht, als würde der Lockdown verlängert. Auf die Frage, was Deutschland noch machen könne, damit die Infektions- und Todeszahlen durch Corona heruntergehen und wir das Virus besser im Griff haben, sagte Prof. Streeck:

„Ich plädiere ja schon seit dem Sommer dafür, dass wir viel besser Alten- und Pflegeheime schützen müssen. Wir haben wieder gesehen in den letzten Tagen, dass der Großteil der Todesfälle wieder in den Alten- und Pflegeheimen passiert. Wenn wir dort das Personal frequent testen, alle zwei, drei Tage z.B. Wenn wir dort aber auch die Besucher jedes Mal wie in einem Schleusensystem testen, verpflichtende FFP2-Masken für jeden haben, dann könnte man zumindest die größeren Einträge in diese Heime vermeiden und auch eine Verbreitung unter den Bewohnern.“

Müsste das am besten der Bund zahlen?

„Das müsste durch den Bund oder die Länder gezahlt werden. Tübingen ist da im Moment Vorreiter, hat viel auch dort schon erreicht. Es gibt keine weiteren großen Einträge in die Alten- und Pflegeheime. Und wir werden dort sehen, wie gut so eine Strategie funktionieren kann.“