Der FC Augsburg befindet sich im Umbruch. Mit Enrico Maaßen soll ein Bundesliga-Novize die Weichen in Richtung Zukunft stellen. Die Voraussetzungen für dieses „Projekt“ sind anspruchsvoll.

Körperbetontes schwarzes Hemd, trendige Frisur und smartes Lächeln, so betrat Enrico Maßen zu Wochenbeginn die Bundesliga-Bühne. Beim FC Augsburg übernimmt der 38-Jährige ab sofort seine erste Aufgabe im Fußballoberhaus. „Maaßen hat uns in den Gesprächen früh überzeugt,“ so Stefan Reuter, der den bisherigen Trainer von Dortmund II nur drei Tage nach Saisonende kontaktiert hatte. Insbesondere die Kenntnis über den aktuellen Kader der Schwaben hatte beeindruckt.

In Maaßens Auftragsbuch für die kommende Spielzeit steht dick geschrieben, diesen Kader und die darin befindlichen jungen Spiele weiterzuentwickeln. Auf großartige Änderungen beim Personal wird er sich dabei nicht einstellen müssen, das aktuelle Aufgebot wird in größten Zügen auch das neue bleiben. „Wir werden uns höchstens punktuell verstärken“, so Reuter auf Nachfrage. Die beiden Coronajahre haben auch beim FC Augsburg finanzielle Spuren hinterlassen. Für Maßen sollte dies aber nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine interessante Aufgabe sein.

Maaßen als Förderer

Der gebürtige Wismarer gilt als Förderer mit einem Händchen für junge Spieler. Mit Henri Koudossou (22/Mittelfeld) und Aaron Zehnter (17/Linksverteidiger) hat der FCA in den vergangenen Tagen zwei weitere Kicker aus dem eigenen Nachwuchs unter Vertrag genommen. Ärgerlich, dass mit Dikeni Salifou (Bremen) und Noa-Gabriel Simic (Borussia Dortmund) zwei der wohl besonders starken Talente zur neuen Saison zur Konkurrenz gewechselt sind. „Wir haben da in der Vergangenheit Vertrauen verloren“ weiß Reuter. „Das Vertrauen müssen wir wieder zurückgewinnen.“ Die Voraussetzungen dafür wären in Augsburg nicht erst seit der Fertigstellung des Nachwuchsleistungszentrums gut. Künftig wird man aber junge Talente aber nur mit Einsatzzeiten in der Bundesliga davon überzeugen können, den Weg, den einstmals Framberger, Richter und Danso gegangen sind, ebenfalls zu bestreiten. Auch der neue Cheftrainer sieht das so. Auf Nachfrage, ob der Kader ihm so genügt, gibt er allerdings schon zu, dass er noch gerne einen Angreifer mit Erfahrung, „der Quote bringt“, in seinem Aufgebot sehen würde.

FC Augsburg | Weitere Testspiele in Region und Trainingslager für Maaßen & Co. vereinbart

Umbruch im Kader, Verantwortung für junge Akteure

Ob dieser Kader für höhere Aufgaben genügt, wird sich zeigen lassen. Mit Finnbogason und Moravek hat man zwei erfahrene Spieler, die zwar regelmäßig verletzt waren, aber durch ihre Erfahrungen besonders im Training und in der Kabine wichtig waren, abgegeben. Eine Lücke ist entstanden, die es nun durch Spieler wie Niklas Dorsch (24) zu schließen gilt. Jüngere Profis müssen verstärkt Führungsrollen übernehmen. Augsburg befindet sich im Umbruch, Reuter möchte sich deshalb auch auf kein Saisonziel festlegen. „Für uns wäre die Saison ein Erfolg, wenn zum Saisonabschluss unsere Fans mit einem Lachen im Gesicht heimgehen würden“. Intern gilt aber auch 2022/23 „Klassenerhalt + x“ als sportliche Messlatte. Bundesliga-Novize Maaßen möchte sich diesbezüglich ebenfalls nicht öffentlich festlegen und denkt zuerst in kleinen Etappen. Sein erstes kleines Ziel ist eine gute Vorbereitung.

In dieser Pre-Saison wird der FC Augsburg damit beginnen, auch in der eigenen Region wieder einige Testspiele zu absolvieren. Auch bei den Fans gilt es Vertrauen, Verbundenheit und Nähe zurückzugewinnen. Am Dienstag werden die Bundesligakicker zu einem ersten Aufgalopp gegen den Bayernligisten und Lokalrivalen TSV Schwaben antreten (siehe eigener Beitrag)

Interessantes Projekt gibt Hoffnung auf bessere Zeiten

Für Maaßen jedenfalls beginnt spätestens jetzt in Augsburg ein interessantes Projekt, mit dem wohl auch das Schicksal von Geschäftsführer Sport Stefan Reuter (Vertrag bis 06.2023) eng verbunden sein wird. Der gebürtige Franke hatte in der näheren Vergangenheit mit seinen Trainer- und Transferentscheidungen nicht nur Treffer gelandet, dies hatte er zuletzt selbstkritisch eingeräumt. Sollten nun die Weichen richtig gestellt worden sein, werden diese Fehler sicher in Vergessenheit geraten, wenn nicht, werden die kritischen Fragen in Richtung des Managers weitergehen.

Hoffnung auf bessere Zeiten besteht, das frische Auftreten des jungen Coaches kommt bei Spielern und Fans bisher an. Sollte es Maaßen gelingen dem Team wie geplant eine eigene spielerische Identität zu verpassen, wird man in Augsburg sicher auch die ein oder andere Niederlage verzeihen und die Mannschaft unterstützen. Dann könnte Maaßen hier vielleicht sogar heimisch werden. Ein Haus für seine Familie sucht er im Umland bereits.

Bildergalerie | Beim FC Augsburg wird wieder geschwitzt