Einst als Grundstein für die Social Media-Generation angesehen, gilt Facebook aktuell als Relikt einer längst vergangenen Zeit. Gründer Mark Zuckerberg kämpft derzeit mit einem unaufhaltsamen Zielgruppenwandel, der das Durchschnittsalter in die Höhe treibt. Wird Facebook bald nur noch „alt“ sein?

Als sie im Spätsommer 2008 auf dem deutschen Markt angeboten wurde, rissen sich die User darum, einen Account auf der amerikanischen Plattform einzurichten. Die damalige Konkurrenz, die aus StudiVZ und MySpace bestand, hatte trotz großem Zuspruch und Userstamm keine Chance gegen den Giganten aus Übersee. Mittlerweile sind die beiden ehemaligen Mitbewerber vom Markt verschwunden. Aber hat Facebook nun das Feld für sich? Nicht ganz. Instagram, TikTok oder Pinterest sind nachgerückt und machen der „Mutter“ aller sozialen Netzwerke das Leben schwer.

Auch wenn Instagram mittlerweile zum großen Imperium von Facebook – oder Meta, wie es seit der Umbenennung im Jahr 2021 heißt – gehört, muss es sein Standing bei der jungen Zielgruppe verteidigen. Wie Statista in einer aktuellen Auswertung belegt, macht die Altersgruppe der 30- bis 39-jährigen Nutzer mit 80 Prozent den Hauptnutzeranteil aus.  2012 standen noch die User im Alter von 16 bis 19 Jahren an der Spitze und machten 87 Prozent aus. 2022 sind davon nur 39 Prozent übrig geblieben.

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Quelle: Pixabay

Kaum Neuanmeldungen

Es wäre einfach zu behaupten, dass die neuen User einfach älter sind. Das Problem ist jedoch: Es gibt kaum neue User. Die starke Altersgruppe ist die ehemalige Altersgruppe zwischen 16 und 19 Jahren. Dass die junge Zielgruppe in Prozenten so gering ausfällt, belegt, dass keine Nachrücker in Sicht sind, die sich mit dem Angebot von Facebook identifizieren wollen. Zu komplex, zu langsam, zu oldschool. Was von 40-Jährigen als modern und hip angesehen wird, ist bei der heranwachsenden Generation schon längst out. Jedoch entwickelt sich dieses Feld so schnell, dass die Wahrnehmung des realen und des technologischen Alters oft auseinander klafft. Es muss schneller, bildlastiger und interaktiver sein. Angesichts dessen erfreut sich Instagram oder TikTok einem regelrechten Boom.

Kurze Clips, die unterhalten und kaum Zeit zum Konsumieren aufwenden: Diesen Content wünschen sich Instagram- und TikTok-Nutzer, deren Durchschnittsalter bei 16 bis 24 Jahren liegt. Fast 70 Prozent machen die User aus. 

Größeres Ziel

Doch ist die fehlende Flexibilität von Facebook das einzige Problem, warum jüngere User der Plattform fernbleiben? Den Hauptgrund bildet es in jedem Fall. Weitere Faktoren sind jedoch, dass sich Mark Zuckerberg mit seinem Meta-Universum einem größeren Ziel verschrieben hat, welches nur schleppend vorankommt. Die Entwicklung einer eigenen Meta-Währung scheiterte, die VR-Technologie Oculus hat den Durchbruch nie geschafft und die Debatte um eine fragwürdige Datennutzung hat einen nachhaltigen Imageschaden verursacht, von dem sich das amerikanische Unternehmen nie ganz erholte.

Anstatt sich auf die Community zu fokussieren und deren Wünsche zu realisieren, verfolgt Zuckerberg einen eigenen Plan. Wachsen, expandieren oder neue Dinge auszuprobieren, gehört zum Lebenszyklus einer modernen Firma. Allerdings sollte die Kernkompetenz im Fokus behalten werden, damit die User einen Grund haben, am Ball zu bleiben. Diese Bedingung hat Mark Zuckerberg aus den Augen verloren und baut sein Meta-Universum nach eigenen Wünschen aus. Eine Strategie, die langfristig für wachsenden Userschwund sorgen dürfte.