Kann ein Fitnessstudio-Vertrag vorzeitig gekündigt werden, wenn man zugenommen hat?

Verträge mit einem Fitnessstudio haben regelmäßig eine festgelegte Laufzeit. Den Vertrag vor Ablauf der Vertragszeit zu kündigen ist schwierig.Der oft nicht geringe monatliche Beitrag schmerzt besonders dann, wenn man das Fitnessstudio nicht mehr nutzen kann.

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Symbolbild

So erging es jetzt einem übergewichtigen Schwabmünchner, der sich mit dem festen Vorsatz abzunehmen, bei einem Fitnessstudio anmeldete. Nachdem der ersehnte Erfolg ausblieb und der Kunde sogar noch zunahm, kündigte er den Vertrag. Als Kündigungsgrund nannte er sein Übergewicht. Ein Arzt attestierte dem Kunden, dass er aufgrund seines deshalb die Geräte nicht mehr benutzen könne.

Das Fitnessstudio akzeptierte die Kündigung jedoch nicht und verklagte den Kunden vor dem Amtsgericht Augsburg, Zweigstelle Schwabmünchen, auf Zahlung der ausstehenden Mitgliedsbeiträge in Höhe von etwa 1.650 EUR. Das vertragliche Risiko einer weiteren Gewichtszunahme trage der Kunde, so die Begründung der Klage.

Das Gesetz (§ 314 BGB) bestimmt, dass aus wichtigem Grund ein Vertrag auch vor Ablauf der Vertragszeit gekündigt werden kann, wenn einem Vertragspartner unter Berücksichtigung aller Umstände die Fortsetzung des Vertrages bis zur vereinbarten Beendigung nicht mehr zuzumuten ist.

Gerichte erkennen unter Umständen einen wichtigen Grund an, wenn einem Kunden aufgrund einer Erkrankung die Nutzung des Fitnessstudios nicht mehr möglich ist.

Das Amtsgericht Augsburg, Schwabmünchen, sah in der Gewichtszunahme des Kunden keine Erkrankung, die eine Kündigung rechtfertige. Das Risiko der Gewichtszunahme liege im Bereich des Kunden. Die Kündigung sei unwirksam und der Vertrag bestehe fort, so das Gericht.

Eine Entscheidung musste das Gericht nicht mehr treffen, da sich die Fitnessstudio und Kunde vor Gericht doch noch einigten. Der Kunde verpflichtete sich ausstehende Mitgliedsbeiträge in Höhe von 1.300 EUR in Raten zu bezahlen. Mit dem Preisnachlass war auch das Fitnessstudio einverstanden und der Rechtsstreit damit beendet.