Der Weltcup im slowenischen Tacen war der letzte Wettkampf vor den Weltmeisterschaften in Augsburg vom 26. Bis 31. Juli. Der Cheftrainer zieht positive Bilanz.

Elena Lilik hat beim Weltcup im slowenischen Tacen erneut überzeugt. Trotz hoher Belastung – sie startet in drei Disziplinen – lieferte sie. Im Kanuslalom holte die für Kanu-Schwaben Augsburg Startende mit Bronze im Canadierboot die einzige Medaille für das deutsche Team. Extremslalom-Spezialist Vinzenz Hartl konnte sich an diesem Weltcup-Wochenende im letzten Anlauf das WM-Ticket noch sichern.

Thomas Apel Mit Elena In Tacen
Bundestrainer Thomas Apel mit seiner Tochter Elena Lilik in Tacen | Foto: Horst Woppowa

Extremslalom ohne Medaillen für Deutschland

Bei den letzten Wettkämpfen an diesem Weltcup-Wochenende zeigte Lilik mit ihrer Halbfinalteilnahme im Extremslalom die beste Leistung aus deutscher Sicht. Für den Endlauf reichte es nicht, sie war bereits beim Start von der Rampe ein Ticken zu spät dran und geriet damit beim ersten Aufwärtstor in Bedrängnis, so dass sie keine echte Chance mehr hatte, an Platz zwei für das Finale zu paddeln. Gold, Silber und Bronze gingen an die Britin Kimberley Woods und die Österreicherinnen Corinna Kuhnle sowie Viktoria Wolffarth. Liliks Vereinskollege Noah Hegge, als bester deutscher Mann im Extrem bei diesem Weltcup, schied im Viertelfinale aus, nachdem er die Eskimorolle nicht korrekt ausführte. Er war gut in das Kopf-an-Kopf-Rennen gestartet, hatte dann am ersten Aufwärtstor ein paar Probleme sich durchzusetzen. In der Aufholjagd passierte dann der Fehler. Caroline Trompeter (SKG Hanau), Franziska Hanke und Vinzenz Hartl (beide Augsburger KV) waren in den Heats ausgeschieden. Der Weltcup-Sieger in Prag vor zwei Wochen, Stefan Hengst (RR Hamm), konnte sich nicht für die Kopf-an-Kopf-Rennen qualifizieren. Die Podiumsplätze belegten Isak Ohrstrom aus Schweden vor dem Tschechen Vit Prindis und Anatole Delassus aus Frankreich.

Bronze für Lilik im Canadier

Elena Lilik hatte vor den Extremslalom-Wettkämpfen an diesem Sonntag bereits die Canadier-Läufe in den Knochen. Dort konnte die 23-Jährige im Finale zwar nicht ihre Zeit aus dem Halbfinallauf von 100,76 Sekunden wiederholen, dennoch hätte es auch dann nicht für eine bessere Platzierung gereicht, weil die Siegerin Mallory Franklin aus Großbritannien mit 96,52 Sekunden überragend fuhr, gefolgt von Evy Leibfarth (USA) mit 1,75 Sekunden dahinter. Bereits an Tor drei war Lilik etwas langsam unterwegs, aber vor allem im letzten Streckenabschnitt ließ sie wertwolle Sekunden liegen. „Es war ein kompletter Kampf bis ins Ziel. An ein, zwei Stellen hatte ich auch ein bisschen Pech mit dem Wasser. Aber das gehört in Tacen dazu. Um so wichtiger ist es, weiter zu kämpfen, und das habe ich geschafft und wurde am Ende mit Bronze belohnt“, sagte die Weltmeisterin. Der Siegerin Franklin zollte sie Respekt, „sie war bombenstark, bei ihr hat alles gepasst. Das passiert hier in Tacen sehr selten, dass jemand von oben bis unten so einen Lauf runterbringen kann.“ Aus diesem Grund sind generell die Abstände in den Läufen in Tacen meist viel größer als in anderen Weltcup-Orten.

Hartl löst WM-Ticket

Vinzenz Hartl nutzte die letzte Chance, um sich die Teilnahme an den Weltmeisterschaften Ende Juli in Augsburg im Extremslalom zu sichern. Mit seinem zehnten Platz im Einzelzeitfahren beim Weltcup im slowenischen Tacen erbrachte er den vom Deutschen Kanu-Verband geforderten Leistungsnachweis. Top-16 war die Vorgabe. Nach dem Rennen sagte der 21-Jährige scherzhaft, „nur unter Druck entstehen Diamanten.“ Damit ist das deutsche WM-Team komplett.

Tasiadis bester deutscher Canadier-Mann

Sideris Tasiadis als bester deutscher Canadierfahrer heute paddelte auf Platz fünf. Der 32-Jährige zeigte einen beeindruckenden Lauf, obwohl der Start nicht perfekt war. Doch zurück auf der Linie war er zur zwischenzeitlichen Bestzeit unterwegs. An Tor 16 folgte dann aber eine unerwartete Torstabberührung. Er blieb mit dem Ellenbogen hängen, was ihn Gold kostete. Doch sein Fokus lag dabei wie von außen zu vermuten war, nicht bereits auf dem nächsten Tor, „ich dachte, dass es klappt wie ich gefahren bin“, sagte der Kanu-Schwabe. Der Sieg ging an den Slowaken Alexander Slavkovski vor den beiden Slowenen Luka Bozik und Benjamin Savsek.

Sideris Tasiadis
Sideris Tasiadis | Foto: Horst Woppowa

Der zweite deutsche Finalist Lennard Tuchscherer (Leipziger KC) paddelte auf Rang acht. Der 23-Jährige hatte etwas Probleme an einer Torkombination im mittleren, schwersten Streckenabschnitt, wo er wichtige Sekunden liegen ließ. „Ich hatte überall vereinzelt kleine Probleme. Es ging schon vom Start zu Tor eins los, als mir Wasser über die Bugkante lief. Den kleinen Fehler konnte ich auskorrigieren. Danach lief von Tor zwei bis zehn alles echt super“, sagte er. Mit dem Ziel, eine enge, knappe Linie zu fahren riskierte er zu viel. Er stieß mit dem Boot auf den Boden, „deshalb konnte ich die Drehung auf Tor zwölf nicht weitergeben.“ Ab Tor 17, so gibt er zu, „habe ich ein bisschen die Kraft verloren. Somit passte meine Geschwindigkeit nicht mehr.“ Für den Leipziger war es das erste Weltcup-Finale, insofern war Tuchscherer am Ende trotzdem zufrieden, insbesondere da es am Ende zu Platz acht im Zehnerfeld reichte.

Für die Nachwuchshoffnungen Hannah Süß (KS Augsburg) und Benjamin Kies (BSV Halle) galt es Erfahrungen unter den Weltbesten zu sammeln. Beide hatten sich in das Halbfinale gepaddelt, in dem der 19-jährige Kies trotz der zwei Torstabberührungen einen guten Lauf zeigte und auf Rang 24 des 30-Mann-Feldes landete. „Ich habe mir vorgenommen ins Halbfinale zu fahren, das habe ich geradeso geschafft. Damit bin ich sehr zufrieden. Im Halbfinale hat dann leider nicht alles gepasst, aber die Ansätze sind, denke ich, vorhanden. Leider ist es mir nicht gelungen einen Null-Lauf zu fahren, aber das wird sich hoffentlich in Ivrea ändern“, wo die U23-Weltmeisterschaften in diesem Jahr stattfinden.“ Süß, 18 Jahre alt, kam mit dem schwierigen mittleren Streckenabschnitt nicht zurecht und wurde vom Wildwasser an vier Toren vorbei getrieben. Ihr Ziel Halbfinale hat die junge Athletin erreicht. „Im Halbfinale bin ich einfach nicht richtig in den Lauf reingekommen, hatte kein richtig gutes Gefühl auf dem Wasser“, sagte die Augsburgerin. „Insgesamt konnte ich aber viel lernen und werde an die Sachen, die schon gut funktioniert haben, in Ivrea zur WM anknüpfen.“

Bestes deutsches Kajak-Ergebnis durch Hegge

Die Kajak-Wettkämpfe am Samstag standen unter keinem guten Stern. Es war der Tag der verpassten Tore für die Deutschen. Das beste Ergebnis aus deutscher Sicht als einziger Finalist erreichte Noah Hegge mit Platz zehn. Der 23-Jährige rutschte auf den letzten Rang im Endlauf aufgrund von 52 Strafsekunden. Er sagte nach dem Finale, „es war sehr ärgerlich. Ich hatte gemeinsam mit meinem Trainer Paul Böckelmann einen Plan erarbeitet, der hatte im Halbfinallauf auch funktioniert. Ich denke im Finale bin ich das Tor enger angefahren, aber man hätte den Fünfziger vielleicht nicht geben müssen. Deshalb war es noch ärgerlicher, weil es so eine enge Entscheidung war.“ Ohne diese Strafe hätte es dennoch nicht für das Podium gereicht. „Ich bin glücklich, dass ich im Finale war. Aber so ein Fahrfehler darf mir so nicht passieren“, sagte der Augsburger selbstkritisch. Damit passierte Hegge das Gleiche wie seinen beiden anderen Teamkollegen Elena Lilik und Stefan Hengst bereits zuvor in den Halbfinalläufen, was das vorzeitige Aus für beide bedeutete.

Entsprechend ging das Finale der Kajak-Damen ohne deutsche Beteiligung über die Bühne. Die Entscheidung bei Lilik war knapp. Zunächst als Halbfinal-Neunte angezeigt, folgten dann doch die 50 Strafsekunden durch die Kampfrichter. „Ein Video sprach eher für die 50“, sagte Cheftrainer Klaus Pohlen. U23-Paddlerin Bei Franziska Hanke (Augsburger KV) konnte sich bereits am Freitag nicht für das Halbfinale qualifizieren. Es passte im ersten Lauf nichts zusammen, 60 Strafsekunden standen am Ende auf ihrem Konto. In Runde zwei machte es die Augsburgerin wesentlich besser, dennoch reichte es am Ende nicht. Besonders schwierig empfand Hanke die Qualifikationsstrecke vom Freitag nicht, „sie war an sich schon machbar. Dass ich zweimal an derselben Kombi den Fehler mache und vorbei fahre, darf eigentlich nicht passieren“, merkte die 21-Jährige selbstkritisch an. „Trotzdem nehme ich viel Wettkampferfahrung mit, auch in Hinsicht auf die U23-WM in Ivrea.“ Die Podestplätze bei den Damen gingen an die Australierin Jessica Fox, die Britin Mallory Franklin und Viktoriia Us aus der Ukraine. Bei den Herren siegte der Tscheche Jiri Prskavic vor dem Slowenen Martin Srabotnik und Jakub Grigar aus der Slowakei.

Trainer schauen optimistisch in Richtung Heim-WM

Kajak-Bundestrainer Thomas Apel macht sich nach dem letzten Wettkampf vor den Weltmeisterschaften Ende Juli in Augsburg dennoch keine Sorgen. Zum einen waren die die Deutschen spät angereist, weshalb etwas Training auf der Strecke in Tacen fehlte, „zum anderen waren wir sowieso hier angereist, um im Extremslalom mehr Wettkampferfahrung zu erlangen“, sagte er. Die Kanuslalom-Ergebnisse betreffend, erklärte Apel, „es war eine Strecke auf Messers Schneide. Es gab viele wasserabhängige Situationen, wenn man da nicht auf der Linie war, war der Hals zu kurz.“ Tacen ist bekannt für ungewöhnliche Resultate, „dennoch nehmen wir Erkenntnisse auch nach Augsburg mit.“

Cheftrainer Klaus Pohlen sieht nach den Kanuslalom-Wettkämpfen optimistisch in Richtung Weltmeisterschaften in Augsburg. „Die Performance stimmt, dass ist wichtig“, resümierte er. Zumal die Umstände, unter denen das Team nach Tacen angereist war, nicht optimal waren. Aufgrund von zwei Coronapositiv-Fällen hatten die Deutschen den Weltcup in Krakau am vorigen Wochenende abgebrochen und war dann verspätet nach Slowenien gereist. „Ich bin froh, dass die Gruppe das alles so gut weggesteckt hat.“

Nach dem letzten Wettkampf vor der Heim-WM gibt es eine kleine Verschnaufpause von zwei bis drei Tagen, bevor das Team in die unmittelbare Wettkampfvorbereitung geht.

Uta Büttner